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Samstag, 7. November 2009

#48 Neu auf den Ohren: Tori Amos - Midwinter Graces

Die Wintertrilogie findet ihr Ende und zwar mit Tori Amos' nächste Woche erscheinendem Album "Midwinter Graces".

Lesern dieses Blogs könnte schon aufgefallen sein, dass hier eine große Tori-philie herrscht, auch wenn das Verhältnis von uns zu Tori in den letzten Jahren oft ein von Krisen geprägtes war. Nach dem Bekanntwerden der Veröffentlichung eines Weihnachtsalbums herrschte große Skepsis und fragende Blicke. So kann das etwas zerrüttete Verhältnis wohl nicht gekittet werden, wurde da gedacht. Oder etwa doch?

Obwohl Tori Amos zur genüge betont (genauer gesagt in jedem Interview), dass sie die Tochter eines Pfarrer ist, schien eine Weihnachts CD so gut zu ihr zu passen wie Sahne mit Gurke. Klar, aus genanntem Anlass gab es schon immer eine starke Verbindung zwischen Tori und Religion, doch meist äußerte sie sich darüber eher negativ. Als dann noch das sehr pathetische Cover veröffentlicht wurde war für mich schon fast jede Hoffnung verloren.

Doch nun zu "Midwinter Graces". Zuerst fällt positiv auf, dass es sich um eine CD mit einer normalen Titelanzahl handelt. Aha, das ist also auch bei der in Cornwall lebenden Musikerin noch möglich. Bei den ersten zögerlichen Hörversuchen wurde schnell klar, dass es sich um ein sehr stimmungsvolles, wenn auch nicht unbedingt typisches Weihnachtsalbum handelt. Mit Tori-typischen Arrangements, stimmlichen Feinheiten und natürlich dem Piano besticht dieses Album und zwingt fast zu einem nochmaligen Abspielen. Absolut positiv muss gesagt werden, dass typische Weihnachtslieder (Jingle Bells und Konsorten) ausgespart wurden. Zusammen mit klassischen Weihnachtsliedern gesellen sich eigene Kompositionen.

Auch hier holt sie sich wie üblich Unterstützung von ihrem Ehemann Marc Hawley, Matt Chamberlain, Jon Evans und Mac Aladdin. Außerdem wird sie von einer Big Band (hier wohl der sehr jazzige Titel "Pink and Glitter" zu erwähnen) und einem Orchester. Besonders muss noch auf die stimmliche Unterstützung ihrer Tochter Tash ("Holly, Ivy and Rose") und ihrer Nichte ("Candle: Coventry Carol") hingewiesen werden. Trotz Primborium klingen die meisten der Lieder nicht überproduziert, wenn natürlich aber weihnachtlich.

Obwohl mir nicht klar ist, warum Tori Amos sich nun entschlossen hat ein Weihnachtsalbum aufzunehmen und zu veröffentlichen, so bin ich doch angetan. Besonders erwähnenswert ist einer der selbstgeschriebenen Titel: "Winter's Carol". Obwohl ein Weihnachtslied ist es einer der gelungensten Titel der letzten Jahre. Die Arrangements sind schlicht genial und stimmlich bleiben keine Wünsche offen. Zu erwähnen ist außerdem das Cembalo, dasss bei "What Child, Nowell" ein Comeback feiert (endlich). Fast wie zu "Boys for Pele" Zeiten...

So verbleibe ich nicht mit meinen eigenen Worten, sondern denen eines Kommentars bei last.fm der mich zum Schmunzeln brachte, dem ich aber weitestgehend zustimme: "erm...WTF !? this is so WRONG Tori, we wanted u to fuk it up so we could LAUGH at you...then you went ahead and totally delivered the best christmas album ever, WTF ? thank you babe...thank you."

So, es gibt überraschend gute Vier von Fünf (imaginären aber sehr weihnachtlichen) Sternen


Sonntag, 1. November 2009

#47 Neu auf den Ohren: Sting - If on a Winter's Night

Wie versprochen geht es weiter mit den winterlichen Veröffentlichungen, auch wenn Stings "If on a Winter's Night" deutlich erfreulicher ausfällt als Bob Dylans musikalischer Erguss zur kalten Jahreszeit.

Sting scheint sich auch mit dem kürzlich erschienenen Album treu bleiben zu können. So zeigte er schon mit "Songs from the Labyrinth" das er sich für klassische englische Musik interessiert. Auch auf "If on a Winter's Night" zeigt er wieder seine Vorliebe für die Musik der Inseln, wenn auch mit winterlichem / weihnachtlichem Bezug und einer zeitlichen Verteilung der Titel über die verschiedenen Jahrhunderte. 

Zusammen mit  zwei eigenen Songs "Lullaby For An Anxious Child" und "Hounds Of Winter" finden sich zwei Titel des englischen Barock-Komponisten Henry Purcell, genauso wie eine eigene Übersetzung von Schuberts "Leierkastenmann" und natürlich vieles mehr. 

Um das winterliche Gefühl der britischen Inseln wirklich rüberbringen zu können, wird in manchen Titeln fröhlich gefidelt (sehr zu empfehlen: "Soul Cake") andere sind klassisch interpretiert usw. So zeigt uns der ehemalige Police Frontmann eine Bandbreite winterlicher Lieder, ohne sich jedoch zu den typischen Weihnachtsliedern hinreißen zu lassen.

Sting selbst beschreibt, dass sein Album das Doppelschneidige an Weihanchten zeigen soll: "I think the winter has this almost gravitational pull to someplace warm, cozy -- like home or the church, but for people who can't make it home or have no home to go to, it's "the worst time of year. I think the album wants to balance those two things." Umso verständlicher, dass sich fröhliches und traurig-schauriges abwechseln. 

