Donnerstag, 23. September 2010

#57 Neu auf den Ohren: My Sister Grenadine - Subtitles & Paper Planes

Bei Musik aus Deutschland denke ich für gewöhnlich mit einigem Grauen an sogenannte "Künstler" wie Rosenstolz, Ich & Ich, Xavier Naidoo usw. Dass es aber auch gute Musik diesseits der Grenzen gibt, beweist Vincenz Kokot, alias My Sister Grenadine. Wurde das Debutalbum im Jahr 2008 bereits mit viel Lob überhäuft und als neue Singer/Songwriter-Hoffnung deklariert, ist der Zweitling noch einmal ein großer Schritt nach vorn. "Subtitles & Paper Planes" ist ein in zwei Hälften geteiltes Werk geworden. Zum einen ein zauberhaftes akustisches Album unter Trio-Besetzung mit Ukulele, Geige, Glockenspiel und Trompete. Zum anderen ein Album mit verschachtelten Klängen von E-Gitarre, Beats und Synthesizern. Was hier nun sehr gegensätzlich klingt, wirkt in Form eines Doppelalbums in Ergänzung zueinander aber durchaus stimmig. Wie ein roter Faden zieht sich Kokot’s warme, an Sufjan Stevens erinnernde Stimme durch die beiden Teile. Die Musik wirkt zeitweise so zart und fragil, dass sich erst nach mehrmaligem Hören vollständig im Gehör festigt. Ein Album also, für das man sich Zeit nehmen sollte und es sich wie ein gutes Essen in all seinen Nuancen langsam auf der Zunge zergehen lassen sollte. Demjenigen, der diesem Rat folgt, werden sich traumhafte neue Klangwelten öffnen.
Anspieltipps: "Shine In The Dark", "At Night I Fall Asleep", "Snapshot Song".

Und ein sehr hübsches Video:

Freitag, 21. Mai 2010

#56 Neu auf den Ohren: Wovenhand - The Threshingfloor

Pünktlich nach zwei Jahren meldet sich David Eugene Edwards mit einem neuen Album zurück. Zuerst im Alleingang unter dem Namen Wovenhand unterwegs, mittlerweile wieder als vollwertige band vereint, versammelte das Ex-Gehirn von Sixteen Horsepower seine Mitspieler (oft gerne als Jünger bezeichnet), bestehend aus seinem ebenfalls Ex-Sixteen Horsepower Bassisten Pascal Humbert und Schlagzeuger Ordy Garrison.

Nun gibt es also mittlerweile das fünfte Vollalbum des Wanderpredigers, dem vom Teufel Verfolgten Propheten, dem Rastlosen Missionar oder weiß Gott was noch alles, das dem Mann gerne anassoziiert wird. Tatsache ist, dass er als Persönlichkeit definitiv eine wahrhaftige Erscheinung ist, seine Texte von tiefem Glauben geprägt, live wirkt er des Öfteren, als würde er am liebsten das Publikum zu Asche zerfallen lassen, während er selbst sich geradezu in Trance spielt. Nicht weniger mystisch ist logischerweise die Musik des Herrn Edwards, der sämtliche Saiteninstrumente bis zur Perfektion beherrscht und mit deren Hilfe überwiegend düstere, bedrohlich brodelnde Klanggebilde webt. Hinzu kommt noch diese Stimme, unverkennbar, die oft klingt, als sänge nicht ein Mensch, sondern gleich mehrere, irgendwie verstörend und doch auch wie ein Halt, während rundherum der (musikalische) Sturm tobt. Was nun aber auf dem neuen Werk doch auffällt: Edwards klingt deutlich entspannter. Kam der Vorgänger gehetzt und eher verkrampft zusammengewürfelt vor, so ist The Threshingfloor relativ relaxt - sofern sich das für Edwards sagen lässt. Überwiegend akustisch gehaltene Nummern dominieren das Album, es kommen Klavier und Flöten zum Einsatz und die Melodien sind insgesamt nicht mehr ganz so düster, wie gewohnt. Es wird sogar ein wenig mit orientalischen Klängen herumexperimentiert und vielen Ideen mehr Raum gelassen, sich zu entwickeln. Oft entfalten die Songs eine geradezu hypnotische Wirkung, man möchte sie wieder und wieder hören. Hinzu kommt noch, dass das Album auch klanglich ein Erlebnis ist. The Threshingfloor enthält zwölf Lieder, davon sind zehn Edwards’ Eigenkompositionen, eine von Pascal Humbert und eine Coverversion von New Order’s „Truth“. Ich glaube, es ist eines dieser Alben, das man entweder liebt oder hasst. Ich für meinen Teil liebe es. Deshalb 10 Sterne.

