Mittwoch, 30. Dezember 2009

#5 Verschiedenes: Musikalischer Rückblick 2009 - die Zweite

Auch ich möchte, praktisch last minute, noch mit einer kurzen Aufstellung meiner zehn liebsten Alben des Jahres aufwarten. Alles in Allem finde ich, dass 2009 aus musikalischer Sicht ein ziemlich gutes Jahr war - sofern man das Radio ausgeschaltet ließ.

Hier auf jeden Fall meine Top 10:

1. The Leisure Society - The Sleeper

2. Mumford And Sons - Sigh No More

3. Rykarda Parasol - For Blood And Wine

4. The Decemberists - The Hazards Of Love

5. Bat For Lashes - Two Suns

6. R.E.M. - Live At The Olympia In Dublin

7. Tori Amos - Abnormally Attracted To Sin

8. Le Loup - Family

9. Blue Roses - Blue Roses

10. Show Of Hands - Arrogance, Ignorance And Greed

Ich stelle nun fest, dass es ganz schön schwer fällt, nur 10 herauszugreifen. Es gab ja, wie schon gesagt, so einige tolle Alben in diesem Jahr. Wahrscheinlich sähe die Liste nächsten Monat wieder ganz anders aus. Vielleicht enthielte sie dann Howling Bells, Emily Jane White, David Gray, Cortney Tidwell, Lisa o'Piu, Alela Diane, Gemma Ray....

Puh! Auf jeden Fall freue ich mich schon auf 2010, auf dass unser kleiner Blog weiterhin seine Anhänger mehrt und wir alle viele weitere schöne Konzerte erleben dürfen.

Dank euch fürs mitlesen und natürlich: einen guten Rutsch!!!!

Sonntag, 13. Dezember 2009

#49 Neu auf den Ohren: Minor Majority - Either Way I Think You Know

Das neuste Album Either Way i Think You Know der norwegischen Herrenband Minor Majority erschien bereits im Oktober in den nordischen Ländern. Eine wirkliche Erklärung warum das Werk erst ab Ende Januar in Deutschland und anderen Länder zu haben sein wird gibt es wohl nicht. Die Freude das Album aber endlich hören zu können ist natürlich groß.

Ich nehme gleich vorweg: das Album ist zwar gut, kommt aber bei weitem nicht an Vorgänger wie Walking Home from Nicole S heran. Aber an was liegt das?

Zuersteinmal: Minor Majority sind bekannt für wunderbare Melodien, die sanfte Stimme des Sängers Pal Angelskar und vor allem sind ihrer Titel schlicht gehalten, so dass Text und Gesang immer im Mittelpunkt stehen. Doch gerade da hakt es bei Either Way I Think you Know. Alles ist irgendwie voller, produzierter. Die geniale Einfachheit der Vorgänger ging irgendwo im Studio verloren. Auch die Texte scheinen irgendwie stupider, wiederholender. Da vermisst man doch grandiose Zeilen wie: "the atlantic sea may be a killer of dreams if what you want is a swimming pool".

Trotzdem kann man das neuste Werk der Norweger nicht als schlecht bezeichnen. Es ist nach wie vor bodenständig, auch wenn die Prioritäten verlagert wurden. So hört man z.B. kaum noch auf den Text wegen der Instrumentenübermacht, die auch durch Streicher und mehr ergänzt wurde. Trotzdem finden sich Titel sie wunderbarer kaum sein könnten, so zum Beispiel "Dance".

Daher: Anhören lohnt sich trotz allem, auch wenn es nicht ebenbürtig zu seinen Vorgängern ist.

Es gibt sechs von zehn Sternen

#4 Verschiedenes: Musikalischer Rückblick 2009

Das Jahr 2009 geht in schnellen Schritten auf sein Ende zu, doch was brachte es musikalisch?

Hier sind meine Favoriten:

Beste CD's:
Grundsätzlich: In diesem Jahr kamen so unwahrschienlich viele gute CD's raus, dass die Entscheidung schwer fällt, schon allein die Reihung in die Top 10 ist fast unmöglich. Trotzdem hier mein Versuch!

1) Patrick Wolf - The Bachelor
2) Antony and the Johnsons - The Crying Light
3) Mumford & Sons - Sigh no More
4) Regina Spektor - Far
5) Scott Matthew - There is an ocean that divides
6) Bat for Lashes - Two Suns
7) Jordie Lane - Sleeping Patterns
8) Alela Diane - To Be Still 
9) Gossip - Music for Men
10) Noah and the Whale - The First Days of Spring

Natürlich gab es auch einzelne Titel die mich durch das Jahr begleitet haben...

1) Bill Callahan - Eid Ma Clack Shaw
2) Patrick Wolf - The Bachelor
3) Antony and the Johnsons - Aeon
4) Alela Dianefeaturing Alina Hardin - Matty Groves
4) Mumford and Sons - White Blank Page
5) Tori Amos - Curtain Call
6) Regina Spektor - Eet
7) Cara Dillon - P stands for Paddy
8) Alela Diane - The Ocean
9) Razorlight - Wire to Wire
10) Sting - Soul Cake

So, und zu guter letzte: Was kommt 2010?

Ich freue mich sehr aud Patrick Wolf's "The Conquerer", dann sollten Damien Rice und Joanna Newsom nächstes Jahr endlich erscheinen. Außerdem erscheinen im Januar: Laura Veirs, Minor Majority, First Aid Kit, Tegen & Sara, Tom McRae.
Gespannt bin ich außerdem auf das neue Woven Hand Album das ebenfalls 2010 erscheinen soll.

Donnerstag, 26. November 2009

#18 Konzert: Helgi Jonsson, München

"I'm god, i want to create..." 
So beginnt Helgi Hrafn Jónsson sein gestriges Konzert im Atomic Cafe. Wer nun meint, es handele sich bei ihm um ein selbstherrlichen, eingebildeten Kerl, der irrt. Ganz im Gegenteil, immer einen witzigen Spruch auf den Lippen...und das im besten deutsch österreichisch. Nicht gerade das was man von dem androgyenen Isländer im Vorfeld erwartet.