Um es kurz zu machen: ein wirklich stimmungsvolles Winteralbum. Wem "Songs from the Labyrinth" gefallen hat und sich gern von Stings weicher und warmer Stimme einlullen lassen will, der wird, denke ich, an "If on a Winter's Night" auch seine Freude haben.

Daher:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen



Samstag, 24. Oktober 2009

#45 Neu auf den Ohren: Mumford & Sons - Sigh No More

Bevor ich mich in den nächsten Wochen ausführlich über Winterliche- bzw. Weihnachtsveröffentlichungen auslassen werde, stelle ich euch nun aber noch einen heißen Anwärter aud die CD des Jahres vor: Mumford & Sons mit ihrer Debutplatte "Sigh No More".

Die EP liess schon im Vorfeld hoffen, doch diese Hoffnung haben die vier Herren aus London weit übertroffen. Okay, da sie aus dem musikalischen Umfeld von Laura Marling oder Noah and the Whale kommen, ist dies vielleicht für einige keine größere Überraschung, doch wer hätte gedacht, dass sie ihre musikalischen Kollegen sogar übertreffen?

Mit einer Mischung aus Bluegrass, Alternative und Folk zeigen sie nun was sie können. Das heißt im Klartext: viel Gitarre und Banjo, Kontrabass und Quetsche. Vereinzelt findet man dann auch noch weitere Streicher, Klavier, Trompeten u.ä. 

Althergebrachtes lassen Mumford & Sons mit ihrer Instrumentierung wiederaufleben, selten hört man heute so viel Banjo auf einer neuen CD. Trotzdem führen sie es in die heutige Zeit, drücken ihrer Musik einen ganz eigenen Stempel auf: Wiedererkennungwert = 100%

Die zwölf Titel des Albums glänzen durch eine Verschiedenheit, jedes steht für sich und ist gleich wichtig. Schnell merkt man aber doch, dass trotzdem alles zusammenhängt, dass es sich lohnt alles in einem Lauf zu hören, dass es bei jedem Hören wächst. Gemeinsam haben alle Titel eins: sie sind stark melodiös, und hier ist es egal ob es eine schnelles oder langsames Lied ist, ob es um Liebe oder Schmerz geht... Außerdem wird alles zusammengehalten durch die raue und doch eingängige Stimme von Marcus Mumford, zu der mir kein geeigneter Vergleich einfällt (Jan Wigger schreibt auf spiegelonline zwar, dass er sich nach Michael Stipe anhört, das finde ich aber in keinem Fall). 

"Sigh no More" hat etwas Erhabenes, etwas Perfektes da alles passt, da es rein gar nichts auszusetzen gibt. Ein Album zum mitreißen lassen.  Die erste Single "Little Lion Man" reißt mit und doch, müsste ich eine Favoriten wählen, dann wäre es das einfach perfekte "White Blank Page"

Für ein perfektes Album (ja, das gibt es) gibt es natürlich

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen



Samstag, 17. Oktober 2009

#44 Neu auf den Ohren: Rykarda Parasol - For Blood And Wine

Für alle, die keine Lust haben, sich in der kalten Jahreszeit gemütlich auf dem Sofa zu aalen: wie wäre es mit einer Dosis selbstauferlegter Gänsehaut? Da wüsste ich jemanden: Rykarda Parasol. Die Frau heißt wirklich so, und genau so exotisch wie ihr Name ist auch die Musik auf ihrem zweiten Vollwerk. Die Stimme - meist sehr tief, mal brüchig, meist aber selbstbewusst, geradezu breitbeinig daherstampfend, erinnert oft an Patti Smith oder PJ Harvey. Die Musik von einer Düsternis, die einen Nick Cave neidisch machen könnte, handelt hauptsächlich von Verlust und Tod. Nein, fröhlich oder leicht verdaulich ist die Musik von Rykarda Parasol, die sie selbst als „Rock Noir“ bezeichnet, gewiss nicht. Im Opener „The Road Is Long“ bereitet sie uns vor:

The road is long with treachery
It winds just like a drunken snake
I walk the rue without care of bother
Though behind every bend I know
Evil follows me down

Inmitten all der Hoffnungslosigkeit, Bitterkeit, Zerissenheit, kurz: dem Unheil, schafft es die zierliche Blondine aus San Francisco noch, ihre Gefühle in wundervolle, teilweise melancholisch schwermütige, teils rumpelnde Melodien einzubetten, denen man spätestens nach dem zweiten Hören völlig erliegt. 16 verstörend und gleichzeitig fesselnde Stücke sind auf „For Blood And Wine“ vereint, das am 20. Oktober erscheinen wird. Für alle Fans des Folk (oder Rock) Noir, die auch gerne Woven Hand, Marissa Nadler, Emily Jane White, PJ Harvey usw. hören, ist dieses Album auf jeden Fall einen Versuch wert. Von mir gibt’s dafür 4 Sterne.
Hier die Website (die sich auf jeden Fall allein der eingestellten Texte wegen lohnt) und natürlich Myspace.


