"I'm god, i want to create..." So beginnt Helgi Hrafn Jónsson sein gestriges Konzert im Atomic Cafe. Wer nun meint, es handele sich bei ihm um ein selbstherrlichen, eingebildeten Kerl, der irrt. Ganz im Gegenteil, immer einen witzigen Spruch auf den Lippen...und das im besten deutsch österreichisch. Nicht gerade das was man von dem androgyenen Isländer im Vorfeld erwartet.
Doch bevor es um ihn geht gibt es wie gewohnt ein paar Worte zu seinem Support: Ragga Gröndal. Die Isländerin präsentierte gestern, auf ihrem ersten Konzert zusammen mit Helgi , selbstgeschriebenes in englisch und isländisch, sowie traditionelle isländische Folk Songs. Absolut bemerkenswert ist die Stimme der jungen Musikerin, die man vielleicht ganz gut im Blues unterbringen könnte. Kraftvoll, klar und intensiv, so lässt sich das gehörte wohl am ehsten beschreiben. Leider fehlte das abwechslungsreiche im Programm von Ragga Gröndal, die in Island laut Helgi Jonsson übrigens ein Star ist, und daher wurde es zum Ende hin doch etwas anstrengen ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken.
Helgi Jonsson betritt dann gegen halb 11 die Bühne und spielt eine gute Stunde. Vorallem sein in diesem Jahr erschienenes Album For the Rest of My Childhood ist musikalisches Thema des Abends. Für den neu 30-jährigen scheint das Alter und Altern ein großes Thema zu sein, auch wenn er sich selbst zumindest teilweise immer noch als Kind bezeichnet. Unfassbar scheint es welche Töne aus dem Mund des spindeldürre Isländers kommen, so spektakulär ist seine sensible Stimme. Weder Tiefen noch Höhen werden gescheut, genauso wenig die leisen oder lauten Töne. Helgi Jonsson experimentiert gerne mit Klängen, das hört man nicht nur auf seinen Alben, sondern auch live. Texte, so erzählt er im Vorfeld im Interview mit LAXMag (in den nächsten Tage online), wären notwendig, aber er schaffe zuerst die Musik. Darum ginge es ihm. Trotzdem scheinen seine Texte nicht Gezwungenes zu sein, sie sind (mindestens) so schön wie seine Musik.
Alle die sich davon noch überzeugen wollen: Helgi kann man die nächsten Tage noch in Köln, Hamburg und Berlin sehen. Es lohnt sich.
Mal ein Konzert der etwas anderen Art gab es gestern für uns beide zu erleben: die drei ??? live. Wir, die – wie viele andere - mit Justus, Bob und Peter praktisch aufgewachsen sind, waren über Wochen und Monate schon voller Vorfreude. Gestern Abend war es dann endlich soweit: in der voll besetzten Freiburger Rothausarena gaben sich die Originalsprecher Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck die Ehre und bescherten uns einen Abend, der nicht bunter hätte sein können.
Nachdem wir uns am Merchandisingstand mit gut der Hälfte des Katalogs eingedeckt hatten, ging es pünktlich um 20:00 Uhr los. Musiker, Geräuschemacher und Erzähler betraten die Bühne, gefolgt von einem turbulenten Erscheinen von den drei Detektiven im schicken Overall, den sie aber bald gegen noch schickere Anzüge tauschten. Die Episode, die wir zu erwarten hatten, kannte wahrscheinlich jeder der Anwesenden, und doch war die Handlung um den seltsamen Wecker um viele Szenen erweitert worden. Vor allem lustige Sequenzen und eine Gesangseinlage ließen mich Tränen lachen. Auch die Nebenrollen waren hervorragend besetzt, wodurch es problemlos ging, mehrere Rollen gleichzeitig von nur einem Sprecher darstellen zu lassen. Da gab es zum Beispiel eine durchgedrehte Tantralehrerin, eine wütende Hausfrau, eine Katzenlady, einen extrem schläfrigen Besitzer eines Uhrengeschäfts, einen zu allen Gewalttaten bereiten Spanier und viele mehr. Geräuschemacher und Musiker lieferten dazu eine Stimmungsvolle Kulisse, hinterleuchtet von einer großen LED-Leinwand, auf der abwechselnd das Bild des Weckers, die Fragezeichen oder auch Teile der Auflösung des obligatorischen Rätsels eingeblendet wurden. Besonders hervorzuheben sind natürlich auch die schauspielerischen Qualitäten der Sprecher, die – hervorragend aufeinander eingespielt- mit passender Mimik und absolut sympathisch der Geschichte eine Seele einzuhauchen vermochten. Ein komplett gelungener, gute zwei Stunden dauernder Abend, an dem Erwachsene wieder Kinder sein durften. Besonders gelungen (und natürlich einen einträglichen Marketingeinfall) fand ich im Übrigen die Idee, den Mitschnitt des Abends gleich danach auf USB-Sticks zu verkaufen. Sollte es öfter geben.
Das gestrige Konzert im Atomic zeichnete sich schon im Vorfeld durch eine Besonderheit aus: die Tickets konnten ausschließlich gewonnen werden. Hier gleich nochmals mein Dank an die holden Spender und die Vermittlerin. Dank euch durften ich und meine Begleiterin einen wunderschönen, lauten Abend erleben.
Bis um Viertel nach Neun wartet das gerammelt volle Atomic und das bunte Instrumentensammelsurium auf die vier Herren aus London. So finden sich diverse Akustikgitarren, Bässe, einen Kontrabass, ein Keyboard, eine Quetsche, ein Banjo, Mandoline, Schlagzeug sowie eine Pedal Steel Gitarre.
Als dann Mumford & Sons die Bühne betreten, das Publikum jubelnd, beginnen sie mit "Sigh No More". Die typische Bühnenhirarchie mit dem Sänger vorne wird aufgehoben, so stehen alle vier nebeneinander. Ein schönes Bild.
Während der guten Stunde die das Konzert dauert zeigt sich die Newcomer Band als tolle Musiker und sympatische Erzähler. So wird viel gelacht, auf und vor der Bühne. Professionell spielen sie ihr gesamtes Dabutalbum, außerdem zwei zusätzliche Titel, das neue "Whispers in the Night" und "Sister" unplugged, ein wunderschöner Moment übrigens.
Absolut überzeugend spielen die vier Londoner ihre Instrumente. Das Schlagzeug bleibt eher Deko, da 1) Marcus Mumford mit seinen Füßen die große Trommel und auch einen Schellenring bedient. So schaffte die Combo eine volle und laute Klangwelt. Doch auch leise Töne waren an der Tagesordnung, schöne Pianoklänge und natürlich immer wieder das Banjo.
Das Münchner Publikum war ganz wunderbar, so wurde getanzt, gelacht und auch mitgesungen. Und das, obwohl das Album erst seit kurzem in Deutschland veröffentlich ist. Selbst nach der regulären Zugabe verebbte der Jubel nicht, so dass die Band das erste Mal ihrer Karriere (nach eigener Aussage) eine zweite Zugabe spielte. Das erhöhte den Sympathiefaktor der Männer nochmals.
Für diese absolut überzeugende Darbietung verdient die relativ neue Band den allergrößten Respekt. Live lohnt es sich definitiv, die Mumford & Sons zu hören, ich verspreche einen schönen, lustigen Abend.
Die akustische Zugabe "Sister" als Schmankerl obendrauf, gefilmt von Sara.
Der letzte deutsche Konzertabend des britischen Ausnahmekünstlers fand gestern Abend im Ampere statt und war, soviel vorweggenommen, ein voller Erfolg.
Doch alles der Reihe nach, denn bevor Patrick Wolf die Bühne eroberte, war die schwedische Band The Deer Track im Vorprogramm zu sehen und zu hören. Wirklichen Anklang beim Münchner Publikum fand die Dreierkombo nicht, zu eintönig war ihr Programm. Zwar versuchten die Musiker ihren elektronischen Sound mit Klarinette, singenden Sägen, Kinderpielzeug etc. aufzumöbeln, doch spätestens seit CocoRosie reißt das eben auch niemanden mehr wirklich vom Hocker. Nach einem halben Stunde ist dies aber dann auch vorüber und eine quälend lange Dreiviertelstunde wird dann auf Herrn Wolf gewartet.