Doch bevor es um ihn geht gibt es wie gewohnt ein paar Worte zu seinem Support: Ragga Gröndal. Die Isländerin präsentierte gestern, auf ihrem ersten Konzert zusammen mit Helgi , selbstgeschriebenes in englisch und isländisch, sowie traditionelle isländische Folk Songs. Absolut bemerkenswert ist die Stimme der jungen Musikerin, die man vielleicht ganz gut im Blues unterbringen könnte. Kraftvoll, klar und intensiv, so lässt sich das gehörte wohl am ehsten beschreiben. Leider fehlte das abwechslungsreiche im Programm von Ragga Gröndal, die in Island laut Helgi Jonsson übrigens ein Star ist, und daher wurde es zum Ende hin doch etwas anstrengen ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Helgi Jonsson betritt dann gegen halb 11 die Bühne und spielt eine gute Stunde. Vorallem sein in diesem Jahr erschienenes Album For the Rest of My Childhood ist musikalisches Thema des Abends. Für den neu 30-jährigen scheint das Alter und Altern ein großes Thema zu sein, auch wenn er sich selbst zumindest teilweise immer noch als Kind bezeichnet.
Unfassbar scheint es welche Töne aus dem Mund des spindeldürre Isländers kommen, so spektakulär ist seine sensible Stimme. Weder Tiefen noch Höhen werden gescheut, genauso wenig die leisen oder lauten Töne. Helgi Jonsson experimentiert gerne mit Klängen, das hört man nicht nur auf seinen Alben, sondern auch live. Texte, so erzählt er im Vorfeld im Interview mit LAXMag (in den nächsten Tage online), wären notwendig, aber er schaffe zuerst die Musik. Darum ginge es ihm. Trotzdem scheinen seine Texte nicht Gezwungenes zu sein, sie sind (mindestens) so schön wie seine Musik.

Alle die sich davon noch überzeugen wollen: Helgi kann man die nächsten Tage noch in Köln, Hamburg und Berlin sehen. Es lohnt sich.

Danke Flo für das Foto :)

#3 Verschiedenes: Neues Bewertungssystem

Wir werden von nun an in einem Zehn-Sterne System und nicht mehr in einem Fünf-Sterne System bewerten. Uns fehlen einfach teilweise die noch genaueren Abstufungen. Daher gibt es ab jetzt zehn Sterne zu vergeben. Die bisherigen Bewertungen bleiben aber wie sie sind, werden also nicht in das neue Bewertungssystem umgemünzt.

Donnerstag, 12. November 2009

#17 Konzert: Die drei ??? und der seltsame Wecker - Live And Ticking

Mal ein Konzert der etwas anderen Art gab es gestern für uns beide zu erleben: die drei ??? live. Wir, die – wie viele andere - mit Justus, Bob und Peter praktisch aufgewachsen sind, waren über Wochen und Monate schon voller Vorfreude. Gestern Abend war es dann endlich soweit: in der voll besetzten Freiburger Rothausarena gaben sich die Originalsprecher Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck die Ehre und bescherten uns einen Abend, der nicht bunter hätte sein können.
 
Nachdem wir uns am Merchandisingstand mit gut der Hälfte des Katalogs eingedeckt hatten, ging es pünktlich um 20:00 Uhr los. Musiker, Geräuschemacher und Erzähler betraten die Bühne, gefolgt von einem turbulenten Erscheinen von den drei Detektiven im schicken Overall, den sie aber bald gegen noch schickere Anzüge tauschten. Die Episode, die wir zu erwarten hatten, kannte wahrscheinlich jeder der Anwesenden, und doch war die Handlung um den seltsamen Wecker um viele Szenen erweitert worden. Vor allem lustige Sequenzen und eine Gesangseinlage ließen mich Tränen lachen. Auch die Nebenrollen waren hervorragend besetzt, wodurch es problemlos ging, mehrere Rollen gleichzeitig von nur einem Sprecher darstellen zu lassen. Da gab es zum Beispiel eine durchgedrehte Tantralehrerin, eine wütende Hausfrau, eine Katzenlady, einen extrem schläfrigen Besitzer eines Uhrengeschäfts, einen zu allen Gewalttaten bereiten Spanier und viele mehr. Geräuschemacher und Musiker lieferten dazu eine Stimmungsvolle Kulisse, hinterleuchtet von einer großen LED-Leinwand, auf der abwechselnd das Bild des Weckers, die Fragezeichen oder auch Teile der Auflösung des obligatorischen Rätsels eingeblendet wurden. Besonders hervorzuheben sind natürlich auch die schauspielerischen Qualitäten der Sprecher, die – hervorragend aufeinander eingespielt- mit passender Mimik und absolut sympathisch der Geschichte eine Seele einzuhauchen vermochten. Ein komplett gelungener, gute zwei Stunden dauernder Abend, an dem Erwachsene wieder Kinder sein durften. Besonders gelungen (und natürlich einen einträglichen Marketingeinfall) fand ich im Übrigen die Idee, den Mitschnitt des Abends gleich danach auf USB-Sticks zu verkaufen. Sollte es öfter geben.


Samstag, 7. November 2009

#48 Neu auf den Ohren: Tori Amos - Midwinter Graces

Die Wintertrilogie findet ihr Ende und zwar mit Tori Amos' nächste Woche erscheinendem Album "Midwinter Graces".

Lesern dieses Blogs könnte schon aufgefallen sein, dass hier eine große Tori-philie herrscht, auch wenn das Verhältnis von uns zu Tori in den letzten Jahren oft ein von Krisen geprägtes war. Nach dem Bekanntwerden der Veröffentlichung eines Weihnachtsalbums herrschte große Skepsis und fragende Blicke. So kann das etwas zerrüttete Verhältnis wohl nicht gekittet werden, wurde da gedacht. Oder etwa doch?

Obwohl Tori Amos zur genüge betont (genauer gesagt in jedem Interview), dass sie die Tochter eines Pfarrer ist, schien eine Weihnachts CD so gut zu ihr zu passen wie Sahne mit Gurke. Klar, aus genanntem Anlass gab es schon immer eine starke Verbindung zwischen Tori und Religion, doch meist äußerte sie sich darüber eher negativ. Als dann noch das sehr pathetische Cover veröffentlicht wurde war für mich schon fast jede Hoffnung verloren.

Doch nun zu "Midwinter Graces". Zuerst fällt positiv auf, dass es sich um eine CD mit einer normalen Titelanzahl handelt. Aha, das ist also auch bei der in Cornwall lebenden Musikerin noch möglich. Bei den ersten zögerlichen Hörversuchen wurde schnell klar, dass es sich um ein sehr stimmungsvolles, wenn auch nicht unbedingt typisches Weihnachtsalbum handelt. Mit Tori-typischen Arrangements, stimmlichen Feinheiten und natürlich dem Piano besticht dieses Album und zwingt fast zu einem nochmaligen Abspielen. Absolut positiv muss gesagt werden, dass typische Weihnachtslieder (Jingle Bells und Konsorten) ausgespart wurden. Zusammen mit klassischen Weihnachtsliedern gesellen sich eigene Kompositionen.

Auch hier holt sie sich wie üblich Unterstützung von ihrem Ehemann Marc Hawley, Matt Chamberlain, Jon Evans und Mac Aladdin. Außerdem wird sie von einer Big Band (hier wohl der sehr jazzige Titel "Pink and Glitter" zu erwähnen) und einem Orchester. Besonders muss noch auf die stimmliche Unterstützung ihrer Tochter Tash ("Holly, Ivy and Rose") und ihrer Nichte ("Candle: Coventry Carol") hingewiesen werden. Trotz Primborium klingen die meisten der Lieder nicht überproduziert, wenn natürlich aber weihnachtlich.