Donnerstag, 8. Oktober 2009

#42 Neu auf den Ohren: David Gray - Draw The Line

Schwarztee mit Milch. Die Assoziation taucht plötzlich und unauslöschlich vor meinem inneren Auge auf, während ich mir das neue Album von David Gray anhöre. Liegt es womöglich daran, dass der Mensch nun, zu Beginn der kalten Jahreszeit, unweigerlich etwas mehr Wärme braucht? Ist es das Bittersüße, welches beide verbindet? Das Zeitlose? Auf jeden Fall durchströmt mich ein wohliges Gefühl, schon bei den ersten Schlucken – Pardon – Minuten, in denen ich mich dem bereits 8. Studioalbum von David Gray widme. Was ich erwartet hatte? Nach den meiner Ansicht nach etwas zu lasch geratenen beiden Vorgängern hoffte ich nicht unbedingt auf den großen Wurf. Zunehmender Bekanntheitsgrad (unter anderem) über diverse Beiträge auf Soundtracks brachten eine unweigerliche Kommerzialisierung mit sich und drohten, die Intimität, die David Gray zwischen sich und seinen Hörern aufgebaut hatte, zunichte zu machen. Doch da gibt es eine Konstante: diese Stimme, die aus Hunderten herausstechen würde, die gleichzeitig Verletzlichkeit und Stärke ausdrückt. Von dieser lebt nun auch Draw The Line, doch dieses Mal balanciert der Brite geübter zwischen den Welten aus Kunst und Konsum. Bestes Beispiel: für "Full Steam" holt er sich als Duettpartnerin das Pop-Urgestein Annie Lennox ins Boot, für "Kathleen" die eher unbekannte (aber wunderbare) Folksängerin Jolie Holland. So vereinen sich auf Draw The Line eingängige, aber nicht minder anspruchsvolle Titel, mit denen David Gray bestätigt, dass er einer der besten Singer/Songwriter der Gegenwart ist. Neugierigen, Suchenden, und auch Zweiflern möchte ich mit allem Nachdruck empfehlen, dem Werk einige Aufmerksamkeit zu schenken, die sich gewiss lohnen wird. Als Anspieltipps fällt meine Wahl auf das Titelstück "Draw The Line", "Kathleen" (zum Glück hatte die erste Wahl Dolly Parton keine Zeit!) und "Jackdaw".
Vielmehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – eine persönliche Sache vielleicht noch: als ich im zarten Alter von 14 Jahren zum Schüleraustausch in England weilte, hörte ich zum ersten die Musik von David Gray. Und ich trank zum ersten Mal richtigen Schwarztee mit Milch. So schließt sich dann doch noch der Kreis…
Es fehlt noch zu sagen: 5 Sterne, natürlich!

Hier noch, wie gewohnt Myspace.
Und ein hochoffizielles Video.


Sonntag, 4. Oktober 2009

#41 Neu auf den Ohren: Emily Jane White - Victorian America

Zugegeben, beim neuen Album von Emily Jane White bleibt das Meiste, wie wir es bereits vom Debut kennen - genauso gut eben.

"Victorian America" ist nun nach knapp zwei Jahren der Nachfolger ihres Debuts "Dark Undercoat". Dass genug Material für ein neues Album bereits bestehe, das dürften Konzertbesucher schon längst bemerkt haben, so spielte sie schon viele der Titel des neuen Albums während des letzten Jahrs live.

Emily Jane White bleibt sich treu auf dem neuen Werk. Nach wie vor zählt das Düstere, ihre spröde, ruhige Stimme etwas Akustikgitarre, Cello und Klavier. Das ist das Rezept der jungen Musikerin und es geht wieder auf. Neu dazugekommen ist lediglich die Pedal Steel Guitar, die einige der Lieder dezent untermalt.

Zwischen sehr ruhigen, sanften Titeln wie beispielsweise "Never Dead" oder "Ghost of a Horse" finden sich immer wieder melodiöse, abwechslungsreiche Stücke wie  das grandiose "Stairs" oder "Liza". Auch diese abwechslungsreiche Kombination kennen wir schon von ihrem Debut.

Obwohl vieles schon bekannt, vieles irgendwie ähnlich zu "Dark Undercoat", schafft Frau White mit "Victorian America" ein wunderbareres, stimmungsvolles und düsteres zweites Album, das bei der Fangemeinde wieder großen Anklang finden sollte. Die Musikerin wird mit dem neuen Album keinesfalls schlechter, das muss klar gesagt werden.

Ein Album zum Genießen und vielfachen Hören, daher

Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Gerade ist Emily Jane White übrigens auf Tour,  es gibt auch deutsche Daten. Es lohnt sich!


Sonntag, 27. September 2009

#40 Neu auf den Ohren: Noah and the Whale - The First Days of Spring

Ganz selten gelingt es einer Band, sich mit dem zweiten Album neu zu erfinden, eine neue Richtung einzuschlagen, ohne dabei grausam unterzugehen.

Der britischen Band Noah and the Whale ist aber genau dies gelungen. Während ihr Debutalbum "Peaceful the World lays me Down" richig schönen Indiefolk/-pop darbot, und vor allem auch durch "Gute-Laune-Songs" wie "2 Atoms in a Molecule" glänzte, ist "The First Days of Spring" ein ruhiges, melancholisches Album, bei dem es vor allem um gebrochene Herzen, um Leben die sich verändern, um Trauer geht. Liebeskummer vom feinsten also. Doch wer nun klischeemäßig an schnulzige, schleimige Balladen denkt, liegt falsch.

Denn neben der vielen Trauer einer gescheiterten Beziehung bietet das Album wesentlich mehr, nämlich die Botschaft, dass alles irgendwann wieder besser wird und zwar immer. So wird in vielen der Titeln der Abschied, das Ende einer Liebe beschrieben, mit Sätzen wie: "I'll be lonely, Oh i'll be lonely - again". Diese Art der Texte könnte man zur Genüge zitieren, hier wird Trauer richitggehend zelebriert. Aber zu Beachten ist, wie das Album endet, nämlich mit dem Titel "My door is always open", der, genau wie die erste Single "Blue Skies", an das Weitermachen appeliert.

Musikalisch ist das Album sehr zurückhaltend. So wird zur Akustikgitarre gesungen ohne viel tamtam. Auch das Klavier hat einen festen Platz auf dem neuen Werk, neben den typischen Instrumenten natürlich. So wird die durchgehend mlancholische Stimmung bestens untermalt. Doch wenn man glaubt das Album langsam zu durchschauen, dann taucht plötzlich feinste Klassik auf, so in "Instrumental I". Und weil das noch nicht genug ist wird auch noch ein Chor aufgefahren. Doch auch hier gelingt es der Band, nicht ins kitschig-klischeehafte abzurutschen und das ist nun wirklich eine Leistung. Und wer jetzt denkt, auf dem Album wären ausschließlich ruhige, traurige Nummern, der wird mit "Love of an Orchestra" vom Gegenteil überzeugt.