Da die Myspaceseite absolut nichts hergibt, verzichte ich ausnahmsweise mal auf den Link und biete euch stattdessen ein Liveviedeo. Etwas wacklig, aber man bekommt immerhin einen kleinen Einblick...



Dienstag, 30. März 2010

#55 Neu auf den Ohren: Erland & The Carnival - Erland & The Carnival

Und noch mehr tolle Musik aus London. Von den Orkneys stammender Folk-Musiker Erland Cooper plus Simon Tong, ex The Verve, Blur, The Good, The Bad & The Queen, plus Schlagzeuger David Nock ergibt: Erland & The Carnival. Heraus kommt ein Sound, der von jedem seiner Bandmitglieder deutlich geprägt ist, den ich mal grob als psychedelischen Folk-Rock bezeichnen möchte. Hinter der Zuordnung verbirgt sich aber eine solche Fülle an Ideen und Stilrichtungen, dass mir zu Ende des Albums beinahe der Kopf qualmt. Mal fühlt man sich an Country-Rock à la Sixteen Horsepower erinnert, dann glaubt man traditionelle Folk Songs wie aus den späten 60ern von Fairport Convention zu hören, dann wird plötzlich ein Bogen über Garage Rock zu Pop geschlagen. Alles zusammen fügt sich auf dem Album extrem gut zusammen, die Melodien sind griffig und nicht selten fange ich an, übermütig mitzuwippen. Als ich sagte, 2009 wäre ein tolles Jahr für neue Musik gewesen, hatte ich noch keine Ahnung, wie gut es in 2010 weiter gehen würde. Das Debüt von Erland & The Carnival ist ein weiterer Beweis.

Da ich von diesem Album seit einigen Wochen praktisch nicht genug bekommen kann, gibt es 8 Sterne.

Hier E&TC auf Myspace und eine sehr coole Version meines Lieblingstitels "My Name Is Carnival", live gespielt in einer Kirche. Mann, da wäre ich gern dabei gewesen.
Nachtrag: Heee, heute sogar als eine der CD's der Woche bei Spiegel Online! Mist. Aber ich kannte sie schon viel früher! ;o)

Mittwoch, 17. März 2010

#54 Neu auf den Ohren: Laura Marling - I Speak Because I Can

Laura Marling ist ja nun mittlerweile ein kleiner Star am Folkhimmel. Bereits seit ihrer Jugend schon sehr umtriebig in der Londoner Folkszene (unter anderem in bester Gesellschaft von Bands wie Noah And The Whale, Mystery Jets, Mumford & Sons etc.) kommt nun ziemlich genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung des von Kritikern hoch gelobten Albums Alas I Cannot Swim nun der Nachfolger: I Speak Because I Can. Es fällt schnell auf, dass es um einiges weniger poppig ausfällt, als der Vorgänger: die Melodien noch ausgefeilter, mehr Höhepunkten entgegenstrebend, kraftvoller, gereift. Obwohl Laura Marling gerade einmal 20 Jahre alt ist, klingen ihre Songs, als hätte sie seit Jahrzehnten nichts anderes gemacht. Doch in ihnen allen schwebt eine Lebendigkeit, ein Selbstbewusstsein, das zeigt: man ist sich darüber genau im Klaren, was man kann. Nichts Geringeres ist also auf den neuen Tonträger gebannt worden. Ein Album, das in vielen Facetten glänzt, zu verzaubern weiß und gleichzeitig zum nachdenken und zum mitsummen anregt. Einen einzigen Makel gibt es aber leider doch: nach gerade einmal 37 Minuten ist schon wieder alles - viel zu schnell - vorbei. Von mir gibts 7,5 Sterne.

Bis das Album am 26. März bei uns in die Läden kommt, gibt es das Video zu Devil's Spoke als Überbrückung:
Laura Marling - Devil's Spoke