Obwohl mir nicht klar ist, warum Tori Amos sich nun entschlossen hat ein Weihnachtsalbum aufzunehmen und zu veröffentlichen, so bin ich doch angetan. Besonders erwähnenswert ist einer der selbstgeschriebenen Titel: "Winter's Carol". Obwohl ein Weihnachtslied ist es einer der gelungensten Titel der letzten Jahre. Die Arrangements sind schlicht genial und stimmlich bleiben keine Wünsche offen. Zu erwähnen ist außerdem das Cembalo, dasss bei "What Child, Nowell" ein Comeback feiert (endlich). Fast wie zu "Boys for Pele" Zeiten...

So verbleibe ich nicht mit meinen eigenen Worten, sondern denen eines Kommentars bei last.fm der mich zum Schmunzeln brachte, dem ich aber weitestgehend zustimme: "erm...WTF !? this is so WRONG Tori, we wanted u to fuk it up so we could LAUGH at you...then you went ahead and totally delivered the best christmas album ever, WTF ? thank you babe...thank you."

So, es gibt überraschend gute Vier von Fünf (imaginären aber sehr weihnachtlichen) Sternen


Dienstag, 3. November 2009

#16 Konzert: Mumford & Sons, München

Das gestrige Konzert im Atomic zeichnete sich schon im Vorfeld durch eine Besonderheit aus: die Tickets konnten ausschließlich gewonnen werden. Hier gleich nochmals mein Dank an die holden Spender und die Vermittlerin. Dank euch durften ich und meine Begleiterin einen wunderschönen, lauten Abend erleben.

Bis um Viertel nach Neun wartet das gerammelt volle Atomic und das bunte Instrumentensammelsurium auf die vier Herren aus London. So finden sich diverse Akustikgitarren, Bässe, einen Kontrabass, ein Keyboard, eine Quetsche, ein Banjo, Mandoline, Schlagzeug sowie eine Pedal Steel Gitarre.

Als dann Mumford & Sons die Bühne betreten, das Publikum jubelnd, beginnen sie mit "Sigh No More". Die typische Bühnenhirarchie mit dem Sänger vorne wird aufgehoben, so stehen alle vier nebeneinander. Ein schönes Bild.

Während der guten Stunde die das Konzert dauert zeigt sich die Newcomer Band als tolle Musiker und sympatische Erzähler. So wird viel gelacht, auf und vor der Bühne. Professionell spielen sie ihr gesamtes Dabutalbum, außerdem zwei zusätzliche Titel, das neue "Whispers in the Night" und "Sister" unplugged, ein wunderschöner Moment übrigens.

Absolut überzeugend spielen die vier Londoner ihre Instrumente. Das Schlagzeug bleibt eher Deko, da 1) Marcus Mumford mit seinen Füßen die große Trommel und auch einen Schellenring bedient. So schaffte die Combo eine volle und laute Klangwelt. Doch auch leise Töne waren an der Tagesordnung, schöne Pianoklänge und natürlich immer wieder das Banjo.

Das Münchner Publikum war ganz wunderbar, so wurde getanzt, gelacht und auch mitgesungen. Und das, obwohl das Album erst seit kurzem in Deutschland veröffentlich ist. Selbst nach der regulären Zugabe verebbte der Jubel nicht, so dass die Band das erste Mal ihrer Karriere (nach eigener Aussage) eine zweite Zugabe spielte. Das erhöhte den Sympathiefaktor der Männer nochmals.

Für diese absolut überzeugende Darbietung verdient die relativ neue Band den allergrößten Respekt. Live lohnt es sich definitiv, die Mumford & Sons zu hören, ich verspreche einen schönen, lustigen Abend. 

Die akustische Zugabe "Sister" als Schmankerl obendrauf, gefilmt von Sara.

Sonntag, 1. November 2009

#47 Neu auf den Ohren: Sting - If on a Winter's Night

Wie versprochen geht es weiter mit den winterlichen Veröffentlichungen, auch wenn Stings "If on a Winter's Night" deutlich erfreulicher ausfällt als Bob Dylans musikalischer Erguss zur kalten Jahreszeit.

Sting scheint sich auch mit dem kürzlich erschienenen Album treu bleiben zu können. So zeigte er schon mit "Songs from the Labyrinth" das er sich für klassische englische Musik interessiert. Auch auf "If on a Winter's Night" zeigt er wieder seine Vorliebe für die Musik der Inseln, wenn auch mit winterlichem / weihnachtlichem Bezug und einer zeitlichen Verteilung der Titel über die verschiedenen Jahrhunderte. 

Zusammen mit  zwei eigenen Songs "Lullaby For An Anxious Child" und "Hounds Of Winter" finden sich zwei Titel des englischen Barock-Komponisten Henry Purcell, genauso wie eine eigene Übersetzung von Schuberts "Leierkastenmann" und natürlich vieles mehr. 

Um das winterliche Gefühl der britischen Inseln wirklich rüberbringen zu können, wird in manchen Titeln fröhlich gefidelt (sehr zu empfehlen: "Soul Cake") andere sind klassisch interpretiert usw. So zeigt uns der ehemalige Police Frontmann eine Bandbreite winterlicher Lieder, ohne sich jedoch zu den typischen Weihnachtsliedern hinreißen zu lassen.

Sting selbst beschreibt, dass sein Album das Doppelschneidige an Weihanchten zeigen soll: "I think the winter has this almost gravitational pull to someplace warm, cozy -- like home or the church, but for people who can't make it home or have no home to go to, it's "the worst time of year. I think the album wants to balance those two things." Umso verständlicher, dass sich fröhliches und traurig-schauriges abwechseln. 

Um es kurz zu machen: ein wirklich stimmungsvolles Winteralbum. Wem "Songs from the Labyrinth" gefallen hat und sich gern von Stings weicher und warmer Stimme einlullen lassen will, der wird, denke ich, an "If on a Winter's Night" auch seine Freude haben.

Daher:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen



Dienstag, 27. Oktober 2009

#46 Neu auf den Ohren: Bob Dylan - Christmas in the Heart

Ja, ich denke Bob Dylan ist eine Legende, ein grandioser Musiker und Texter und doch: "Christmas In The Heart" ist die reinste Katastrophe.

Wie schon angekündigt kommen nun einige von mir gehörte Weihnachtsalben. Als ich hörte, dass sich dieses Jahr Bob Dylan zur Riege der geltungsbedürftigen, aus Weihnachten profitschlagenden Künstlern gehört, musste ich mich schon sehr wundern. 

Da ich Bob Dylan eben für ein Genie halte, habe ich mir dann auch dessen Weihnachtsalbum angehört. Auch wenn schon im Vorfeld die Trackliste bei mir für Verwunderung sorgte, da es sich allesamt um sehr bekannte, typisch amerikanische Weihnachtslieder handelte, an die sich Herr Dylan da ranwagte. Und sowas geht ja meistens schief.