Getragen wird "The First Days of Spring" aber von einer ganz bestimmten Stimme und zwar der von Charlie Fink. Endlich mal wieder eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Und dann noch dieser Akzent...da muss man nicht mehr viel sagen außer:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Mittwoch, 23. September 2009

#38 Neu auf den Ohren: Alela Diane feat. Alina Hardin - Alela & Alina

Nach dem in diesem Jahr erschienenen Album "To Be Still" überrascht uns Alela Diane nun mit einer EP, die sie zusammen mit ihrer Musikerfreundin Alina Hardin aufgenommen hat.

Wer die beiden live erleben durfte, weiß, wie harmonisch die Stimmen der beiden Frauen aus Nevada passen, wie schön sie zusammen klingen. Auf der EP, die einfach "Alela & Alina" heißt, zeigen die Beiden ebendies.

Die beiden traditionellen Lieder "Matty Groves" (könnte man schon von Fairport Convention oder Joan Baez kennen) und "Bowling Green" (ursprünglich von den Everly Brothers, aber wohl bekannter von Neko Case oder Devon Sproule), teilen sich den Platz nicht nur mit dem Townes van Zandt Cover "Rake", sondern auch mit drei niegelnagelneuen Titeln "Amidst The Movement", "Crying Wolf" und "I Have Returned".

Was soll man sagen, Alela bleibt sich auf dieser EP treu. Die Klänge und Texte sind schön wie eh und je. Ms Diane und auch Ms Hardin (die soweit ich das überblicken kann "Crying Wolf" geschrieben hat)  enttäuschen auch diesmal nicht. Eine wunderbare, wenn auch eher stille, EP die einen da erwartet. 

Zu erwerben gibts das unbedingt empfehlenswerte Stück ab dem 06.10. aber "nur" als Vinyl oder Download. Also bitte: Plattenspieler raus und auflegen.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Matty Groves!

Freitag, 21. August 2009

#36 Neu auf den Ohren: Jordie Lane - Sleeping Patterns

Irgendwie muss es am Bart liegen. Musikalität meine ich. So wundert es nicht, dass nach großartigen bärtigen Künstlern wie Bonnie `Prince` Billy, Iron and Wine, City and Colour etc etc auch dieser junge Herr zu den begnadeten Singer- und Songwritern gehört. "Sleeping Patterns" ist Jordie Lanes Erstlingswerk (abgesehen von zwei EPs), aber was für eins. Selten findet man eine solche musikalische Perle.

Der junge Melbourner überzeugt von der ersten Minute an. Okay, zugegeben, da im Eröffnungstrack "The publican's Daughter" gleich ein Banjo vorkommt, fällt es mir, als großer Banjofan gleich leichter, bei der Stange zu bleiben. Doch ja, auch ohne Banjo würde dieses Album funktionieren. Denn dominierend ist wie so oft die Gitarre, natürlich zusammen mit diversem anderen Instrumentarium wie dem obligatorischen Schalgzeug, einer Orgel, Mundharmonika, Bass...

Doch wie soll diese CD musikalisch eingeordnet werden? Jordie Lane bietet vielseitig an, so findet man klassische Gitarrenballaden neben rockigeren Stückchen, etwas Dark Country usw. Doch vielleicht ist die Einordnung in Schubladen nebensächlich, denn wirklich wichtig ist die Stimme der Musikers. Selten hört man so ein schönes Organ, so ein weiches, schwingendes Timbre. Und weil eben gerne Vergleiche herangezogen werden um möglichst vielen Menschen die Platte schmackhaft zu machen hier ein Name: Teddy Thompson. Während Teddy Thompson aber mit seinen letzten CD's in die Tiefen des Mainstream Pop bzw. Coutry abdriftete, macht Jordie Lane genau das, was wir wollen: eine wunderbare, abwechslungsreiche, innovative CD, da wundert es nicht, dass in diversen Reviews "Sleeping Patterns" bereits als Album des Jahres bezeichnet wird. Recht so.

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen

Hier eine Liveaufnahme des wunderbaren Eröffnungstitels "The Publican's Daughter" (das auf dem Album aber nochmal mehr kracht!)

Dienstag, 18. August 2009

#35 Neu auf den Ohren: Lisa O Piu - When This Was The Future

So, nach einiger Zeit der Dürre habe ich hier nun mal wieder eine meiner Meinung nach sagenhafte Neuentdeckung gemacht. Die Dame nennt sich Lisa O Piu und stammt nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, aus Italien, sondern mal wieder aus dem Top-Musikland Schweden. Doch skandinavisch klingt die Musik von Lisa Isaksson eigentlich nicht. Vielmehr handelt es sich hier um teilweise richtig geniale Songs in allerbester psychedelic folk Manier, die ich ohne besseres Wissen kurzerhand in die frühen 70er eingeordnet hätte. Lisa spielt demenstprechend häufig Querflöte, Gitarre, Schlagzeug und vieles mehr. Ihre Stimme ganz klar bezaubernd, etwa eine Mischung aus Martha Wainwright und Mariee Sioux, zart und doch souverän, beschert uns gespenstische Stimmungen, nimmt uns aber auch bei der Hand und führt uns wieder heraus ans Licht. When This Was The Future ist ein Album, das es in all seinen Details und Wendungen zu entdecken und bestaunen gilt. Ein unglaubliches Debut, dem hoffentlich genug verdiente Aufmerksamkeit zukommen wird. Für mich Definitiv die Perle des Jahres. KAUFEN!!!!!