Laura Marling | MySpace Music Videos

Montag, 8. März 2010

#53 Neu auf den Ohren: Tom McRae - The Alphabet Of Hurricanes

Eine Geduldsprobe für alle Fans von TomMcrae: nachdem er 3 Jahre hart an seinem fünften Studioalbum gearbeitet hatte, musste die Veröffentlichung um einige Monate verschoben werden. Man hatte glücklicherweise eine Plattenfirma gefunden, die das Album angemessen vermarkten und somit unterstützen konnte. Dafür wurde die Veröffentlichung verschoben, bereits fest geplante Konzerte wurden abgesagt. Nun ist The Alphabet Of Hurricanes aber endlich da. Das, was Tom McRae uns mit seinem neuen Werk vorsetzt, ist Singer/Songwriterkunst von höchster Güte. Neben seinem langjährigen Begleiter, dem Cellisten Oliver Kraus, versammelte er eine illustre Schar von Musikern um sich, die dem Album durchaus experimentierfreudig eine ungeahnte Frische und Diversität verschaffen. So gibt es kleinere Klezmeranleihen, Chöre, sogar eine Harfe, die zusammen einen sehr warmen und stimmigen Sound schaffen.  Es wäre aber kein McRae’sches Album, wenn es nicht die typischen Texte gäbe, herzzerreißend gefüllt mit Selbstzweifeln, vorgetragen mit seiner unverkennbaren, gleichzeitig schneidenden und sensiblen Stimme. Falls ihr jetzt aber glaubt, dies wäre mal wieder eines der Alben, die voll sind mit Gejammer und platten dieWeltistsoschlechtzumirKlischees, dann kann ich versichern, dass dem nicht so ist. Es ist ein Vergnügen, das Album in all seinen Bestandteilen zu erkunden und sich mitreißen zu lassen. So möchte ich euch abschließend die Single Please ans Herz legen und gebe „unserem“ Tom 7 Sterne.

Hier also noch das (sehr lustige) Video zu Please und (wie immer) Myspace.

Freitag, 26. Februar 2010

#52 Neu auf den Ohren: Joanna Newsom

Dies wird die kürzeste und vielleicht deutlichste Rezension die ich je schreiben werde. Zu Have One on Me, dem neuen Album von Joanna Newsom,  kann man vieles sagen, oder eben gar nichts, so ungreifbar, so schwierig ist es das Dreieralbum in Worte zu fassen. Nur so viel: Es ist an Virtuosität, Ideen- und Abwechslungsreichtum und Brillanz wohl kaum zu übertreffen.

Daher: Danke, Joanna für eines der besten Alben die je erschienen sind. Wer mehr wissen möchte, was niemandem zu verübeln wäre, dem rate ich es zu hören und dann nochmal zu hören und nochmal.

Zehn von Zehn Sternen und wenn es mehr gäbe hätte dieses Album sie verdient.

Montag, 1. Februar 2010

#51 Neu auf den Ohren: Woodpigeon - Die Stadtmuzikanten

“I’ve spent too much time on my own, i just want to die...” Nein, dies stammt nicht aus einem düsteren Grunge-Album aus den 90ern, sondern vom neuen Werk „Die Stadtmuzikanten“ meines kanadischen Lieblingsensembles Woodpigeon. Mark Hamilton, Songwriter, Stimme und Seele der Band schafft es, mal traurige, sehnsuchtsvolle und wehmütige Texte, dann aber auch einfache Wortspiele oder alltägliche Beobachtungen in außergewöhnlich schöne Melodien zu verpacken, die über lange Zeit nicht mehr los lassen. Unter Einsatz einer Vielzahl an Instrumenten und dem in dieser Sparte praktisch obligatorischen Glockenspiel entfalten die Songs ihren Zauber, mal kindlich unschuldig, dann geradezu schunkelig, dann wieder sehr ernsthaft. Was ihnen allen zugrunde liegt sind eingängige Refrains, jedoch ohne diese einfach langweilig herunterzuspielen. Man traut sich auch, das Tempo zu erhöhen, den Rhythmus zu ändern oder plötzlich innezuhalten. Mit ihrem dritten Vollwerk ist Woodpigeon ein ganz wunderbares Folk/Pop Album gelungen, manchmal scheint es geradezu, als müsse man es beschützen, so aufrichtig und ehrlich schön scheint es. Hinzu kommt noch, dass man äußerst viel Musik für sein Geld bekommt: Auf der regulären CD sind 16 Titel, beim Kauf der Special Edition mit Bonus EP sind es noch mal 12 (nicht minder wertvolle) mehr. Wer im letzten Jahr The Leisure Society mochte, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen.
Zu beziehen ist das ganze (meines Wissens nach) noch nicht in Deutschland, es gibt das Album aber ziemlich günstig hier. Hier gibt es das ganze Album als Stream zum Probehören - mein Anspieltipp ist Nr. 2: Woodpigeon Vs. Eagleowl.

Meine Endwertung ist daher 8 von 10 Sternen.

Mittwoch, 20. Januar 2010

#50 Neu auf den Ohren: First Aid Kit - The Big Black and the Blue

Das neue Jahr startet hier zugegebenermaßen verspätet, aber dafür mit einem musikalischen Goldstück. First Aid Kit, ein schwedisches Schwesternduo veröffentlichen dieser Tage ihr erstes Album "The Big Black and the Blue" und wissen zu überzeugen.

Gerade 16 und 19 sind Klara und Johanna Soderberg, seit 2007 machen sie zusammen Musik. Vielleicht liegt es am Schwesterndasein und der daraus resultierenden Verbundenheit, dass ihre Stimmen schon jetzt nicht nur einzeln ganz wunderbar sind, sonder auch perfekt harmonieren.