Zusammen mit seiner vierköpfigen Band geht es dann 21:45 endlich los und zwar mit "Who Will", ein Titel des letzten Albums "The Bachelor". Nun, wer Patrick Wolf live erleben darf weiß, dass es zwar vorrangig um Musik geht, aber eben nicht nur. So zeigt sich der exzentrische Londoner am Abend in drei verschiedenen Outfits, ob in einem schwarzen Reiteroutfit inkl. stilisierter Ledertrense, einem hautengem goldenen Overall der seine goldglitzerne Brust freiließ, oder in weißer Hotopants (die er am Ende natürlich nicht mehr tug, stattdessen durfte das Publikum einen schicken schwarzen String bewundern), Patrick Wolf machte in allem eine gute Figur.
Musikalisch erlebte man einen grandiosen Sänger und Instrumentalisten zusammen mit einer eingespielten Band. Der Sound im Ampere war gut, keine Frage, auch wenn ich auch diesmal wieder fand, dass ein großes Drumset für diesen doch eher kleinen Raum einfach zuviel des Guten ist. Doch Patrick Wolf wollte die Lautstärke. Während zu Beginn noch leise und laute, schnelle und langsame Nummern sich abwechselten, wurde das Konzert schnell zu einem sehr tanzbaren, für Patrick Wolf und das Publikum. Neben vielen Songs des neuen Albums, waren natürlich auch solche der anderen zu hören, klares Highlight für die Besucherschar: "Tristan".
Ein toller, abwechslungsreicher Abend, gestaltet von einem sehr offensiven und lustigen jungen Künstler der es schaffte, das Publikum zu begeistern, und zwar nicht nur duch seine Musik, sondern auch durch diverse flotte Sprüche und dem Erzählen verschiedener Geschichten, so z.B. "I love Munich and it's traditions. Today i gave some radio interviews and there were so many men in leather trousers. Just awesome." Das Publikum freute es und damit ihn auch. Überhaupt war das Publikum bester Stimmung, so wurde fleißig gejubelt und getanzt. Leider gab es in diesem Fall auch ein paar Totalausfälle: Menschen die schlicht so betrunken waren, dass es 1) peinlich war und 2) die anderen Besucher störte. So etwa ein Mädl in der ersten Reihe, das es vor der Zugabe fertigbrachte, auf die Bühne zu klettern um sich eine Setlist zu holen um dann weil zu voll umzukippen und das Mikro auf das Schlagzeug zu werfen. Peinlich...Doch selbst dieser Zwischenfall schaffte es nicht, die wunderbare Stimmung zu zerstören.
Daher: Patrick Wolf lohnt sich, musikalisch allemal und natürlich auch einfach zum gucken.
Es war wieder einmal so weit, zur vierten Tori Amos Tour die wir nun miterleben, machten wir uns nach Zürich auf.
Beim Eintreffen am Kongresshaus hörten wir schon die ersten Toriklänge in Form von "Caught a lite sneeze", das sie in diesem Moment soundcheckte (Den Rest des Soundchecks konnten wir leider nicht mehr hören, da wir von einem sehr eifrigen Security-Menschen vertrieben wurden *hüstel*).
Das Kongresshaus verfügt über eine recht schöne Halle mit Empore, die, wie sich herausstellte, über eine tolle Akustik verfügt. Gegen 20 Uhr eröffnete Foy Vance, ein Musiker aus Belfast mit Gitarre, Laptop und Looppedals als Support Act. Das Publikum war schnell von seiner tollen Stimme überzeugt, ebenso von den Liedern, die von leisen Balladen bis hin zu kräftigeren, rockigeren Nummern reichten. Da wurde dann auch mal unorthodox die Gitarre mit dem Geigenbogen gestrichen oder in das Klangloch ebendieser gesungen.
Eine Stunde nach dieser gelungenen Eröffnung betraten zuerst Matt Chamberlain und Jon Evans die Bühne, kurz darauf dann endlich Tori. Das Publikum was schon zu Beginn bester Laune, und bis auf wenige Ausnahmen (z.B. bei "Your Cloud" das so lahm war, dass eben auch das Publikum in diese Laune verfiel) blieb das auch die ganzen zwei Stunden des Konzertes so.
Auffallend war Toris wunderbar kräftige und klare Stimme, kein Vergleich z.B. zur Scarlet's Walk Tour. Die Tiefen und vor allem die Höhen saßen wieder wie zu Anfangszeiten ihrer Karriere. Die Musikerin aus South Carolina begann sehr routiniert, fast schon etwas lieblos die ersten Songs zu spielen ("Give" und "Hotel") um dann ebenso routiniert die Band vorzustellen. Leider waren dies die einzigen Worte ans Publikum während der ganzen Show. Bei "Cornflake Girl" schien Tori etwas aufzutauen und man merkte ihr die Freude am spielen und singen an. Auch das Publikum war sehr angetan. Es folgten "Flavor", "Space Dog", "Concertina", "Jamaica Inn" und "Carbon". Darauf folgte ein klares Highlight: "Bells for Her", das vor allem durch die wunderschöne Pianoeinleitung überzeugte. Auch der Sound wurde zu diesem Zeitpunkt besser, denn zu Beginn war das Schlagzeug etwas zu laut, so dass Toris Pianospiel teilweise zu stark übertönt wurde. Nach einem starken "Mary of the Seas" folgte dann die Lizzard Lounge, sprich: Tori solo. Wie zu erwarten wurde dies dann auch das Highlight des Abends. Sie entschied sich für einen Titel ihres Debutalbums "Mother" und für "Maybe California", beides sehr emotionale Lieder über die Mutterrolle bzw. -schaft. So emotional und rührend wie Tori die beiden Titel wiedergab war ich sicherlich nicht die einzige mit Gänsehaut und feuchten Augen.
Die Band kam zurück auf die Bühne und weiter gings mit eben dem Tiefpunkt des Abends: "Your Cloud". Natürlich ist dies sehr subjektiv, aber wir beide fanden überhaupt keinen Gefallen an dem langweiligen und trägen Scarlet's Walk Titel. Doch mit dem darauf folgenden "Sweet Dreams" erwachte das Publikum, mitsamt guter Stimmung, wieder. Nach "Police Me" ging es nach vorne an die Bühne um das Konzert im Stehen und aus nächster Nähre mitzuerleben. Fast schon rockig folgten dann "Precious Things" und die Zugaben "Strong Black Vine", "Caught a Lite Sneeze", Big Wheel" und zuletzt "Tear in your Hand". Die Zuhörerschaft war nicht mehr zu bremsen, so wurde vorne getanzt, geschrien und mitgesungen und dies freute auch Mrs. Amos sichtlich.
So fand das Konzert nach 20 Liedern ein verschwitztes, fröhliches und kraftvolles Ende. Da kann man nur sagen: Das nächste Mal gerne wieder, liebe Frau Amos (nur bitte ohne "Your Cloud"...).
Und noch zum Schluss: das schreckliche Outfit wird auf Grund der Funktion dieses Blogs als Musikblog geflissentilich ignoriert.
Obwohl wir beide bisher wenig von Cecile Corbel kannten, liessen wir uns gerne überreden, zum Konzert im Kammgarn in Schaffhausen zu gehen. Nur so viel wussten wir: Cecile Corbel spielt - ähnlich wie Alan Stivell - auf der keltischen Harfe und stammt aus der Bretagne. In gemütlicher Café/Bar Atmosphäre ging es pünktlich um 21 Uhr los. In Begleitung von zwei Herren kam Cecile Corbel, ganz in Schwarz, jedoch mit langen, feuerroten Haaren auf die Bühne. Es sollte ein multikultureller Abend werden: der Vortrag in verschiedenen Sprachen - französisch, englisch, spanisch und natürlich bretonisch, die Musik aus den verschiedensten Ländern - Irland, England, Israel, Spanien und vielen mehr. Begleitet wurde die 29-jährige von Gitarre und E-Bass.