Puh. Natürlich ist dann auch meine Wertung 5 von 5 Sternen.

Hier mal wieder auf (dem leider sehr langsamen) Myspace: http://www.myspace.com/lisaolillportan
Hört euch vor allem Cinnamon Sea an, es ist so ziemlich das genialste Lied, das ich seit Langem gehört habe.

Und ein hübsches Filmchen obendrein!

Sonntag, 2. August 2009

#34 Neu auf den Ohren: The Battle of Land and Sea - The Battle of Land and Sea

Poetische Namen wie etwa The Battle of Land and Sea erregen Aufmerksamkeit. Schnell projeziert man seine Ideen wie die Musik wohl klingen mag in solche Namen. Noch vor dem Hören entsteht so ein Bild von dem was kommen soll. Oft folgt dann die Enttäuschung: wie kann sich etwas mit so schönem Namen nur so falsch anhören? Doch glücklicherweise nicht so bei The Battle of Land and Sea. Das gleichnamige Album kam zwar schon 2007 auf den Markt, hat es aber verdient hier nochmal Beachtung zu finden.

The Battle of Land and Sea sind Sarah O’Shura und Joshua Canny aus Oregon. So finden sich passend zum Heimatort nicht nur Gitarren, sondern auch Banjos auf der Cd wieder. Überhaupt ist alles sehr reduziert. Es geht um die Stimme von Sarah O'Shura, untermalt von sanften Gitarrentönen. Hier und da findet man noch etwas Schlagzeug, aber das war es im Großen und Ganzen dann auch. Und glücklicherweise reicht das schon für eine wunderbar atmosphärische Platte aus.

Die spröde Stimme der Amerikanerin erinnert unwillkürlich an Cat Power. Überhaupt fühlt man sich musikalisch an Moon Pix erinnert. So wir mit einer düsteren, isolierten Stimmung gearbeitet. Dieses düster-reduzierte verleitet dann auch sofort dazu aufzuhorchen und sich der Schönheit der sphärischen Klänge hinzugeben.  Ein weiterer Name neben Cat Power wird bei mehrmaligem Hören präsent: Emily Jane White. Denn The Battle of Land and Sea verfolgen ein ähnliches Konzept: nicht zuviel, nicht übertreiben, schlicht und düster. Atmosphärisch und gänsehauterzeugend. 

Für dieses gelungene Debut gibt es Vier von Fünf (imaginären) Sternen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

#1 Für faule Augen: Daniel Kehlmann - Ruhm

Gelesen von Nina Hoss & Ulrich Matthes.

Hier der erste Teil des Ausflugs in die wunderbare Welt der Bücher. Hörbücher, man liebt oder hasst sie. Ich schwanke. Von Hörbuch zu Hörbuch entscheide ich mich neu, greife dann aber doch oft wieder zum Buch. Im Fall von Daniel Kehlmanns Ruhm las ich das Buch vor einigen Wochen und war begeistert. Durch Zufall stolperte ich dann über das Hörbuch und liess mich fesseln. 

Die neun ineinander verwobenen und trotzdem individuellen Geschichten des Romans werden von zwei Schauspielern gelesen, Ulrich Matthes und Nina Hoss. Viele Hörer ertragen weibliche Stimmen nicht, hören nur Hörbücher von Männern gelesen. Doch diese Fraktion kann ich beruhigen, denn Nina Hoss hat eine wunderbar ruhige, angenehme und tiefe Stimme. Dagegen steht Ulrich Matthes, der, wie ich finde, eine klassische Hörbuchstimme hat, gegen die wohl niemand etwas einzuwenden hat. Beide Sprecher lesen angagiert, schlüpfen in die jeweiligen Rollen und machen Ruhm zum Hörvergnügen.

Ruhm ist kurzweilig und fesselnd. Man  freut sich an den voneinander getrennten und doch immer wieder aufeinandertreffenden Geschichten, so dass man Ende das "große Ganze" erkennt.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Donnerstag, 23. Juli 2009

#33 Neu auf den Ohren: The Leisure Society - The Sleeper

Wieder mal ein wundervolles Album, das ich niemandem vorenthalten möchte. The Sleeper gibt es bereits seit März, doch hierzulande scheinen noch nicht gerade viele davon gehört zu haben. Dabei ist dieses Album – so abgedroschen wie es klingen mag - der perfekte Soundtrack für den Sommer. Luftige Melodien schwirren hier mit Leichtigkeit durch den Himmel, schweben höher und höher und nehmen der Hörer mit auf die Reise. Perfekt eingesetzte Steicher, Bläser, Banjos, eine Ukulele (und vieles mehr) sind eine schöne Bereicherung für tolle Melodien (ja, Ohrwürmer!) gepaart mit der überaus angenehmen Stimme von Nick Hemming. Es handelt sich hierbei nun aber nicht um schnöden Tralalapop, es gibt durchaus ruhigere Momente und für genug Anspruch ist auch gesorgt. Dennoch macht es riensigen Spass, das traumhafte Album zu entdecken und immer wieder zu hören. Ich selbst lasse mich im Moment sogar davon aufwecken und bin danach auch noch gut gelaunt. Es ist beinahe wie eine Droge: alles geht damit irgendwie einfach besser und man möchte nicht mehr ohne sein.
Mein Anspieltipp sind The Last Of The Melting Snow und A Matter Of Time.
4 von 5 Sternen, vertraut mir :o)
Hier natürlich noch der obligatorische Link zu Myspace und ein (zum hören) hübsches Video obendrauf!


Dienstag, 21. Juli 2009

#32 Neu auf den Ohren: Sarah Blasko - As Day Follows Night

Da haben wirs mal wieder: so ein Cover kann aber wirklich alles über ein Album sagen. Sarah Blaskos neues Album "As Day Follows Night" ist eben wie dieses: schlicht, aber doch bunt, nachdenklich und trotzdem süßlich, künstlerisch und vorallem weiblich.