Doch zuerst zum positiven: Das Cover, sehr "vintage", ist wenigstens recht schön. Schon bei den ersten Klängen wird mir dann klar, dass Bob Dylan wirklich und ernsthaft versuchte, ein sehr klassische Weihnachtsalbum zu schaffen, so fühlte ich mich sofort, dank Backroundsängerinnen und Instrumentierung, an die 50er Jahre erinnert. Doch das Problem ist einfach: Bob Dylan hat für ein Weihnachtsalbum im Stil der 50er Jahre schlicht die falsche Stimme. So krächtst er auch hier in typischer Dylan Manier, doch in diesem Fall wirk dies einfach nur lächerlich. So verwundert es nicht, dass ich bei den ersten Liedern vor mich hinlachte, so sehr erinnerte mich das Gehörte an eine Persiflage eben dieser klassischen Weihnachtslieder, doch so soll es wohl nicht gemeint sein. So ist fraglich, was der Musiker mit diesem Album bezwecken wollte, denn Geld hat er wohl genug. Vielleicht kann man es der Einfachheit halber einfach auf sein Alter schieben um nicht den musikalischen Respekt vor ihm zu verlieren.

Für dieses wirklich miese Album:

Einen von Fünf (imaginären) Sternen (und den einen gibts auch nur weils zum Lachen verleitet und weil die Erlöse gespendet werden).

 

Samstag, 24. Oktober 2009

#45 Neu auf den Ohren: Mumford & Sons - Sigh No More

Bevor ich mich in den nächsten Wochen ausführlich über Winterliche- bzw. Weihnachtsveröffentlichungen auslassen werde, stelle ich euch nun aber noch einen heißen Anwärter aud die CD des Jahres vor: Mumford & Sons mit ihrer Debutplatte "Sigh No More".

Die EP liess schon im Vorfeld hoffen, doch diese Hoffnung haben die vier Herren aus London weit übertroffen. Okay, da sie aus dem musikalischen Umfeld von Laura Marling oder Noah and the Whale kommen, ist dies vielleicht für einige keine größere Überraschung, doch wer hätte gedacht, dass sie ihre musikalischen Kollegen sogar übertreffen?

Mit einer Mischung aus Bluegrass, Alternative und Folk zeigen sie nun was sie können. Das heißt im Klartext: viel Gitarre und Banjo, Kontrabass und Quetsche. Vereinzelt findet man dann auch noch weitere Streicher, Klavier, Trompeten u.ä. 

Althergebrachtes lassen Mumford & Sons mit ihrer Instrumentierung wiederaufleben, selten hört man heute so viel Banjo auf einer neuen CD. Trotzdem führen sie es in die heutige Zeit, drücken ihrer Musik einen ganz eigenen Stempel auf: Wiedererkennungwert = 100%

Die zwölf Titel des Albums glänzen durch eine Verschiedenheit, jedes steht für sich und ist gleich wichtig. Schnell merkt man aber doch, dass trotzdem alles zusammenhängt, dass es sich lohnt alles in einem Lauf zu hören, dass es bei jedem Hören wächst. Gemeinsam haben alle Titel eins: sie sind stark melodiös, und hier ist es egal ob es eine schnelles oder langsames Lied ist, ob es um Liebe oder Schmerz geht... Außerdem wird alles zusammengehalten durch die raue und doch eingängige Stimme von Marcus Mumford, zu der mir kein geeigneter Vergleich einfällt (Jan Wigger schreibt auf spiegelonline zwar, dass er sich nach Michael Stipe anhört, das finde ich aber in keinem Fall). 

"Sigh no More" hat etwas Erhabenes, etwas Perfektes da alles passt, da es rein gar nichts auszusetzen gibt. Ein Album zum mitreißen lassen.  Die erste Single "Little Lion Man" reißt mit und doch, müsste ich eine Favoriten wählen, dann wäre es das einfach perfekte "White Blank Page"

Für ein perfektes Album (ja, das gibt es) gibt es natürlich

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen



Samstag, 17. Oktober 2009

#44 Neu auf den Ohren: Rykarda Parasol - For Blood And Wine

Für alle, die keine Lust haben, sich in der kalten Jahreszeit gemütlich auf dem Sofa zu aalen: wie wäre es mit einer Dosis selbstauferlegter Gänsehaut? Da wüsste ich jemanden: Rykarda Parasol. Die Frau heißt wirklich so, und genau so exotisch wie ihr Name ist auch die Musik auf ihrem zweiten Vollwerk. Die Stimme - meist sehr tief, mal brüchig, meist aber selbstbewusst, geradezu breitbeinig daherstampfend, erinnert oft an Patti Smith oder PJ Harvey. Die Musik von einer Düsternis, die einen Nick Cave neidisch machen könnte, handelt hauptsächlich von Verlust und Tod. Nein, fröhlich oder leicht verdaulich ist die Musik von Rykarda Parasol, die sie selbst als „Rock Noir“ bezeichnet, gewiss nicht. Im Opener „The Road Is Long“ bereitet sie uns vor:

The road is long with treachery
It winds just like a drunken snake
I walk the rue without care of bother
Though behind every bend I know
Evil follows me down

Inmitten all der Hoffnungslosigkeit, Bitterkeit, Zerissenheit, kurz: dem Unheil, schafft es die zierliche Blondine aus San Francisco noch, ihre Gefühle in wundervolle, teilweise melancholisch schwermütige, teils rumpelnde Melodien einzubetten, denen man spätestens nach dem zweiten Hören völlig erliegt. 16 verstörend und gleichzeitig fesselnde Stücke sind auf „For Blood And Wine“ vereint, das am 20. Oktober erscheinen wird. Für alle Fans des Folk (oder Rock) Noir, die auch gerne Woven Hand, Marissa Nadler, Emily Jane White, PJ Harvey usw. hören, ist dieses Album auf jeden Fall einen Versuch wert. Von mir gibt’s dafür 4 Sterne.
Hier die Website (die sich auf jeden Fall allein der eingestellten Texte wegen lohnt) und natürlich Myspace.


Donnerstag, 15. Oktober 2009

#43 Neu auf den Ohren: Josephine Foster - Graphic as a Star

Vertonte Emily Dickinson Gedichte kennt man vielleicht schon von Natalie Merchant oder Carla Bruni oder, oder...doch Josephine Foster treibt dies mit ihrem neuen Album "Graphic As A Star" auf die Spitze. Ganze 27 Titel (gut, kurze Titel, aber immerhin) die allesamt von den Werken der Dichterin inspiriert sind.

Das Album entstand in einem abgelegenen Dorf irgendwo in Spanien. Eindrucksvoll hört man die Ruhe und Abgeschiedenheit in jedem der Titel des Albums. Man sieht die Sängerin aus Colorado schon fast vor sich, wie sie mit Gedichtbänden und ihrer Gitarre auf einer sonnenbeschienen Terrasse sitzt, so heimelig hört sich das alles an.