Gleich zu Beginn sind wir überrascht von Corbels Virtuosität beim Harfenspiel, die sie übrigens erst in ihrer Jugend zu spielen begann. Da fliegen die Finger über die 34 Saiten, während ihr nackter Fuß den Takt mitwippt. Ihre weiche und kraftvolle Stimme, irgendwo zwischen Kate Bush, aber nicht ganz so schrill und Loreena McKennitt erfreut das Publikum, vor allem dass sie besser klingt als Hörproben erahnen lassen.
Alles in allem ist der Abend in Schaffhausen ein ruhiger Abend, so sind vor allem Balladen auf dem Programm der Musikerin, doch für keltische Musik ist das ja nicht ungewöhnlich. Traditionelle Lieder der Bretagne und aus Irland (so u.a. auch eine aufgepeppte Version von "She moved through the Fair") wechseln sich mit selbsgeschriebenen ab, so etwa "Mary", ein Lied über die einzige weibliche Piratin des 18. Jahrhunderts. Überhaupt fällt auf das sich Cecile Corbel gerne mit den verschiedensten Frauen auseinandersetzt. So hört man von Hexen, oder von "Sally free and Easy", einer Frau mit einem Faible für Seemänner.
Wer einen stimmungsvollen Abend erleben möchte und der keltischen Musik nicht abgeneigt ist, dem empfehlen wir wärmstens Cecile Corbel live zu erleben, momentan ist sie auf Deutschlandtour. Auch wärmstens zu empfehlen sind ihre CD's "Songbook Vol. 1 + 2" und “Harpe Celtique et Chants du Monde".
Je älter ich werde, desto weniger Konstanten gibt es in meinem Leben. Zum Beispiel gibt es noch den Holunderbaum, auf den ich als Kind geklettert bin. Oder unseren Wohnzimmerteppich – der war einfach schon immer da. Und da gibt es Supertramp. Die von mir liebevoll mit rosafarbenem Filzstift eingekrakelten Plattencover beweisen, dass diese Musik einfach schon seit frühester Kindheit immer ein Teil meines Lebens war. Dementsprechend groß war seit langem mein Wunsch, Roger Hodgson - das Superhirn hinter den allermeisten Songs von Supertramp – endlich live zu sehen. Nach gefühlten Tausend verpassten Gelegenheiten bot sich mir nun die Chance, mir meinen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, noch dazu in wunderschöner Umgebung auf der Honberg-Ruine in Tuttlingen, gerade einmal 25 Minuten zu fahren. Als ich Anfang Juni erfuhr, dass noch Karten zu haben waren, war mein Glück perfekt und ich blätterte immerhin 56 Euro dafür hin, was meine ohnehin nicht gerade gut gefüllte Studentenkasse noch weiter strapazieren durfte. Aber ich kann eins vorweg nehmen: jeder einzelne Cent war seine Investition wert. Denn: was ich Gestern erleben durfte, war schlichtweg das beste Konzert meines Lebens. Aber erstmal langsam. Bevor mein Bruder und ich das Konzert sehen konnten, mussten wir es uns durch den Aufstieg zur Burgruine erstmal verdienen. Als ich schließlich oben ankam - mit meiner Gesichtsfarbe einem Feuerlöscher nicht ganz unähnlich – blieb nur wenig Zeit zum ausruhen. Gleich nach Einlass stürmten mein Bruder und ich den Merchandising-Stand (zum Glück gleich, denn nach dem Konzert wurde er von ca. 100 Leuten belagert). Dann noch eine kleine Stärkung in Form eines Biers, und los ging es ins ausverkaufte Zirkuszelt. Pünktlich um 20:00 Uhr betraten Roger Hodgson und Saxophonist Aaron McDonald die Bühne – ohne Vorgruppe, den die war, wie alle schnell erfahren durften, komplett unnötig. Bereits der Applaus zu Beginn war schlichtweg ohrenbetäubend. Dann gleich als erstes Lied: Take The Long Way Home, was bei mir unmittelbar zu Gänsehaut führte und (als ich mich umdrehte) dem einen oder anderen sogar Tränen in die Augen steigen ließ. Danach wieder unfassbar lauter, tosender Applaus, euphorisches Pfeifen: das Publikum war jetzt schon kurz vor dem Durchdrehen. Etwas vergleichbares habe ich noch nie erlebt, zudem das Zelt ja nun auch nicht gerade riesig ist. Der Lärmpegel hätte einem Stadion in nichts nachgestanden. Weiter ging es unter anderem mit The Logical Song, Give A Little Bit, Fools Overture und vielen, vielen anderen (Setlist wird nachgeliefert), die jedes Mal mit begeistertem Gebrüll beendet wurden. Dass eine wirklich außergewöhnliche Stimmung herrschte, merkte man auch den beiden Musikern an, die sich sichtlich freuten, teilweise sogar aufgrund der begeisterten Reaktionen auf Saxophonsoli nur noch erstaunt den Kopf schüttelten und lachten. Noch nie war ich auf einem Konzert, bei dem ich mich dermaßen über jedes einzelne Lied freute und das Publikum so enthemmt feierte. Ich hatte geradezu das Gefühl, hier ein Stückchen Musikgeschichte zu atmen. Auch Roger Hodgson selbst erzählte, wie gerne er immer noch seine alten Hits spiele und nahm die Zuhörer so mit auf eine Zeitreise durch die letzten ca. 35 Jahre.
Doch es wurden nicht nur die Hits gespielt, beispielsweise gab es auch neueres Material zu hören von seinem (sehr guten) Album Open The Door, oder auch aus den frühen Phasen von Supertramp mit Rosy Had Everything Planned vom Album Indelibly Stamped. Richtig traurig wurde es, als Roger erzählte, dass seine Mutter vor zehn Tagen gestorben war und er für sie das Lied Don`t Leave Me Now spielte und selbst feuchte Augen bekam. Danach wurde er dann aber wieder fröhlicher und scherzte kräftig weiter. Unglaublich, wie sympathisch der Mann ist.
Unfassbar auch, was für einen unglaublichen Sound Rodger Hodgson und sein einfach nur brillanter Begleiter Aaron McDonald zu zweit hinbekommen. Ich vermisste weder Schlagzeug noch Bass - Gitarre, Klavier, das obligatorische Keyboard, Saxophone, Klarinette, Mundharmonika, Melodika, Flöte (und weiß Gott was noch!) schufen eine wunderbare Kulisse, ließen Roger Hodgsons noch immer unverwechselbarer und um keinen Hauch gealterter Stimme dennoch ihren Raum.
Wie gesagt, es fehlte an nichts, keine Störenfriede, geniale Stimmung, unglaublich sympathische Künstler und dann, als Zugabe und Tüpfelchen auf dem i noch School, dann noch eine Zugabe, und noch eine, und da das Publikum immer noch mehr fordert, kommen die beiden – trotz bereits angehender Lichter und Musik – noch einmal (nach bereits über 2 gespielten Stunden) heraus und spielen It´s Raining Again noch ein zweites Mal, einfach, weil es allen so viel Spaß gemacht hat. Danach gehen dann endgültig die Lichter an, ich bleibe noch einen Moment stehen und muss mich erst wieder zurück finden ins Jahr 2009, muss realisieren, was ich gerade erlebt habe – und feststellen, dass meine Arme vom begeisterten Klatschen schmerzen. Danach wieder der Abstieg von der Burg, zurück nach Hause, Stille im Auto, weil wir beide noch kein schnödes Autoradio das Gehörte überdudeln lassen wollen. Heute Morgen wache ich dann auf, glücklich, mit Muskelkater (darüber natürlich nicht ganz so glücklich) und erwische mich den ganzen Tag über dabei, den Anfang von Easy Does It zu pfeifen. Schön war´s!
Eine wilde Kostümierung + fluoreszierende Gesichtsbemalungen + ein wildes Sammelsurium an Geräuschen + klassische Instrumente + ein selbst zusammengabautes Drumkit (aus Rohren, Eimern und Diversem mehr) + eine spezielle Dia- bzw. Videoschau = CocoRosie live.