Auf ihrem ersten Album sind elf nicht nur harmonische, sondern auch melodiöse, fesselnde und lebensbejahende Titel zu finden. so wird auf "Hard Believer" auf voller Kehle gesungen "and it's one life and it's this life and it's beautiful". Das allgemein anerkannte depressiv sein in der Musikbranche wird endlich einmal durchbrochen.

Wer glaubt das junge Alter würde der Songschreiber und Stimmqualität abträglich sein und First Aid Kit wären ein weiteres süßliches Frauenduo, der irrt gewaltig, so erwachsen wirken die Stimmen und Titel der jungen Schwedinnen.

"The Big Black and the Blue" ist ein rundum gelungenes, einmalig schönes Album, das schon jetzt die Latte für die Folkalben dieses Jahres sehr hoch legt und, so kann man jetzt schon bedenkenlos sagen, mit Sicherheit Anwärter auf eins der schönsten Alben 2010 ist. Viel mehr gibt es nciht zu sagen, außer; unbedingt hören!

Dafür gibt es 9 von 10 sehr verdienten Sternen

Mittwoch, 30. Dezember 2009

#5 Verschiedenes: Musikalischer Rückblick 2009 - die Zweite

Auch ich möchte, praktisch last minute, noch mit einer kurzen Aufstellung meiner zehn liebsten Alben des Jahres aufwarten. Alles in Allem finde ich, dass 2009 aus musikalischer Sicht ein ziemlich gutes Jahr war - sofern man das Radio ausgeschaltet ließ.

Hier auf jeden Fall meine Top 10:

1. The Leisure Society - The Sleeper

2. Mumford And Sons - Sigh No More

3. Rykarda Parasol - For Blood And Wine

4. The Decemberists - The Hazards Of Love

5. Bat For Lashes - Two Suns

6. R.E.M. - Live At The Olympia In Dublin

7. Tori Amos - Abnormally Attracted To Sin

8. Le Loup - Family

9. Blue Roses - Blue Roses

10. Show Of Hands - Arrogance, Ignorance And Greed

Ich stelle nun fest, dass es ganz schön schwer fällt, nur 10 herauszugreifen. Es gab ja, wie schon gesagt, so einige tolle Alben in diesem Jahr. Wahrscheinlich sähe die Liste nächsten Monat wieder ganz anders aus. Vielleicht enthielte sie dann Howling Bells, Emily Jane White, David Gray, Cortney Tidwell, Lisa o'Piu, Alela Diane, Gemma Ray....

Puh! Auf jeden Fall freue ich mich schon auf 2010, auf dass unser kleiner Blog weiterhin seine Anhänger mehrt und wir alle viele weitere schöne Konzerte erleben dürfen.

Dank euch fürs mitlesen und natürlich: einen guten Rutsch!!!!

Sonntag, 13. Dezember 2009

#49 Neu auf den Ohren: Minor Majority - Either Way I Think You Know

Das neuste Album Either Way i Think You Know der norwegischen Herrenband Minor Majority erschien bereits im Oktober in den nordischen Ländern. Eine wirkliche Erklärung warum das Werk erst ab Ende Januar in Deutschland und anderen Länder zu haben sein wird gibt es wohl nicht. Die Freude das Album aber endlich hören zu können ist natürlich groß.

Ich nehme gleich vorweg: das Album ist zwar gut, kommt aber bei weitem nicht an Vorgänger wie Walking Home from Nicole S heran. Aber an was liegt das?

Zuersteinmal: Minor Majority sind bekannt für wunderbare Melodien, die sanfte Stimme des Sängers Pal Angelskar und vor allem sind ihrer Titel schlicht gehalten, so dass Text und Gesang immer im Mittelpunkt stehen. Doch gerade da hakt es bei Either Way I Think you Know. Alles ist irgendwie voller, produzierter. Die geniale Einfachheit der Vorgänger ging irgendwo im Studio verloren. Auch die Texte scheinen irgendwie stupider, wiederholender. Da vermisst man doch grandiose Zeilen wie: "the atlantic sea may be a killer of dreams if what you want is a swimming pool".

Trotzdem kann man das neuste Werk der Norweger nicht als schlecht bezeichnen. Es ist nach wie vor bodenständig, auch wenn die Prioritäten verlagert wurden. So hört man z.B. kaum noch auf den Text wegen der Instrumentenübermacht, die auch durch Streicher und mehr ergänzt wurde. Trotzdem finden sich Titel sie wunderbarer kaum sein könnten, so zum Beispiel "Dance".

Daher: Anhören lohnt sich trotz allem, auch wenn es nicht ebenbürtig zu seinen Vorgängern ist.

Es gibt sechs von zehn Sternen






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