Trotzdem hat sich Josephine Foster hier natürlich eine schwere Aufgabe gestellt. Emily Dickinsons schwermütige, intensive Gedicht zu vertonen ist kaum möglich. Durch klare Reduktion auf das Wesentliche gelingt es ihr aber doch. So dominiert die Stimme, teilweise a capella, teilweise mit sanfter Gitarre untermalt, dann noch selten etwas Mundharmonika und fertig. So entstand ein extrem ruhiges, getragenes Album in dessen Mittelpunkt natürlich die Sprache Emily Dickinsons steht, aber auch Josephine Fosters schwingende Stimme, die sich wohl am ehesten in die Richtung der von Joni Mitchells einordnen ließe.

"Graphic As A Star" ist sicherlich kein Album für jedermann, zu speziell das Thema und die Stimme der Sängerin. Doch wenn es gelingt sich dafür zu begeistern, dann kann man schöne Stunden mit dem Hören des Werkes verbringen. Passend zur Jahreszeit ist es allemal.

Dreikommafünf von Fünf Sternen

Donnerstag, 8. Oktober 2009

#42 Neu auf den Ohren: David Gray - Draw The Line

Schwarztee mit Milch. Die Assoziation taucht plötzlich und unauslöschlich vor meinem inneren Auge auf, während ich mir das neue Album von David Gray anhöre. Liegt es womöglich daran, dass der Mensch nun, zu Beginn der kalten Jahreszeit, unweigerlich etwas mehr Wärme braucht? Ist es das Bittersüße, welches beide verbindet? Das Zeitlose? Auf jeden Fall durchströmt mich ein wohliges Gefühl, schon bei den ersten Schlucken – Pardon – Minuten, in denen ich mich dem bereits 8. Studioalbum von David Gray widme. Was ich erwartet hatte? Nach den meiner Ansicht nach etwas zu lasch geratenen beiden Vorgängern hoffte ich nicht unbedingt auf den großen Wurf. Zunehmender Bekanntheitsgrad (unter anderem) über diverse Beiträge auf Soundtracks brachten eine unweigerliche Kommerzialisierung mit sich und drohten, die Intimität, die David Gray zwischen sich und seinen Hörern aufgebaut hatte, zunichte zu machen. Doch da gibt es eine Konstante: diese Stimme, die aus Hunderten herausstechen würde, die gleichzeitig Verletzlichkeit und Stärke ausdrückt. Von dieser lebt nun auch Draw The Line, doch dieses Mal balanciert der Brite geübter zwischen den Welten aus Kunst und Konsum. Bestes Beispiel: für "Full Steam" holt er sich als Duettpartnerin das Pop-Urgestein Annie Lennox ins Boot, für "Kathleen" die eher unbekannte (aber wunderbare) Folksängerin Jolie Holland. So vereinen sich auf Draw The Line eingängige, aber nicht minder anspruchsvolle Titel, mit denen David Gray bestätigt, dass er einer der besten Singer/Songwriter der Gegenwart ist. Neugierigen, Suchenden, und auch Zweiflern möchte ich mit allem Nachdruck empfehlen, dem Werk einige Aufmerksamkeit zu schenken, die sich gewiss lohnen wird. Als Anspieltipps fällt meine Wahl auf das Titelstück "Draw The Line", "Kathleen" (zum Glück hatte die erste Wahl Dolly Parton keine Zeit!) und "Jackdaw".
Vielmehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – eine persönliche Sache vielleicht noch: als ich im zarten Alter von 14 Jahren zum Schüleraustausch in England weilte, hörte ich zum ersten die Musik von David Gray. Und ich trank zum ersten Mal richtigen Schwarztee mit Milch. So schließt sich dann doch noch der Kreis…
Es fehlt noch zu sagen: 5 Sterne, natürlich!

Hier noch, wie gewohnt Myspace.
Und ein hochoffizielles Video.


Montag, 5. Oktober 2009

#15 Konzert: Patrick Wolf, München

Der letzte deutsche Konzertabend des britischen Ausnahmekünstlers fand gestern Abend im Ampere statt und war, soviel vorweggenommen, ein voller Erfolg.

Doch alles der Reihe nach, denn bevor Patrick Wolf die Bühne eroberte, war die schwedische Band The Deer Track im Vorprogramm zu sehen und zu hören. Wirklichen Anklang beim Münchner Publikum fand die Dreierkombo nicht, zu eintönig war ihr Programm. Zwar versuchten die Musiker ihren elektronischen Sound mit Klarinette, singenden Sägen, Kinderpielzeug etc. aufzumöbeln, doch spätestens seit CocoRosie reißt das eben auch niemanden mehr wirklich vom Hocker. Nach einem halben Stunde ist dies aber dann auch vorüber und eine quälend lange Dreiviertelstunde wird dann auf Herrn Wolf gewartet.


Zusammen mit seiner vierköpfigen Band geht es dann 21:45 endlich los und zwar mit "Who Will", ein Titel des letzten Albums "The Bachelor". Nun, wer Patrick Wolf live erleben darf weiß, dass es zwar vorrangig um Musik geht, aber eben nicht nur. So zeigt sich der exzentrische Londoner am Abend in drei verschiedenen Outfits, ob in einem schwarzen Reiteroutfit inkl. stilisierter Ledertrense, einem hautengem goldenen Overall der seine goldglitzerne Brust freiließ, oder in weißer Hotopants (die er am Ende natürlich nicht mehr tug, stattdessen durfte das Publikum einen schicken schwarzen String bewundern), Patrick Wolf machte in allem eine gute Figur.

Musikalisch erlebte man einen grandiosen Sänger und Instrumentalisten zusammen mit einer eingespielten Band. Der Sound im Ampere war gut, keine Frage, auch wenn ich auch diesmal wieder fand, dass ein großes Drumset für diesen doch eher kleinen Raum einfach zuviel des Guten ist. Doch Patrick Wolf wollte die Lautstärke. Während zu Beginn noch leise und laute, schnelle und langsame Nummern sich abwechselten, wurde das Konzert schnell zu einem sehr tanzbaren, für Patrick Wolf und das Publikum. Neben vielen Songs des neuen Albums, waren natürlich auch solche der anderen zu hören, klares Highlight für die Besucherschar: "Tristan".

Ein toller, abwechslungsreicher Abend, gestaltet von einem sehr offensiven und lustigen jungen Künstler der es schaffte, das Publikum zu begeistern, und zwar nicht nur duch seine Musik, sondern auch durch diverse flotte Sprüche und dem Erzählen verschiedener Geschichten, so z.B. "I love Munich and it's traditions. Today i gave some radio interviews and there were so many men in leather trousers. Just awesome." Das Publikum freute es und damit ihn auch. Überhaupt war das Publikum bester Stimmung, so wurde fleißig gejubelt und getanzt. Leider gab es in diesem Fall auch ein paar Totalausfälle: Menschen die schlicht so betrunken waren, dass es 1) peinlich war und 2) die anderen Besucher störte. So etwa ein Mädl in der ersten Reihe, das es vor der Zugabe fertigbrachte, auf die Bühne zu klettern um sich eine Setlist zu holen um dann weil zu voll umzukippen und das Mikro auf das Schlagzeug zu werfen. Peinlich...Doch selbst dieser Zwischenfall schaffte es nicht, die wunderbare Stimmung zu zerstören. 