Eine halbe Stunde Verspätung haben Sierra und Bianca Casady als sie, zusammen mit einem Drummer und Pianisten, gegen halb zehn die Bühne betreten. Schnell merkt man, dass dieses Konzert nicht nur für die Ohren bestimmt ist, sondern dass die Augen sehr gefordert werden würden. Schon die Outfits implizieren das: ein goldener Monokini unter einer glänzenden, mit Erdbeeren bedruckten Leggins, darüber ein Rüschenlätzchen und auf dem Kopf schließlich eine Spitzenhäubchen á la Charles Dickens bei Sierra. Bianca steht ihrer älteren Schwester in nichts nach, so trägt sie einen einteiligen, teilweise zerschnittenen Schlafanzug, darunter eine Latexleggins und über der Brust eine Art Leder-Nieten-Westchen. Im Hintergrund das erste grell-bunte Bild auf der Leinwand und die zwei Mitmusiker, teils in einer Kinderspidermanverkleidung. Dann kanns ja losgehen.
"Buffalo" ist der Eröffnungstitel. Und schon ist man von Sierras wunderschöner, klassischer Stimme in den Bann gezogen. Bianca ist währenddessen an ihrem "Goodies-Tisch". Dort befindet sich alles, was Geräusche machen kann und all dies wird im Laufe des Abends auch eingesetzt.
Sierra zeichnet sich nicht nur durch ihre bemerkenswerte Stimme und die Tatsache aus, dass sie eine Trompete bis aufs genauste imitieren kann, sondern auch durch die Fähigkeit, diverse Instrumente zu beherrschen. Sie wechselt zwischen Klavier, Harfe, Gitarren, einer orientalischen Flöte und mehr. So steht sie meist im Vordergrund, während ihre Schwester eher ruhig an der magischen Geräuschkulisse tüftelt und mit ihrer verzerrten, eigenartig-wunderbaren Stimme die Lieder ergänzt.
Musikalisch befinden wir uns zwischen HipHop, Klassik, Elektro, Folk, Jazz und sogar gospelhaftes ist herauszuhören.
Im Hintergrund auf der Videoleinwand fliegen Tauben, Rappervideos werden gezeigt und vor- und zurückgespult, spielende Kinder, doch vorallem die Frauen und das Frauenbild scheinen das Thema. So sieht man eine muslimische, verschleierte Barbie neben einem "normalen" Modell, Miss Wahlen in den USA und Frauen in Burka. Vor dieser Kulisse folgen "Gallows", "Black Rainbow", "Happy Eyes", Fatherhood", "Milk Man", "Good Friday", "Animals", "Tekno Love Song", "Beautiful Boyz", "K-Hole", "Terrible Angels", "Lemonade", "Promise", "Japan" und "Afterlife Party".
Das Publikum, zu Beginn des Konzertes eher noch ruhig, taut gegen Mitte auf und schafft eine tolle, ausgelassene Atmosphäre, die auch CocoRosie beeindruckt. Schon vor dem letzten regulären Titel "Afterlife Party" hört der Jubel kaum mehr auf. Die beiden regulären Zugaben "Sex Jam" und das Kevin Lyttle Cover "Turn Me On" folgen. Das Publikum ist angeturnt und will mehr. Nach minutenlangem Klatschen, Rufen, Schreien betreten CocoRosie nochmal die Bühne, beide sichtlich erfreut. Ein weiteres Lied, eingeleitet durch einen Kinderreim, folgt und das Publikum freuts.
Insgesamt 1 Stunde und 45 min dauerte das Geschehen in der Freiheizhalle. Wer danach noch nicht genug von den beiden hatte, konnte die Konzert-Exclusive EP "Coconuts, Plenty of Junk Food" erwerben und so die ganze restliche Nacht mit CocoRosie verbringen.
Nun, wer mich kennt weiß: Ich liebe Alela Diane. Ich hab sie im letzten Jahr bereits zwei Mal in München gesehen. Während sie im April 2008 die Rote Sonne nur zur Hälfte füllen konnte, war ebendiese im November dann zum Bersten voll. Daher ist es nicht verwunderlich , dass das Ampere, in dem das Konzert gestern stattfand, gut gefüllt war. Neu für das Münchner Publikum war am gestrigen Abend die Band, denn die beiden Konzerte im letzten Jahr waren ohne diese, jedoch einmal mit Mariee Sioux als Backing-Sängerin, das zweite mal übernahm dann Alina Hardin diese Rolle. Auch sie war gestern wieder mit auf der Bühne, zusammen mit Alelas Vater Tom Menig, dem Bassist Tom Bevitori und dem (als Vogelscheue getarnten) Drummer Banjamin Oak Goodman.
Bevor wir zur musikalischen Gestaltung des Abends kommen zuerst noch offenlichtliches: Während sämtliche Bandmitglieder langhaarig sind, so fehlen eben diese doch bei einer: Alela trägt jetzt kurz. Allgemein ist bekannt, das eine neue Frisur ein Neubeginn ist. So auch bei Alela?
Als die ersten Töne gegen halb 10 erklingen sind Bedenken (oder Hoffnungen?) jedoch wie weggewischt. Alles ist so wunderbar wie es war, man es sich wünscht. So bestreiten die aus Nevada stammende Sängerin zusammen mit Alina Harding die ersten drei Songs alleine. "Lady Divine", "Tired feet" und "Tatted Lace" wurden somit in intensiver und ruhiger Atmosphäre vorgetragen, getragen von Alelas kraftvoller, schwingender Stimme, unterstützt und ergänzt von den Harmonien Hardins. Bei "Dry Grass and Shadows", dass dann folgte, betraten die Bandmitglieder die Bühne. Tom Menig wechselt während des Konzerts professionell zwischen Akustikgitarre, E-Gitarre und Mandoline. Trotz der schönen Untermalung durch die Band passieren einige Patzer. So wird sich fleißog verspielt und Textzeilen werden verwechselt. Gut, verzeihbar, denn die gute und intime Stimmung des Konzerts wird dadurch nicht gestört. Doch vielleicht kann man sagen, dass man die lange vorhergegangene Tour (und wohl vorallem die langen Fahrten) den Musikern anmerkt. Trotzdem herrscht eine ausgelassene Stimmung, so wird auf der Bühne gescherzt und gelacht (sogar der ruhigen Alina Hardin ist mehrfach ein Lächeln abzuringen).
Es folgen "Dry grass & Shadows", "White as diamonds", "The alder trees", "To be still", "Heart of gold" (Neil Young Cover), "Every path", "My brambles", "The ocean", "The rifle", "Oh! My mama" und "Take us back". Nach "Take us back", übrigens sehr intensiv vorgetragen von Alela solo mit stimmlichen der Unterstützung des Bassisten, mit dem sie sich das Mikrofon teilte, verließ die Sängerin die Bühne. Nach minutenlangem Applaus folgten dann die beiden Zugaben "Bowling Green" (trad.) und "The pirate's gospel".
Alles in allem keine Überraschung, da sie die selbe Setliste auch schon auf den vorhergegangenen Konzerten spielte (da bleibt natürlich die Frage nach Spontanität), mit Ausnahme der ersten Zugabe. Nachdem Alela dem Publikum erklärt: "I don't feel like playing the song i usually play at this point of the concert. I've never played this one before. It's a traditional song. My mum used to sing it to me!" folgt "Bowling Green", auch hier wieder ohne Band. Natürlich sind bei dem erwarteten "Pirate's Gospel" wieder alle mit von der Partie und das Konzert endet so mit viel guter Stimmung, Klatschen, Mitsingen und vorallem vielen fröhlichen Gesichtern.
Am Ende hier mein Dank an Christoph für die Fotos (nicht vom Münchner Konzert, sondern vom Konzert in Frankfurt). An dieser Stelle empfehle ich euch sein sehr gelungenes Konzerttagebuch. Eine weitere Review des Konzerts gestern gibts außerdem hier auf "das klienicum".
Manchmal spielt das Glück eben doch mit. So gestern, als Scott Matthewumsonst und bei tollem Wetter auf dem Theatron Pfingstfestival spielte. Mitgebracht hat er Laura Barrett, die auch bei seiner regulären Tour das Vorprogramm bespielt.