Während die beiden Vorgängeralben "The Overture and the Underscore" und "What The Sea Wants, The Sea Will Have" eher düster bis traurig waren (inklusive Ausnahmen natürlich) wirkt das neue Werk sehr frisch und leicht. Und das trotz trauriger Themen, so vor allem das immer und immer wieder aufgegriffene Thema des Liebeskummers. Während die Texte diese Trauer ausdrücken, ist die Musik doch im allgemeinen auf- und erbauend. Das mag daran liegen, dass man der Australierin anmerkt, dass sie ihren Liebeskummer überwunden hat. So hat auch der Titel "As Day Follows Night" etwas ungemein tröstliches. Denn ja, am Ende eines jeden Tunnels kommt eben doch immer wieder das Licht. 

Für das neue Album sind zwölf abwechslungsreiche Titel entstanden. Alle sind außergewöhnlich melodiös und harmonisch, doch eintönig wird es keine Sekunde. Die Titel unterscheiden sich durch vorallem durch eine ausgeklügelte und verschiedenartige Instrumentierung. Klar, die Gitarre steht im Vorergrund, doch wird sie nicht nur verschieden eingesetzt, sondern auch durch diverse andere Instrumente ergänzt, so durch Piano, Streicher, Trompeten, Schlagzeuge und Trommeln uvm.

Gleich belubt einzig Sarah Blaskos Stimme die einen durch das Album trägt. Kaum wiederzuerkennen ist der sehr süßliche, mädchenhafte Klang, verglichen mit den Vorgängeralben. Dabei sollte man meinen, dass die Stimme mit dem Älterwerden nicht jünger wird. Doch zu beklagen ist dies nicht. Im Gegenteil, dieser Anna Ternheim'sche mädchenhafte Klang ist sehr schmeichelnd und angenehm. Manchem mag bei diesem Album der Tiefgang fehlen, doch bei genauem hinhören findet man sie schon, die Tiefen.

Für "As DAy Follows Night" gibt es verdiente Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Dank der wirklich durchgehend gelungenen Titelauswahl fällt es schwer ein Anspielbeispiel auszuwählen. Doch da ich ein extrem reizendes Video zu "No Turning Back" entdeckt habe, gibt es eben dieses.


Dienstag, 7. Juli 2009

#29 Neu auf den Ohren: Festival - Come, Arrow, Come!

Gut, zugegeben, "Come, Arrow, Come!" ist schon im letzten Jahr erschienen. Aus gegebenem Anlass (sprich: eben erst entdeckt und seitdem ohne Unterbrechung am Hören) wird die CD hier aber dennoch besprochen.

Festival sind die beiden Schwestern Lindsay und Alexis Powell. Erstere kennt der ein oder andere vielleicht schon dank ihres (nicht mehr bestehenden) Projekts Cake Bake Betty. Falls nicht, dann soll dies als Empfehlung gelten, sich die beiden CBB CD's ebenfalls zu besorgen und zu genießen!

Schon allein Titel und Cover sind inspirierend, interessant (da nicht 08/15) und schön. Da entstehen natürlich Erwartungen an die Musik. Diese werden nicht nur erfüllt sondern meilenweit übertroffen.

"Come, Arrow, Come!" ist ein schlicht wunderbares Folkalbum. Die beiden Frauenstimmen sind nicht nur schön, sondern harmonieren genauso, wie die Instrumente. So schleicht sich zwischen Piano und Gitarre auch mal ein Banjo und mehr. Doch die Stimmen bleiben Vordergrund, so kommt z.B. der Eröffnungstitel "Fair and True" größtenteils "a capella". Schon bei den ersten Klängen ist der Hörer verzückt. Fast fühlt man sich in eine Zeit versetzt, in der gute handgemachte Musik auf den Feldern und in den Gaststuben Amerikas gemacht wurde.

Mit ihrem Debutalbum ist Festival ein durchgängig ruhiges, doch keinesfalls langweiliges Album gelungen. Die 10 Titel sind so schnell vorüber, dass man sich unwillkürlich fragt, warum es schon aus ist. Und das Gefühl etwas wieder und wieder (und wieder, wieder, wieder)  Hören zu können ist nun wirklich nicht alltäglich.

Daher klare Fünf von Fünf (imaginären) Sternen

Ach, die beiden Damen befinden sich übrigens momentan in New York im Studio um ihr nächstes Album aufzunehmen. Yes!

Zum reinhören "Boxcar":


Montag, 6. Juli 2009

#28 Neu auf den Ohren: Scarlatti Tilt - Gathering Of The Haunted

Hinter der britischen Band mit dem eigenartigen Namen (einer Kurzgeschichte entnommen) verbergen sich Daisy Chapman, Greg Simmons und Tim Smith. Auf ihrem neuen Album, das bereits 2006 eingespielt wurde, machen sie nun auch genau so eigenartige Musik - der Name ist sozusagen Programm. Beginnt der Opener "Salvation" noch ruhig und zurückhaltend, findet man sich schnell in einen faszinierenden, kraftvollen Strudel wieder; randvoll mit Melancholie, Liebe und Hass, zerrissen zwischen Zärtlichkeit und Aggression. Dominiert wird die Musik von einem allgegenwärtigen, geradezu einschüchternden Klavierspiel, gegen welches Tori Amos wie kalter Kaffee erscheinen muss. Verzerrte Effekte à la Woven Hand, die Daisy Chapmans Stimme ein wenig wie PJ Harvey klingen lassen, ab und zu eine hart angeschlagene E-Gitarre und ein nicht zu knapp betätigtes Schlagzeug erschaffen eine Atmosphäre, deren bedrückend gespenstische Düsternis nicht nur den Thron eines Nick Cave, Jay Munly oder bereits erwähnten Woven Hand zum wackeln bringen dürfte. Wem das jetzt alles als zu gewaltig erscheint, der mag beruhigt sein. Es gibt auch genügend Momente zum ausruhen (z.b. "The Insect´s Party"), einiges zu entdecken und viele bestechend schöne Augenblicke, die das Album noch abrunden.
Ich persönlich bin vollkommen dem Bann dieser Musik verfallen und vergebe deshalb meine Lieblingswertung mit 4 von 5 Sternen (mit einem Auge auf die 5 schielend!!!).
Interessierte mögen einmal auf der überaus ansprechend gestalteten Homepage vorbeischauen oder auf Myspace ein paar Titeln lauschen. Und Daisy Chapmans ebenfalls sehr gutes Soloalbum „And There Shall Be None“ anhören. Viel Spass!