Daher: Patrick Wolf lohnt sich, musikalisch allemal und natürlich auch einfach zum gucken.

Ach so, Bilder folgen noch ein paar hübschere!


Sonntag, 4. Oktober 2009

#41 Neu auf den Ohren: Emily Jane White - Victorian America

Zugegeben, beim neuen Album von Emily Jane White bleibt das Meiste, wie wir es bereits vom Debut kennen - genauso gut eben.

"Victorian America" ist nun nach knapp zwei Jahren der Nachfolger ihres Debuts "Dark Undercoat". Dass genug Material für ein neues Album bereits bestehe, das dürften Konzertbesucher schon längst bemerkt haben, so spielte sie schon viele der Titel des neuen Albums während des letzten Jahrs live.

Emily Jane White bleibt sich treu auf dem neuen Werk. Nach wie vor zählt das Düstere, ihre spröde, ruhige Stimme etwas Akustikgitarre, Cello und Klavier. Das ist das Rezept der jungen Musikerin und es geht wieder auf. Neu dazugekommen ist lediglich die Pedal Steel Guitar, die einige der Lieder dezent untermalt.

Zwischen sehr ruhigen, sanften Titeln wie beispielsweise "Never Dead" oder "Ghost of a Horse" finden sich immer wieder melodiöse, abwechslungsreiche Stücke wie  das grandiose "Stairs" oder "Liza". Auch diese abwechslungsreiche Kombination kennen wir schon von ihrem Debut.

Obwohl vieles schon bekannt, vieles irgendwie ähnlich zu "Dark Undercoat", schafft Frau White mit "Victorian America" ein wunderbareres, stimmungsvolles und düsteres zweites Album, das bei der Fangemeinde wieder großen Anklang finden sollte. Die Musikerin wird mit dem neuen Album keinesfalls schlechter, das muss klar gesagt werden.

Ein Album zum Genießen und vielfachen Hören, daher

Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Gerade ist Emily Jane White übrigens auf Tour,  es gibt auch deutsche Daten. Es lohnt sich!


Sonntag, 27. September 2009

#40 Neu auf den Ohren: Noah and the Whale - The First Days of Spring

Ganz selten gelingt es einer Band, sich mit dem zweiten Album neu zu erfinden, eine neue Richtung einzuschlagen, ohne dabei grausam unterzugehen.

Der britischen Band Noah and the Whale ist aber genau dies gelungen. Während ihr Debutalbum "Peaceful the World lays me Down" richig schönen Indiefolk/-pop darbot, und vor allem auch durch "Gute-Laune-Songs" wie "2 Atoms in a Molecule" glänzte, ist "The First Days of Spring" ein ruhiges, melancholisches Album, bei dem es vor allem um gebrochene Herzen, um Leben die sich verändern, um Trauer geht. Liebeskummer vom feinsten also. Doch wer nun klischeemäßig an schnulzige, schleimige Balladen denkt, liegt falsch.

Denn neben der vielen Trauer einer gescheiterten Beziehung bietet das Album wesentlich mehr, nämlich die Botschaft, dass alles irgendwann wieder besser wird und zwar immer. So wird in vielen der Titeln der Abschied, das Ende einer Liebe beschrieben, mit Sätzen wie: "I'll be lonely, Oh i'll be lonely - again". Diese Art der Texte könnte man zur Genüge zitieren, hier wird Trauer richitggehend zelebriert. Aber zu Beachten ist, wie das Album endet, nämlich mit dem Titel "My door is always open", der, genau wie die erste Single "Blue Skies", an das Weitermachen appeliert.

Musikalisch ist das Album sehr zurückhaltend. So wird zur Akustikgitarre gesungen ohne viel tamtam. Auch das Klavier hat einen festen Platz auf dem neuen Werk, neben den typischen Instrumenten natürlich. So wird die durchgehend mlancholische Stimmung bestens untermalt. Doch wenn man glaubt das Album langsam zu durchschauen, dann taucht plötzlich feinste Klassik auf, so in "Instrumental I". Und weil das noch nicht genug ist wird auch noch ein Chor aufgefahren. Doch auch hier gelingt es der Band, nicht ins kitschig-klischeehafte abzurutschen und das ist nun wirklich eine Leistung. Und wer jetzt denkt, auf dem Album wären ausschließlich ruhige, traurige Nummern, der wird mit "Love of an Orchestra" vom Gegenteil überzeugt.

Getragen wird "The First Days of Spring" aber von einer ganz bestimmten Stimme und zwar der von Charlie Fink. Endlich mal wieder eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Und dann noch dieser Akzent...da muss man nicht mehr viel sagen außer:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Freitag, 25. September 2009

#39 Neu auf den Ohren: Dawn Landes - Sweet Heart Rodeo

Obwohl bisher meist wirklich viel versprechende Musik von Dawn Landes veröffentlicht wurde, ist dies bei ihrem neuen Album Sweet Heart Rodeo nicht der Fall. Mit "Young Girl" beginnt es eigentlich noch recht flott. Dann wird es bei "Romeo" schon etwas lahm. "Money In The Bank" ist ein richtiger Lichtblick und ließ mich doch noch auf Gutes hoffen. Doch mit Fortschreiten des Albums wird jegliche Hoffnung zerstört. Die folgenden Titel könnten nicht beiläufiger und langweiliger klingen. "Clown" zum Beispiel ist ein absoluter Tiefpunkt. Gerade zu Zeiten, in denen es relativ einfach ist, viele gute Singer/Songwriter im Internet zu entdecken, sehe ich keinen Grund, sich noch länger mit diesem öden und uninspirierten Album näher zu beschäftigen. Deshalb eineinhalb Sterne und vielleicht lieber das 2006er Werk Fireproof auflegen, das hatte noch Biss. Sweet Heart Rodeo dagegen leider nicht.
Ach ja, hier noch Myspace

Mittwoch, 23. September 2009

#38 Neu auf den Ohren: Alela Diane feat. Alina Hardin - Alela & Alina

Nach dem in diesem Jahr erschienenen Album "To Be Still" überrascht uns Alela Diane nun mit einer EP, die sie zusammen mit ihrer Musikerfreundin Alina Hardin aufgenommen hat.

Wer die beiden live erleben durfte, weiß, wie harmonisch die Stimmen der beiden Frauen aus Nevada passen, wie schön sie zusammen klingen. Auf der EP, die einfach "Alela & Alina" heißt, zeigen die Beiden ebendies.

Die beiden traditionellen Lieder "Matty Groves" (könnte man schon von Fairport Convention oder Joan Baez kennen) und "Bowling Green" (ursprünglich von den Everly Brothers, aber wohl bekannter von Neko Case oder Devon Sproule), teilen sich den Platz nicht nur mit dem Townes van Zandt Cover "Rake", sondern auch mit drei niegelnagelneuen Titeln "Amidst The Movement", "Crying Wolf" und "I Have Returned".