Laura Barrett, eine junge Musikerin, die die Kalimba spielt (yay, mal was anderes), eröffnete gegen 21 Uhr. Mit "Wood Between World" beginnt sie, drei weitere Songs folgen (u.a. einer über "robot ponies"). Während ihr teilweise etwas schiefer Gesang zu Kommentaren führt wie: "Die ist ja fast wie Björk!" (Oh, wie liebe ich diese Konzertlaberer, die die tollsten und vor allem falschesten Vergleiche EVER bringen), konnte sie das Publikum durchaus begeistern.
Während sich die Nacht (und Kälte) über das gut gefüllte Theatron senkt, betritt Scott Matthew die Bühne, zusammen mit einem Bassisten, einem Cellisten und einer Keyboarderin. Er selbst ist an der Gitarre und einer Ukulele (?) zu genießen. Bestens gelaunt ("It's very relaxing here, i've already had a bottle of this red wine!") beginnt er sein Set mit "Dogs".
Im Weiteren spielt der Australier eine über eine Stunde dauernde Setlist. So folgt auf "Dogs""Community", dann mein Favorit des neuen Albums "For Dick", vorgetragen in wunderschöner und intensiver Art und Weise. Dann kommen "Every Traveled Road", "Wolverine" ("This is not about that Movie with Hugh Jackman in tight trousers...hmmm, maybe my next album will be about this..."), "Thistle" ("my rock song"). Dann folgt ein Track des "alten" Albums "Abandoned". Und auch hier wird wieder überdeutlich, wie erschreckend intensiv es Scott Matthew vermag, seine Songs auch live darzubieten. So spürt man eine Gänsehaut, die sich langsam ausbreitet...es ist aber auch zu schön! Weiter geht es mit "Little Bird", "There's an Ocean that Divides", "White Horse" und "Friends and Foes" von dem er erklärt: "This Song is about Hope. I have a lot of hope". Dann verlässt er die Bühne, schon 15 Minuten später als vorgeschrieben (wegen Ruhestörung muss eigentlich um 22 Uhr Schluss sein). Da aber das Klatschen nicht verebbt, betritt er die Bühne nochmals zu einer Zugabe. Einem Cover von Kris Kristofferson ("I want him to be my Dad!") "Help me Make it Trough the Night". Danach ist dann aber wirklich Schluß und das Publikum strömt hinaus in die Nacht, mit kalten Fingern aber warmen Herzen (so zumindest ich).
Ach ja, und Scott Matthews dieses Jahr erschienenes Album "There's an Ocean that divides..." lohnt sich zu kaufen. Ich höre es seit Monaten sehr gerne und oft! Und da hier die CD-Review fehlt, auf diesem Wege also: tolles Album, unbedingt haben und hören!
Nun, seit Dezember hängt das Ticket zu Antony & the Johnsons an meinem Kleiderschrank, und trotz mehrfachem Locationwechsel und einem Datumswechsel kann mich nun wirklich ncihts davon abhalten den wunderbaren Antony Hegarty live zu erleben. Das Konzert findet letztendlich im Zirkus Krone statt und auf den Karten ist zu lesen: freie Platzwahl. Dieser Fakt treibt mich dazu eine halbe Stunde vor Einlass (2 Stunden vor Beginn) bereits am Circus Krone zu sein. Ich fühle mich wie eine hysterische 13-jährige. Nun ja, gegen halb 8 dürfen die Heiligen Hallen dann betreten werden und mein Eindruck von mir als 13-jährige bestätigt sich als ich mich dabei ertappe mit den vielen anderen panisch in den Circus zu stürmen um einen guten Platz abzugreifen. Und was soll ich sagen: Reihe 1, gerade vor mir befindet sich der Klavierhocker. Ein Traum.
Pünktlich um halb 9 beginnt es dann, und zwar mit einer "Tanzeinlage". Genauer einem japanischen Butoh Tanz. Ich finde es wunderbar, einfach weil es nicht nur grundsätzlich zu Antony passt wie die Faust aufs Auge, sondern weil sein letztes Album "The Crying Light" von einem Butho Tänzer, Kazuo Ohno, inspiriert und gewidmet ist. Nach dieser Performance, die den Westeuropäer an sich nicht seltsamer hätte anmuten können, beginnt Antony.
Zu spielen beginnt er im Dunkeln: "Where is my Power?" Ich würde sagen: ganz klar in deiner Stimme, lieber Antony. Danach stimmt er "Her eyes are underneath the ground" an, es wird langsam etwas heller um ihn. Und schon nach diesem Lied sind 2 Dinge unmissverstädlich klar: 1) Dies wird ein Konzert der Extraklasse und 2) das Publikum ist super und liebt Antony. Schon jetzt gibt es Füßegetrampel, wildes Jubeln und Klatschen. Und Antony, der freut sich sichtlich. Weiter geht es mit zwei weiteren Songs seines letzten Werks: "Epilepsy is Dancing" und "One Dove". Natürlich muss spätestens jetzt erwähnt werden, dass Antony das Konzert natürlich cniht alleine bestreitet. Mit ihm sind sech ausgezeichnete Musiker auf der Bühne, so wird seine Musik untermalt von Cello und Geigenklängen, Saxophon, Klarinette, Gitarren, Bass, Schlagzeug und natürlich dem Flügel. Allerspätestens als er dann "For today I am a boy" anstimmt, sind beim Publikum alle Dämme gebrochen. Und langsam wird er gesprächiger, so kommt zuerst ein leises "I keep imagining women flying by on the trapeze". Später erklärt er dann: "This concert shouldn't be here at first but then my tourmanager said: Antony, there's a circus in town and i knew it would be perfect." Recht hat er. In den kommenden 1 1/2 Stunden folgen "Shake that devil"+Improv (Ich liebe dieses Lied und live hat es richtig Spaß gemacht auch wenn es mir schwer fiel, nicht mitzutanzen und auf meinem Stuhl gefesselt zu sein), "Kiss my Name", "You are my Sister", "Another World", "Everglade", "Fell in love with a dead boy" (ebenfalls eins meiner allerliebsten Antony Lieder. Auch immer wieder interessant mitzuerleben wie schlecht Menschen mit einer etwas längeren stillen Phase umgehen können, nämlich gar nicht. Dabei gehört das zu diesem Lied. Wie kann man dann da reinquatschen?), "The Crying Light" (wunderschön), "Fistful of Love" (ein weiterer Publikumsknüller. Manchmal frag ich mich warum fast alle die selben Songs lieben und wie ein Hype um einen Song entsteht? Und warum die neuen Stücke von diesem Hype verschont blieben...) und "Aeon", mein Favorit des neuen Albums. Und ja: "Oh i love that man so much!". An diesem Abend liebten alle Antony. Klar war, dass nach diesen frenetischen Appläusen während des Konzerts und natürlich dem Schlussapplaus eine tolle Zugabe sein muss. Es wurden dann sogar drei: "Cripple & the Starfish" (so wunderschön), "Hope Mountain" ("This song is about Jesus returning, but as a girl. Maybe from Afghanistan. I don't know.(...)Well, don't get me wrong, i'm not a christian, i'm a witch.") und (natürlich und Gott sei Dank) "Hope there's Someone". Welch Abschluss für diesen magischen Abend. Ja, irgendwie wie als Kind im Zirkus fühlte man sich. Aufgeregt, verzaubert, glücklich. Und das es nicht nur mir so ging zeigte der minutenlang andauernde Applaus, der selbst nicht abebbte als das Licht anging und die Musik...
Schon die Vorfreude sagen zu dürfen "Ich stehe auf der Gästeliste" begleitete mich den ganzen schönen Tag hindurch. Gegen 20.15 war es dann so weit, ich war im Ampere direkt vor der Bühne. Das Ampere, einer meiner liebsten Orte für Konzerte, wurde leider auch bis zum Konzert der Hauptband Dear Reader nicht wirklich voll.
