
Es war wieder einmal so weit, zur vierten
Tori Amos Tour die wir nun miterleben, machten wir uns nach Zürich auf.
Beim Eintreffen am Kongresshaus hörten wir schon die ersten Toriklänge in Form von "Caught a lite sneeze", das sie in diesem Moment soundcheckte (Den Rest des Soundchecks konnten wir leider nicht mehr hören, da wir von einem sehr eifrigen Security-Menschen vertrieben wurden *hüstel*).
Das Kongresshaus verfügt über eine recht schöne Halle mit Empore, die, wie sich herausstellte, über eine tolle Akustik verfügt. Gegen 20 Uhr eröffnete Foy Vance, ein Musiker aus Belfast mit Gitarre, Laptop und Looppedals als Support Act. Das Publikum war schnell von seiner tollen Stimme überzeugt, ebenso von den Liedern, die von leisen Balladen bis hin zu kräftigeren, rockigeren Nummern reichten. Da wurde dann auch mal unorthodox die Gitarre mit dem Geigenbogen gestrichen oder in das Klangloch ebendieser gesungen.
Eine Stunde nach dieser gelungenen Eröffnung betraten zuerst Matt Chamberlain und Jon Evans die Bühne, kurz darauf dann endlich Tori. Das Publikum was schon zu Beginn bester Laune, und bis auf wenige Ausnahmen (z.B. bei "Your Cloud" das so lahm war, dass eben auch das Publikum in diese Laune verfiel) blieb das auch die ganzen zwei Stunden des Konzertes so.
Auffallend war Toris wunderbar kräftige und klare Stimme, kein Vergleich z.B. zur Scarlet's Walk Tour. Die Tiefen und vor allem die Höhen saßen wieder wie zu Anfangszeiten ihrer Karriere. Die Musikerin aus South Carolina begann sehr routiniert, fast schon etwas lieblos die ersten Songs zu spielen ("Give" und "Hotel") um dann ebenso routiniert die Band vorzustellen. Leider waren dies die einzigen Worte ans Publikum während der ganzen Show. Bei "Cornflake Girl" schien Tori etwas aufzutauen und man merkte ihr die Freude am spielen und singen an. Auch das Publikum war sehr angetan. Es folgten "Flavor", "Space Dog", "Concertina", "Jamaica Inn" und "Carbon". Darauf folgte ein klares Highlight: "Bells for Her", das vor allem durch die wunderschöne Pianoeinleitung überzeugte. Auch der Sound wurde zu diesem Zeitpunkt besser, denn zu Beginn war das Schlagzeug etwas zu laut, so dass Toris Pianospiel teilweise zu stark übertönt wurde. Nach einem starken "Mary of the Seas" folgte dann die Lizzard Lounge, sprich: Tori solo. Wie zu erwarten wurde dies dann auch das Highlight des Abends. Sie entschied sich für einen Titel ihres Debutalbums "Mother" und für "Maybe California", beides sehr emotionale Lieder über die Mutterrolle bzw. -schaft. So emotional und rührend wie Tori die beiden Titel wiedergab war ich sicherlich nicht die einzige mit Gänsehaut und feuchten Augen.
Die Band kam zurück auf die Bühne und weiter gings mit eben dem Tiefpunkt des Abends: "Your Cloud". Natürlich ist dies sehr subjektiv, aber wir beide fanden überhaupt keinen Gefallen an dem langweiligen und trägen Scarlet's Walk Titel. Doch mit dem darauf folgenden "Sweet Dreams" erwachte das Publikum, mitsamt guter Stimmung, wieder. Nach "Police Me" ging es nach vorne an die Bühne um das Konzert im Stehen und aus nächster Nähre mitzuerleben. Fast schon rockig folgten dann "Precious Things" und die Zugaben "Strong Black Vine", "Caught a Lite Sneeze", Big Wheel" und zuletzt "Tear in your Hand". Die Zuhörerschaft war nicht mehr zu bremsen, so wurde vorne getanzt, geschrien und mitgesungen und dies freute auch Mrs. Amos sichtlich.
So fand das Konzert nach 20 Liedern ein verschwitztes, fröhliches und kraftvolles Ende. Da kann man nur sagen: Das nächste Mal gerne wieder, liebe Frau Amos (nur bitte ohne "Your Cloud"...).
Und noch zum Schluss: das schreckliche Outfit wird auf Grund der Funktion dieses Blogs als Musikblog geflissentilich ignoriert.
Mehr Bilder gibts übrigens hier: Tori in Zürich