Montag, 22. Juni 2009

#26 Neu auf den Ohren: Regina Spektor - Far

„Weit“ gebracht hat es Regina Spektor in den letzten Jahren mit ihren Alben „11:11“, „Soviet Kitsch“ und „Begin to Hope“. Nun folgt „Far“. Von 700 Titeln, die Spektor bereits geschrieben haben soll, sind 13 auf ihrer neuen CD zu hören.
Das sechste Studioalbum, der in New York beheimateten Musikerin, besticht wie die Vorgängerwerke durch Individualismus und musikalisches Können. Gekennzeichnet ist dies durch stimmliche, textliche und musikalische Besonderheiten. So ist Spektor nicht nur bekannt für virtuoses Klavierspiel und ein breites Stimmspektrum, sondern auch für spezielle stimmliche Techniken, wie etwa beatboxähnliche Geräusche, die sie in ihre Songs einbaut. Eins kann vorweggenommen werden, auch auf „Far“ sind diese Qualitäten der Musikerin wieder vertreten.

Schon die erste Single „Laughing With“ kennzeichnet das Wesen des gesamten Albums. Es ist weniger verspielt, ruhiger, nachdenklicher und, man könnte sagen, klassischer als vieles bisher gehörte. Glaube und Religion, ein immer wiederkehrendes Thema bei Spektor, steht bei „Laughing With“ im Zentrum. Doch bei „Far“ es geht um viel mehr: um die Gesellschaft, politische Themen und um Liebe, Liebe, Liebe. Aber auch die für sie typischen humoristischen und (selbst)ironischen Anwandlungen, die den Hörer zum schmunzeln bringen, sind auf der neuen CD vertreten. So etwa in „Folding Chair“: „I’ve got a perfect body, though sometimes I forget / I’ve got a perfect body ‘cause my eyelashes catch my sweat“. Ebenfalls wichtiges Element (spätestens seit dem allseits beliebten „Samson“ des Vorgängerwerks) sind ihre wunderschönen Balladen, auf diesem Album am eindrucksvollsten durch „Eet“ vertreten.

„Far“ ist im Vergleich zum Vorgänger „Begin To Hope“, weit weniger überproduziert und überladen. So steht nun das Piano noch deutlich stärker im Mittelpunkt und wird nicht durch eine Vielzahl von anderen Instrumenten oder elektronischen Elementen erdrückt und überlagert. Man wird schnell von Reginas Klavierspiel in seinen Bann gezogen und bemerkt mit Freude ihre klassische Klavierausbildung.

Ein Wehmutstropfen (wenn man dies so nennen kann) ist lediglich, dass die meisten der für das Album ausgewählten Titel schon längst bekannt sind. Sie gehörten zu Spektors Liverepertoire der letzten Jahre und sind somit Teil diverser Livemitschnitte. Hier stellt sich natürlich die Frage, warum man aus über 700 Titeln fast ausschließlich diejenigen auswählt die schon bekannt sind. Vielleicht war dies aber auch beabsichtigt, da so schon im Vorfeld beurteilt werden konnte wie gut die Songs beim Publikum ankommen und somit auch bei den Hörern der neuen CD.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit „Far“ ein stimmiges, ideenreiches und vielfältiges Album entstanden ist. Fans werden nicht enttäuscht sein und auch als Einsteigeralbum ist „Far“ zu empfehlen. Es führt in die besondere musikalische Welt der Regina Spektor ein, überfordert nicht und sticht doch angenehm aus der musikalischen Masse hervor. Sicher lässt sich sagen, dass der Hörer nach dem Genuss dieses Albums mit einem Lächeln auf den Lippen vor dem Plattenspieler zurückbleibt.
Es macht Spaß sich mit Regina in die musikalische „Ferne“ zu begeben, „Far“ eben.
Regina Spektor drehte nicht nur ein ganz wunderbares Video zur ersten Single, sondern auch zu meinem Favoriten "Eet". Viel Spaß mit beiden!



#25 Neu auf den Ohren: Kat Flint - Dirty Birds

Ooooohhh: schon nach zehn Takten weiß ich, dass ich Kat Flint lieben werde. Was ich da höre ist wirklich Musik vom Allerfeinsten, mit der Gitarre als Hauptinstrument und einem bunten Potpourri an Begleitinstrumenten: Klavier, Geige, Melodika, Glockenspiel, alte Koffer, FisherPrice Happy Apple und auch mal einfaches Händeklatschen (auf der Myspaceseite stehen noch einige mehr, die schmunzeln lassen). Über all dem steht Miss Flints wunderbare, facettenreiche Stimme. Diese Lieder bereiten mir wirklich schon beim ersten anhören große Freude, so ausgefeilt und in sich stimmig sind diese 12 mit Herzblut gefüllten Perlen, die auf Dirty Birds versammelt sind. Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass sich die Künstlerin nie zu ernst nimmt – wer würde sonst wohl eine Schere zum musizieren verwenden? Im Internet lese ich, dass die Frau aus Schottland stammt, schon im Jahr 2008 eine EP veröffentlichte und bereits das Vorprogramm der von Rebekka und mir heißgeliebten Cara Dillon spielte. In den Medien wird sie als "rising star of folk" bezeichnet. Gibt es also noch einen Grund, zu zögern? Nach diesem Video hier vielleicht nicht mehr. Also: erst anschauen, dann kaufen, dann verlieben!
4 ½ Sterne!!!