Doch Zuerst wie immer meinen Senf zur Vorband I Might be Wrong. Nun ja, ich wusste es würde nach längerem mal wieder der Tag kommen an dem ich eine Vorband richtig mies finde, dies war nun eben der gestrige Abend. Das Grundproblem war nicht, dass Gitarrist und Bassist versuchten sich gegenseitig im dämlich abrocken zu schlagen, oder der immergleiche Songaufbau (elektronisch eingespielte Beats, dann Schlagzeug, dann der Rest), nein, das Problem war: der unausgewogene Sound. Durch das viel, viel, viel zu laute Schlagzeug und die viel, viel, viel zu laute Gitarre übertönten die Frontsängerin total. Nicht nur, dass man kein Wort der Texte verstand, auch die Stimme an sich hörte man kaum. Schade, aber als Vorband einer schwedisch, neobritischen, oder anderen aufstrebenden Indieband wären sie besser aufgehoben gewesen...
Nun, gegen 21:45 Uhr war es dann (endlich) so weit: das südafrikanische Trio hatte sich zu diesem Abend die Verstärkung einer Bratschistin(sp?) geholt (Jay oder Jane wenn ich es richtig verstanden habe).
Während der nächsten 1 1/4 Stunden schafften es Dear Reader nicht nur ihr Debutalbum komplett (Persönliche Highlights: Bend, Great White Bear) und mehr als gekonnt (man kann sagen: die Band war sehr gut eingespielt, trotz Neuzugang) vorzustellen, sie schafften auch eine wirklich gute Stimmung. Cherilyns Stimme ist genau so klar wie auf der CD, nur dass live noch eine große Portion Charme hinzukommzt.
Man merkt der Band an, dass ihnen das Live spielen viel Spaß macht, besonders vor einem wirklich tollen Münchner Publikum, welches den Abend noch schöner gestaltete. So teilte die Band nicht nur die Musik, sondern auch die ein oder andere Anekdote mit dem Publikum ("Friends of us were trying to finde white bears at the arctis. They couldn't find them because they were white and the snow was too. So they were trying it with infrared, but even then they couldn't find them. So: a white bear must be the prefect place to hide. That's the story of this song.").
Als zweites Lied der Zugabe folgte dann etwas, auf das wohl viele hofften, ein neuer Song. Und den kann man als genauso gut werten als die bisher dagewesenen. Und obwohl es noch etwas verfrüht erscheint: ich freue mich auf eine neues Album! Mehr, mehr, mehr sag ich da nur.
Also, jeder der die Band noch sehen kann: nur los, nur los! Es lohnt sich.
Am Dienstag Abend brachen wir auf, um die Begründerband des "Lounge Metal" live zu erleben: Hellsongs in Stuttgart. Nach ihrem wunderbaren Debutalbum "Hymns in the Key of 666" und der vorhergehenden EP war dies natürlich ein Muss. Schon beim Betreten des gut gefüllten Keller Klubs war klar: das Publikum ist bunt gemischt. Von Heavy Metal Fans über Rocker und Folk-Liebhaber war alles vorhanden.
Doch zuerst, wie immer, ein paar Worte zum Supporting Act Tim Neuhaus. Nur mit Gitarre, seiner Stimme und (leider) Sample Pedalen. Stimmlich dachte ich sofort an Damien Rice, was nun doch ein Kompliment ist, allerdings hat mich das zunehmende aufnehmen und sampeln gegen Ende hin nur noch genervt und an Howie Day denken lassen, der diesbezüglich unser Horror-Künstler ist (und jeder, der ihn als Supporting Act von Tori Amos erlebt hat, weiß wovon ich spreche...). Grundsätzlich bin ich der Meinung Stimme und Gitarre und gute Songs müssen reichen, und dieses rumeiernde Aufnehmen ist nur Störfaktor.
Nun zum "Main Act". Schon bei betreten der Bühne sah man ihnen die gute Laune an und klar ist auch: Pailetten-Glitzer-Kleider (sozusagen die perfekte Verkleidung zur Diskokugel) gehen immer. Während die Dreierformation sich bestgelaunt in die ersten Songs stürzte mag dem einen oder anderen Zuhörer nicht entgangen sein, dass sich die Stimme der Sängerin irgendwie nicht wie die auf der CD anhört und irgendwie war auch das Aussehen nicht übereinstimmend...Rätsel über Rätsel. Doch ja, dieses Misstrauen war angebracht, denn Hellsongs haben seit März eine neue Sängerin: Siri Bergnéhr. Und die kann definitiv mit ihrer Vorgängerin mithalten. So glitzerte nicht nur ihr Kleid, sondern auch ihre Stimme in allen Facetten.
Gespielt wurden Songs die bereits von den CD/EP bekannt waren wie etwa Seek & Destroy, Breaking the Law, Run to the Hills und Symphony of Destruction, aber auch neue, unveröffentlichte Tracks (die anhand der Menge auf das baldige Erscheinen eines neuen Albums hoffen lassen).
Die Band war bestens gelaunt und besonders der Gitarrist erfreute das Publikum mit der einen oder anderen Anekdote. Jedoch ist nicht nur die Band zu loben, nein, auch das Publikum lies sich mitreissen. So wurde getanzt, mitgesungen (was teilweise wirklich zu wunderschönen Momenten führte) und gegrölt. Leider wurde die vehemente Bitte einiger Besucher nach "Slaaaaaayer!!!!" nicht erhört, da auch der eigentliche Pianist an diesem Abend fehlte und die Band ein festgelegtes Programm hatte.
So lässt sich als Fazit sagen: eine gute Stunde bester Unterhaltung und Spaß dominiert von einer wunderbaren Sängerin (mit der man sich nach dem Konzert auch noch nett unterhalten konnte, wie auch mit Kalle Karlsson. Die Fans bekamen was sie wollten (bis auf Slaaaaaaayer!!!! natürlich) und so konnte man sich zufrieden auf den Heimweg machen.
Nachdem Vienna Teng in diesem Jahr mit Inland Territory mal wieder ein fantastisches Album abgeliefert hat, freute ich mich besonders auf die kommende Tour. Bereits vor zwei Jahren fuhr ich extra mit einem Freund zum Konzert nach Darmstadt. Deshalb war dieses Jahr meine Freude um so größer, als ich erfuhr, dass ich diesmal eine bei weitem weniger lange Fahrt vor mir haben würde. Außerdem war die Location- das Jazzhaus in Freiburg- vielversprechend: ein kleiner Gewölbekeller, der ein intimes Konzert im kleinem Rahmen vermuten ließ. Und genau das wurde es auch. Vienna Teng betrat pünktlich um acht Uhr die Bühne, gefolgt von zwei Herren: zum einen Alex Wong, der auch Produzent ihres Albums war und Vienna mit allerlei Instrumenten, vor allem aber am Schlagzeug unterstützte. Ich kannte ihn bereits vom letzten Konzert, an dem er sich als absolutes Riesentalent zeigte. Unfassbar, was der Mann kann. Zum Beispiel mit der einen Hand auf das Glockenspiel einhämmern und mit der anderen in einem total anderen Rhythmus Schlagzeug spielen. Neben Vienna Teng an Klavier und Orgel und Alex gab es noch einen Cellisten bzw. Gitarristen, der mit seinen roten Haaren neben den anderen beiden, eher asiatisch aussehenden Personen beinahe wie ein Stilbruch wirkte. Aber auch er war wirklich sehr gut. So bestritten die Drei den Abend mit unglaublich sympathischem Charme, der lediglich von einer kurzen Pause unterbrochen wurde (kommt es mir nur so vor, oder wird mittlerweile öfter an Konzerten eine Pause gemacht, als früher?). Die Stimmung war auf jeden Fall ausgezeichnet und ich glaube fast, dass das Jazzhaus ausverkauft war. Es war auf jeden Fall rappelvoll. Die Setlist bestand vor allem aus Titeln vom neuen Album und seinem Vorgänger. Mir kam das sehr gelegen, da ich diese auch die Besten finde (wer sie noch nicht hat: beides absolute 5 Sterne Alben!!!). Obwohl das Konzert das letzte der ausgiebigen Deutschlandtour war, gab es keine Spuren von Lustlosigkeit oder Ermüdung seitens der Band, und auch das Publikum klatschte begeistert mit. Vienna Teng erzählte dann auch, dass die Band ungern Deutschland wieder verlassen wolle (ok, solche Sachen sagen ja viele, aber ich hatte den Eindruck, dass es tatsächlich stimmte). Als letztes Lied der regulären Setlist sang Vienna Teng ohne Mikrofon „Soon, Love, soon“, mit dem Publikum als Hintergrundchor. Sehr schön und stimmungsvoll war das Ganze, und es hätte wahrscheinlich nicht viel gefehlt, dass die Leute ihre Feuerzeuge rausgeholt hätten (vielleicht sollte ich doch Raucher werden???). Toll fand ich auch, dass viele Teile von Liedern mit Hilfe eines kleinen Aufnahmegerätes aufgezeichnet und so in Schleife wieder in den jeweiligen Titel eingebracht wurden. Weil einfach nur ein vorgefertigtes Band abspielen kann ja jeder (buuuuh, Howie Day!). So war es eine echte Bereicherung. Als Zugaben gab es dann noch zwei Coverversionen von Radiohead und Simon & Garfunkel, aber eben auf Vienna Teng-Art. Danach hätte man sich noch Autogramme der Band geben lassen können, wenn nicht alle CD´s komplett ausverkauft gewesen wären. Das sagt doch einiges darüber aus, wie das Konzert den Leuten gefallen hat. Zum Glück hatte ich das Album bereits. Am Ende wurden von manch Einem sogar noch die Poster von den Wänden gerissen, um eine Unterschrift zu ergattern.