Was soll man sagen, Alela bleibt sich auf dieser EP treu. Die Klänge und Texte sind schön wie eh und je. Ms Diane und auch Ms Hardin (die soweit ich das überblicken kann "Crying Wolf" geschrieben hat)  enttäuschen auch diesmal nicht. Eine wunderbare, wenn auch eher stille, EP die einen da erwartet. 

Zu erwerben gibts das unbedingt empfehlenswerte Stück ab dem 06.10. aber "nur" als Vinyl oder Download. Also bitte: Plattenspieler raus und auflegen.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Matty Groves!

Mittwoch, 16. September 2009

#14 Konzert: Tori Amos, Zürich (CH)

Es war wieder einmal so weit,  zur vierten Tori Amos Tour die wir nun miterleben, machten wir uns nach Zürich auf.

Beim Eintreffen am Kongresshaus hörten wir schon die ersten Toriklänge in Form von "Caught a lite sneeze", das sie in diesem Moment soundcheckte (Den Rest des Soundchecks konnten wir leider nicht mehr hören, da wir von einem sehr eifrigen Security-Menschen vertrieben wurden *hüstel*).

Das Kongresshaus verfügt über eine recht schöne Halle mit Empore, die, wie sich herausstellte, über eine tolle Akustik verfügt. Gegen 20 Uhr eröffnete Foy Vance, ein Musiker aus Belfast mit Gitarre, Laptop und Looppedals als Support Act. Das Publikum war schnell von seiner tollen Stimme überzeugt, ebenso von den Liedern, die von leisen Balladen bis hin zu kräftigeren, rockigeren Nummern reichten. Da wurde dann auch mal unorthodox die Gitarre mit dem Geigenbogen gestrichen oder in das Klangloch ebendieser gesungen.

Eine Stunde nach dieser gelungenen Eröffnung betraten zuerst Matt Chamberlain und Jon Evans die Bühne, kurz darauf dann endlich Tori. Das Publikum was schon zu Beginn bester Laune, und bis auf wenige Ausnahmen (z.B. bei "Your Cloud" das so lahm war, dass eben auch das Publikum in diese Laune verfiel) blieb das auch die ganzen zwei Stunden des Konzertes so. 

Auffallend war Toris wunderbar kräftige und klare Stimme, kein Vergleich z.B. zur Scarlet's Walk Tour. Die Tiefen und vor allem die Höhen saßen wieder wie zu Anfangszeiten ihrer Karriere. Die Musikerin aus South Carolina begann sehr routiniert, fast schon etwas lieblos die ersten Songs zu spielen ("Give" und "Hotel") um dann ebenso routiniert die Band vorzustellen. Leider waren dies die einzigen Worte ans Publikum während der ganzen Show. Bei "Cornflake Girl" schien Tori etwas aufzutauen und man merkte ihr die Freude am spielen und singen an. Auch das Publikum war sehr angetan. Es folgten "Flavor", "Space Dog", "Concertina", "Jamaica Inn" und "Carbon". Darauf folgte ein klares Highlight: "Bells for Her", das vor allem durch die wunderschöne Pianoeinleitung überzeugte. Auch der Sound wurde zu diesem Zeitpunkt besser, denn zu Beginn war das Schlagzeug etwas zu laut, so dass Toris Pianospiel teilweise zu stark übertönt wurde. Nach einem starken "Mary of the Seas" folgte dann die Lizzard Lounge, sprich: Tori solo. Wie zu erwarten wurde dies dann auch das Highlight des Abends. Sie entschied sich für einen Titel ihres Debutalbums "Mother" und für "Maybe California", beides sehr emotionale Lieder über die Mutterrolle bzw. -schaft. So emotional und rührend wie Tori die beiden Titel wiedergab war ich sicherlich nicht die einzige mit Gänsehaut und feuchten Augen.

Die Band kam zurück auf die Bühne und weiter gings mit eben dem Tiefpunkt des Abends: "Your Cloud". Natürlich ist dies sehr subjektiv, aber wir beide fanden überhaupt keinen Gefallen an dem langweiligen und trägen Scarlet's Walk Titel.  Doch mit dem darauf folgenden "Sweet Dreams" erwachte das Publikum, mitsamt guter Stimmung, wieder. Nach "Police Me" ging es nach vorne an die Bühne um das Konzert im Stehen und aus nächster Nähre mitzuerleben. Fast schon rockig folgten dann "Precious Things" und die Zugaben "Strong Black Vine", "Caught a Lite Sneeze", Big Wheel" und zuletzt "Tear in your Hand". Die Zuhörerschaft war nicht mehr zu bremsen, so wurde vorne getanzt, geschrien und mitgesungen und dies freute auch Mrs. Amos sichtlich.

So fand das Konzert nach 20 Liedern ein verschwitztes, fröhliches und kraftvolles Ende. Da kann man nur sagen: Das nächste Mal gerne wieder, liebe Frau Amos (nur bitte ohne "Your Cloud"...).

Und noch zum Schluss: das schreckliche Outfit wird auf Grund der Funktion dieses Blogs als Musikblog geflissentilich ignoriert.

Mehr Bilder gibts übrigens hier: Tori in Zürich                                                                                                     

Montag, 14. September 2009

#13 Konzert: Cecile Corbel - Schaffhausen (CH)

Obwohl wir beide bisher wenig von Cecile Corbel kannten, liessen wir uns gerne überreden, zum Konzert im Kammgarn in Schaffhausen zu gehen. Nur so viel wussten wir: Cecile Corbel spielt - ähnlich wie Alan Stivell - auf der keltischen Harfe und stammt aus der Bretagne. In gemütlicher Café/Bar Atmosphäre ging es pünktlich um 21 Uhr los. In Begleitung von zwei Herren kam Cecile Corbel, ganz in Schwarz, jedoch mit langen, feuerroten Haaren auf die Bühne. Es sollte ein multikultureller Abend werden: der Vortrag in verschiedenen Sprachen - französisch, englisch, spanisch und natürlich bretonisch, die Musik aus den verschiedensten Ländern - Irland, England, Israel, Spanien und vielen mehr.  Begleitet wurde die 29-jährige von Gitarre und E-Bass.

Gleich zu Beginn sind wir überrascht von Corbels Virtuosität beim Harfenspiel, die sie übrigens erst in ihrer Jugend zu spielen begann. Da fliegen die Finger über die 34 Saiten, während ihr nackter Fuß den Takt mitwippt. Ihre weiche und kraftvolle Stimme, irgendwo zwischen Kate Bush, aber nicht ganz so schrill und Loreena McKennitt erfreut das Publikum, vor allem dass sie besser klingt als Hörproben erahnen lassen.

Alles in allem ist der Abend in Schaffhausen ein ruhiger Abend, so sind vor allem Balladen auf dem Programm der Musikerin, doch für keltische Musik ist das ja nicht ungewöhnlich.  Traditionelle Lieder der Bretagne und aus Irland (so u.a. auch eine aufgepeppte Version von "She moved through the Fair") wechseln sich mit selbsgeschriebenen ab, so etwa "Mary", ein Lied über die einzige weibliche Piratin des 18. Jahrhunderts. Überhaupt fällt auf das sich Cecile Corbel gerne mit den verschiedensten Frauen auseinandersetzt. So hört man von Hexen, oder von "Sally free and Easy", einer Frau mit einem Faible für Seemänner.