Freitag, 12. Juni 2009

#23 Neu auf den Ohren: Seth Wood - Abraham

Eigentlich wollte Seth Wood Filme machen. Welch ein Glück für uns, dass der Mann aus Nashville dann aber während eines Europatrips über eine alte Gitarre stolperte und so sein Schicksal in  andere Bahnen gelenkt wurde. Heraus kam letztendlich die EP Abraham, gerade einmal 6 Titel und knappe 25 Minuten lang, und trotzdem strotzt sie nur so vor unverschämt guten Ohrwürmern und herzerweichenden Balladen. Allesamt sind es Kleinode in bester Alternative Folk Manier. Besonders herausheben möchte ich das Titelstück Abraham, welches ich stundenlang in Dauerschleife hören könnte und Banks Of Mercy. Hätten Sufjan und Teitur einen kleinen Bruder, hieße dieser Seth Wood. Unter http://www.sethwoodmusic.com/ gibt es einiges zum anhören. Für mich ist es eine der besten EP’ s, die ich seit langem gehört habe. Eine absolute Kaufempfehlung und hoffentlich nicht mehr lange ein Geheimtipp. 4 ½ von 5 Sternen.

Dienstag, 26. Mai 2009

#20 Neu auf den Ohren: Patrick Wolf - The Bachelor

Das neue Album "The Bachelor" des  Ausnahmekünstlers (statt Ausnahmekünstler steht bei allen anderen Kritiken die sich mit Herrn Wolf befassen das Wort "Paradiesvogel"...einfallsreich oder?) Patrick Wolf erscheint zwar erst nächste Woche, führt aber schon zu reichlich Aufruhr und Begeisterungsstürmen. Angebrachterweise fragt sich da der Musikliebhaber?

Zuerst zu den Infos: Nachdem sich Patrick Wolf gegen seine erste Idee ein Doppelalbum mit dem Titel "Battle" zu veröffentlichen entschied, kommt nun "The Bachelor" welches zu Beginn des nächsten Jahres mit "The Conqueror" ergänzt wird. Dies bedeutet: doppelte Vorfreude. Klug, der Patrick Wolf.  Für die Aufnahmen holte er sich die Unterstützung von Produzenten, Sänger/innen (Matthew Herbert, Alec Empire, Eliza Carthy und Thomas Bloch) und sogar eine Schauspielerin. So ist Tilda Swinton auf drei der Titel sprechenderweise zu hören ("Theseus", "Thisket" & "Oblivion").  Besondere Erwähnung verdient meiner Ansicht nach Eliza Carthy, die den "weiblichen" Part auf dem titelgebenden Track singt. Während ich (und wohl viele andere) Eliza Carthy als Folkmusikerin mit zwar tiefer, aber nicht männlicher Stimme, kenne, war ich extrem überrascht, als ich rausfand, dass es Elizas Stimme ist, die so männlich, harsch und doch wunderbar auf "The Bachelor" tönt. Da ich nun schon einen der Titel ansprach, möchte ich hier gleich ergänzen, dass eben dieser der Beste des Albums ist. Mitreissend, dank der Geigen sogar etwas folkig und einfach wunderbar. Zum wieder und wieder und wieder...hören.

Das gesamte Album ist ein, ja so kann man es durchaus nennen, überladenes, pompöses musikalisches Meisterwerk. Weder mit elektronischen Klängen, noch mit Instrumenten aller Art (Piano, Geigen, Cembalo...) wird gespart. Dazu kommt die Stimme des jungen Briten, die über allem steht, teilweise gedoppelt wird oder etwas verzerrt, doch immer durch eine faszinierende Klarkeit brilliert. So ist es zwar ganz nett, Tilda Swinton sprechen zu hören, die Unterstützung bräuchte Patrick Wolf aber im Grunde nicht. Er selbst reicht völlig.

Das erste Hören kann überfordern, doch man erkennt sofort, dass das Album gefüllt, ja übervoll, mit Titeln ist, in die man sich sofort verliebt, die man sofort nochmals hören will. Man kann sich kaum entscheiden welches nun der Beste Track ist, zumal man bei jedem hören neues entdeckt, so vielschichtig ist das dargebotene. So sind viele der Titel extrem mitreissend ("Oblivion", "Damaris", "The Bachelor", "Count of Casualty") und man findet sich in der U-Bahn (oder anderen öffentlichen Plätzen) absolut verzückt (verzaubert vielleicht sogar?) zum Takt wippen, ohne die Blicke der anderen zu realisieren. Während das Album vorrangig die etwas beschwingteren, lauteren Töne vorantreibt, so ist doch für die leiseren Töne gesorgt, so bei "Thisket" und "The Sun is often out". Zwar wirken auch diese Tracks durch Streicher epochal, doch an Schönheit mangelt es definitiv nicht.

Ich empfehle dieses Album allen, die sich nicht mit dem Typischen zufriedengeben (wollen) und die gerne bereit sind, elektronische Klänge und dramatisch aufgebauscht Titel zu akzeptieren. All dies meine ich im positivsten Sinn, denn Patrick Wolfs "The Bachelor" ist eines der besten Alben, die ich in den letzten Jahren hören durfte. Also ran an das gute Stück!

Keine Frage:

Fünf von fünf (imaginären) Sternen

Und natürlich der Bachelor zum hören (Ist es nicht UNFASSBAR, dass da wirklich Eliza Carthy singt?????)







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