Also mal wieder ein wunderschöner, gelungener Abend. Da kann ich nur noch sagen: Jederzeit wieder.
Übrigens habe ich gleich nach Ankunft bemerkt, dass ich meine Kamera mit leerem Akku eingepackt habe, deshalb leider keine Fotos. Man lernt eben immer dazu.
Selbst im Deutsche Bahn Mobil Magazin konnte man etwas über sie lesen: Dass sie nach dem 11. Semptember in den U-Bahnhöfen spielte um ihre Mitmenschen auzuheitern und dass sie als einzige weibliche Gitarristen unter die besten Gitarristen im Rolling Stone gewählt wurde. Was es bedeutete, was sie auszeichnet zu den besten Gitarristen zu gehören wusste ich nicht...bis gestern Abend. Der Konzertabend begann chaotisch. Einlass sollte um 8 Uhr sein, Beginn um halb 9. 10 nach 8 als wir zum Backstage kamen hörte man die Band noch soundchecken und die Schlange draußen in der Kälte wurde immer länger und länger. Erst kurz vor 9 begann der Einlass und das auch noch schlecht organisiert. Liebes Backstage: Das ist noch ausbaufähig. Während das Publikum noch eingelassen wurde spielte bereits das Vorprogramm, ein Herr der sich mit: "Mein Name ist Kellner" vorstellte. Kellner, ein Regensburger Singer- und Songwriter, spielte tolle, folkige Musik zur Akustikgitarre und sang mit einer wahnsinnig aussagekräftigen, ansprechenden Stimme, die mich teilweise an Everlast erinnerte. Sehr Schade dass er schon spielte während noch Einlass war, aber sonst hätte sich wohl alles nach hinten verschoben. Nichts desto trotz, bitte genießen:
Der Backstage Club füllte sich immer mehr bis zu seinen Kapazitätsgrenzen, sodass die bis dato gesperrte "Loge" geöffnet wurde. Genau dort fand ich meine Platz, mit einem tollen Überblick und Blick auf die Bühne.
Kaki King begann gegen 21:45 mit ihrem Konzert und blieb zwei volle Stunden. Als Verstärkung hatte sie den "crazy professor" Dan Brantigan (der ein mysteriöses Instrument spielte, das mich den ganzen Abend beschäftigte. Heute haben nachforschungen meinerseits ergeben, dass es sich um eine/n analog EVI handelt. Kam wohl in den 70ern auf und ist heute recht selten. Aha!) und den Drummer Matt Hankle an ihrer Seite. Ich, zugegebenermaßen, wenig informiert war überrascht als die sehr kleine, zierliche, schüchtern wirkende Kathrine die Bühne betrat. "Die soll toll Gitarre spielen? Kaum zu glauben" dachte ich. Ich möchte um Verzeihung bitten, denn die meistens Songs kannte ich nicht oder nur perifär, sodass eine Tracklist definitiv nicht drin ist. Während sie den ersten Titel mit einer Lap Steel Guitar bestritt, wechselte sie schon beim zweiten zu ihrer Akustik Gitarre. Und dann geschah das:
Und ich verstand. Verstand warum der Rolling Stone sie gewählt hat, verstand so vieles. Und auch den Eindruck einer schüchternen Frau widerlegte sie sehr schnell mit Sätzen wie: "Fucking Shit, i forgot this thing backsage i need for the next song. i know this looks so unprofessional, but it's fun." Ja, das fand das Publikum auch. Kaki King wechselte zwischen Lap Steel-, Akusitk- und zwei E-Gitarren. Meist blieb es ohne Gesang, aber auch songs wie "Pull me out Alive" oder "Life being what it is", beides von ihrem aktuellen Album Dreaming of Revenge, wurden selbstverständlich ebenfalls vorgetragen, genauso wie das wohlbekannte und beliebte "Playing with Pink Noise" und "Gay Sons of Lesbian Mother", welches als eine der Zugaben folgte.
Duch eine gelunge Mischung von laut und leise, folkig und progressiv schaffte Kaki King einen schönen, abwechslungsreichen Abend. Besucher wie ich, die Kaki King noch nicht richtig kannte, kamen genauso auf ihre Kosten wie Kaki King Fans. Besonders erwähnen möchte ich ihre zweite Zugabe die mich persönlich immens freute. Mit den Worten: "I fucked this up as i tried to play it the last time. This is a song of one of my friends and favourite singer- and songwriter, although she doesn't like to be called so: Devon Sproule" --> Rebekka im 7. Himmel. Und so spielte die in New York lebende Künstlerin eine sehr schöne, zerbrechliche Version von "Plea for a good night's rest" von Devons wunderbarem Album Upstate Songs (so, dafür wäre jetzt auch Werbung gemacht!")
Alles in allem: sehr lohnenswert live zu sehen, sogar noch mehr als ihre CD's zu kaufen und "nur" zu hören. Denn was Kaki King bietet ist wirklich sehr sehenswert.
Wenn schon denn schon, dachte ich mir als ich mich nach nur 2 Tagen nach dem Emily Jane White Konzert abermals auf den Weg zum Feierwerk machte. Die Ghost Bees sielten im Sunny Red.
Von ihrer Debut-CD "Tasseomancy", die ich seit Monaten höre, beeindruckt und berührt freut ich mich sehr auf diesen Abend und hatte außerdem das Glück zwei Freunde zu Überzeugen mitzukommen, da ich befürchtete es könnten wenig Besucher werdem. Eine Befürchtung die sich übrigens bestätigte...gleich mehr.
Das Konzert war auf 8 uhr angesetzt. Schon beim Betreten des kleinen Raumes wurde uns aber gesagt, dass sich der Beginn verzögere, da die Ghost Bees erst vor wenigen Minuten eingetroffen sind. Machte aber nichts, denn 1) waren wir wirklich nur zu dritt und hofften auf größeren Andrang und 2) konnten wir so noch den Soundcheck (das wunderbare Lied "Sinai") anhören.
21 Uhr: wir waren immer noch zu dritt und Sup with Pluto aka Claudia eröffnete solo mit ihrer Gitarre. Über Musik, Stimmen etc lässt sich streiten, und obwohl ich von ihrer Stimme nicht begesitert war hat sie einen rießen Vorteil: viel Gefühl. Man merkte wieviel Herzblut in ihren folkigen Songs à la ani di Franco steckten und das berührte! Währenddessen waren zwei weitere Zuhörer eingetroffen. also immerhin zu fünft ;)
Bild von http://www.cbc.ca/radio2/
Gegen 21:30 Uhr war es dann endlich so weit: die Ghost Bees. Das kanadische Schwesternduo Sari und Romy sah nicht nur fantastisch aus, nein, ihre Musik war einfach sagenhaft. Ihre Stimmen harmonierten perfekt. Gitarre und Mandoline (schmacht) harmonierten ebenso gut. Von Aufregung oder der Tatsache das es ihr erster Auftritt in Europa war, war nichts zu spüren. Während sie in etwas über einer Stunde "Sinai", "Erl King", "Tasseomancy" sowie 4 mir unbekannte Songs spielten überredeten wir sie noch zu einer Zugabe. Nachdem Sari Romy überredete eine Zugabe zu spielen fragt sie: "Do you wanna hear a new song or a song about vampires?" Die Antwort war natürlich: "Both". Im Endeffekt wurde es dann "Vampires of the West Coast", den neuen Song fanden beide noch nicht fertig genug. Schade, aber man kann ja nicht alles haben.
Nach dem Konzert und dem signieren einer Cd die ich dort erstand verwickelten ich und meine beiden Konzertbegleiter die beiden Damen in ein Gespräch über den Erl King, und dessen Bedeutung. "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind Es ist der Vater mit deinem Kind", zitiere ich, denn mehr weiß ich nicht. Sari gefällts. Sie erzählen uns von ihrem gerade begonnen aufenthalt in Europa, ihrer Bestrebung den Schwarzwald zu sehen und ihrem Unwissen wie man die ganzen Orte an denen sie Auftreten nun ausspricht.
Gegen 23:20 Uhr endet so ein wunderbarer Abend der leider von viel zu wenigen Menschen geteilt wurde. Daher meine Bitte: geht zu ihren Konzerten wenn ihr könnt. Es lohnt sich und Spottbillig ist es auch!
Nachdem es ganze sechs Jahre dauerte, bis die irische Folksängerin wieder den Süden Deutschlands besucht, war mir schnell klar, dass ich zu diesem einzigen Konzert in der Schweiz (und wohl auch überhaupt ausserhalb des UK?) gehen muss! Durch den Schneesturm kämpften wir uns zum Kulturzentrum im Kammgarn. Dort angekommen erwartete uns eine kleinere Halle, in der Tische und Stühle aufgebaut waren, was ich von Konzerten sonst nicht gewohnt bin. Das ganze war aber sehr stimmungsvoll mit Teelichten dekoriert und keltische Symbole waren an den Bühnenhintergrund projeziert. Es wurde auch ziemlich voll, immerhin mussten später noch viele Leute auf der Treppe im hinteren Bereich sitzen. Nachdem wir uns - wie es sich für die Schweiz gehört - mit Rivella ausgestattet hatten, ging es auch schon los. Sehr gut fand ich noch den Hinweis, dass die meisten Leute da waren, um "der Musik zum lose" und jeder, der das nicht wolle, sich sein Geld wieder abholen, dann aber auch bitte gehen möge. Dazu gab es auch Applaus. Komisch, dass alle Leute die Störenfriede hassen, diese sich aber trotzdem an so gut wie jedem Konzert einfinden.
Möglicherweise ist denjenigen ja noch eingefallen, dass sie dann doch lieber ihr Geld sparen. Das Konzert verlief nämlich absolut Störungsfrei.
So, nun aber endlich zum Konzert an sich. Cara Dillon und ihre dreiköpfige Band betraten um 21:05 die Bühne. Sie begrüßte das Publikum und bat darum, "es sich gemütlich zu machen, wo es doch draussen schon so kalt sei". An die Setlist kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern, ab sie spielten natürlich viele Titel von ihrem neuen Album "Hill Of Thieves". Da das Album viele ruhige Traditionals enthält, wurde der Abend auch eher ruhig. Ab und zu wurde die Stimmung von flotteren Stücken aufgeheitert, viele davon auch nur instrumental, bei denen Cara auch mal zur Geige oder zur Flöte griff, und das Publikum deutlich begeisterter Beifall klatschte, als nach den ruhigen Liedern. Immer wieder erzählte sie mit dem schönsten irischen Akzent Geschichten zu den einzelnen Titeln, die meistens natürlich von Frauen handeln, die von Jimmy, Johnny oder Jamie betrogen wurden. Mit einem Lächeln fügte jedesmal hinzu "well, he was a bad man". In die Setlist eingestreut war auch eine Coverversion von Van Morrison's "Crazy Love", bei dem das Publikum mitsingen sollte. Das klappte am Ende sogar ganz gut. Zwei Titel des Abends widmete Cara Dillon Freunden, die mit ihr und der Band in der Umgebung Sightseeing gemacht hatten und sie mit Schokolade ausgestattet hatten (die anscheinend, als nur Cara Dillon und Sam Lakeman einige Lieder zu zweit spielten, vom Rest der Band hinter der Bühne verputzt wurde).
In der Mitte des Abends gab es eine kurze Pause. Danach ging es mit deutlich flotteren Songs weiter, so dass das Publikum auch wieder etwas aktiver wurde. Mein persönliches Highlight war "P Stands For Paddy". Immer wieder faszinierend fand ich, wie alle Musiker mehrfach in einem Lied ihre Instrumente wechselten. So gab es mehrere Flöten, eine Art Dudelsack, der aber nicht geblasen, sondern irgendwie mit dem Arm aufgepumpt wird, eine Geige, zwei Gitarren und natürlich Klavier ("Can you imagine how difficult it is to get the grand piano on board of an easy jet airplane???").
Am Schluss wurden noch zwei Zugaben gespielt, passenderweise "The Parting Glass", was wohl wirklich als Abschluss gedacht war, und nach mintenlangem Applaus noch von Cara a capella auf gälisch "Fil, Fil A Run Ó". Eigentlich war es wunderschön und Cara Dillons Stimme ist live einfach noch umwerfender als auf ihren Alben. Leider wurde die schöne Stimmung gerade bei den ganz leisen Stücken von andauernden Bässen gestört, die wohl zur Disco gehörten, die direkt unter der Halle liegt. Schade. Dennoch war es ein gelungener, fast zweistündiger Abend. Die Setlist hätte etwas weniger eintönig sein dürfen, was sich ja aber wie gesagt nach der Pause besserte.
Hoffentlich dauert es nicht wieder sechs Jahre bis wir Cara Dillon das nächste Mal live erleben dürfen. Vielleicht wäre ja Bestechung mit Schokolade eine Möglichkeit. Ich geh schon mal einkaufen...
Nach diesem Konzertabend ist einses klar: genug Material für ein neues Album hat die Sängerin aus San Fransisco schon zusammen.
Doch von Anfang an. Die Vorhut bestreitet Marybeth d'Amico trotz technischer Probleme professionell. Von ihrem selbstveröffentlichten Album "Heaven, Hell, Sin & Redemption" spielt sie 6 Tracks. Für mich (und wie ich glaube für andere ebenso) war das Highlight Ohio und Oblivion.
Emily Jane White betrat gegen 21:45 die Bühne und blieb dort etwa 1 1/2 Stunden. Sie eröffnete den Abend mit dem ersten Track ihres Albums "Dark Undercoat", Bessie Smith. Von diesem Album folgen im laufe des Abends: Dark Undercoat, Hole in the Middle, The Demon, Two Shots to the Head, Wild tigers i have known & Blue (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht), sowie ca. 10 neue Songs in üblicher Emily Jane White Manier: etwas spröde, dunkel, mysteriös. Und genau wie ihre Musik scheint Emily Jane White zu sein. Sie spricht kaum, nur ein leises "Thank you" lässt sich manchmal vernehmen, oder Genuschel das nicht zu verstehen ist.
Später erzähl mit Marybeth d'Amico, dass sie Emily Jane White fragte warum sie so wenig auf der Bühne spreche, worauf sie antwortete: "I just hate to talk on stage!" So, dann wär das also auch geklärt.
Ein Wehmutstropfen bleibt (oder zwei): leider fehlten dem Konzert der eine oder andere Höhepunkt. Es floss über Strecken vor sich hin. -aus einer solchen Durststrecke riss das Publikum einmal "Hole in the Middle". Sowas hätte öfter nicht geschadet. Oh, und der zeite, zugegebenermaßen subjektive: Die Pedal Steel Guitar. Schreckliches Instrument das.
Fazit: Ein schöner Konzertabend. Eine überzeugende Ms. White. Die Hoffnung auf eine neue CD und, ganz klar, ein zufriedenes Gefühl irgendwo in der Magengegend.