Wer einen stimmungsvollen Abend erleben möchte und der keltischen Musik nicht abgeneigt ist, dem empfehlen wir wärmstens Cecile Corbel live zu erleben, momentan ist sie auf Deutschlandtour. Auch wärmstens zu empfehlen sind ihre CD's "Songbook Vol. 1 + 2" und “Harpe Celtique et Chants du Monde".

 

Mittwoch, 9. September 2009

#2 Verschiedenes: Matt Bauer

Matt Bauer

Kentucky: bekannt für heiße Sommer, blühende Grasweiden und Vollblutpferde. Eben diese Pferde benennt der dort geborene Matt Bauer als wichtige Einflüsse für seine Musik und sein Leben. Neben den Pferden finden auch musikalische Größen wie etwa der frühe David Bowie oder Nina Nastasia auf dieser Liste platzt. Doch wie gehen Pferde und David Bowie zusammen? Und wie hört sich ein Musiker an, der von Pferden beeinflusst wird?

Doch schon beim Hören der ersten Klänge wird vieles klar. Ein Banjo, so schön und düster. Dann eine Stimme, so warm und angenehm, dass der Hörer unwillkürlich aufhorcht. In der eigenen Vorstellung befindet man sich schnell in Kentucky, auf einer Weide, an einem Strohhalm kauend und von Pferden umgeben. Über den Musiker mit dem ausladenden Bart á la Iron & Wine oder Bonnie `Prince` Billy, zu denen es im Übrigen auch starke musikalische Parallelen gibt, ist wenig bekannt. Was man kennt ist seine Musik, zu hören auf den beiden Alben „Nandina“ (2004) und „The Island Moved In The Storm“ (2008), sowie auf der EP „Wasps And White Roses“ (2006).

Musik machte Matt Bauer schon sein ganzes Leben lang. Aufgeben wollte er sie schon in einer unglücklichen, einsamen Phase seines Lebens, doch dann brachte er sich selbst das Banjo spielen bei und alles änderte sich. „It was something I could do everyday that made me feel alive.” Daher ist es nur logisch, dass das Banjo von da an Matt Bauers Haupt- und Lieblingsinstrument wurde.

Musikalisch wäre Matt Bauer am Besten in der Kategorie Folk, oder vielleicht präziser „Dark Folk“ (ein Begriff der spätestens seit 16 Horsepower kursiert), aufgehoben. Zwar mag der ein oder andere bei dem Begriff Banjo sofort an Country oder Western denken lassen, doch Matt Bauer könnte nicht weiter davon entfernt sein mit seinen fragilen Banjoklängen und der leisen, fast schon isoliert wirkenden Stimme. Durchbrochen wird dieses Schema von einigen Songs die melodiös und fröhlich daherkommen, so etwa seine Version des Amerikanischen Folksongs „Sea Lion Woman“ (das seit Feist wohl allgemein bekannt ist).

Nachdem er zu Beginn des Jahres mit Alela Diane in Frankreich und den Niederlanden tourte, dürfte sein Bekanntheitsgrad gewachsen und seine Fangemeinde sich erweitert haben. Matt Bauers Siegeszug hat gerade erst begonnen ist aber sicherlich noch nicht zu Ende. Wie sollte er auch, bei diesen wunderbaren Banjoklängen?

Dienstag, 25. August 2009

#37 Neu auf den Ohren: Dolores O'Riordan - No Baggage

Wer erinnert sich nicht an die gloriosen Zeiten der Cranberries. Natürlich an "Zombie" aber auch an starke, wunderschöne Titel wie etwa "Empty"

Neu auf den Ohren gibt es jetzt das zweite Studioalbum der ehemaligen Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan "No Baggage".

Wie gerne würde ich nun schreiben, das O'Riordans stimmliche Stärke und Besonderheiten dieses Album zu etwas wunderbarem machen, dass sie solo an die Cranberries Zeiten anknüpfen kann, oder zumindest an ihr erstes Soloalbum. Doch leider ist das genaue Gegenteil der Fall. 

"No Baggage" ist ein überproduziertes, schludriges Popalbum geworden. O'Riordans Stimme, das Erkennungsmerkmal schlechthin, ist absolut in den Hintergrund gerückt und wirkt so unscheinbar wie sie nur wirken kann. Auch Instrumental ist das Album überladen, so wird alles in Grund und Boden gespielt. Eine feine Instrumentenauswahl scheint nicht stattgefunden zu haben, daher wirkt alles gleichförmig und langweilig. Der reinste Einheitsbrei. Ums deutlich zu sagen: Viel zu viel "Baggage" hat sich Frau O'Riordan da aufgeladen. 

Kurz gesagt: dieses Album fügt sich wunderbar in die unscheinbare Musik schlechter Radiosender ein, taugt auch sicher als Hintergrundmusik in Cafés oder zum Bügeln, ernsthaft als gut kann man es aber nicht bezeichnen. Genauer gesagt findet sich nicht ein einziger Lichtblick, kein einziger Titel lässt aufhorchen.

Daher:

Nullkommafünf von Fünf (imaginären) Sternen

Freitag, 21. August 2009

#36 Neu auf den Ohren: Jordie Lane - Sleeping Patterns

Irgendwie muss es am Bart liegen. Musikalität meine ich. So wundert es nicht, dass nach großartigen bärtigen Künstlern wie Bonnie `Prince` Billy, Iron and Wine, City and Colour etc etc auch dieser junge Herr zu den begnadeten Singer- und Songwritern gehört. "Sleeping Patterns" ist Jordie Lanes Erstlingswerk (abgesehen von zwei EPs), aber was für eins. Selten findet man eine solche musikalische Perle.

Der junge Melbourner überzeugt von der ersten Minute an. Okay, zugegeben, da im Eröffnungstrack "The publican's Daughter" gleich ein Banjo vorkommt, fällt es mir, als großer Banjofan gleich leichter, bei der Stange zu bleiben. Doch ja, auch ohne Banjo würde dieses Album funktionieren. Denn dominierend ist wie so oft die Gitarre, natürlich zusammen mit diversem anderen Instrumentarium wie dem obligatorischen Schalgzeug, einer Orgel, Mundharmonika, Bass...

Doch wie soll diese CD musikalisch eingeordnet werden? Jordie Lane bietet vielseitig an, so findet man klassische Gitarrenballaden neben rockigeren Stückchen, etwas Dark Country usw. Doch vielleicht ist die Einordnung in Schubladen nebensächlich, denn wirklich wichtig ist die Stimme der Musikers. Selten hört man so ein schönes Organ, so ein weiches, schwingendes Timbre. Und weil eben gerne Vergleiche herangezogen werden um möglichst vielen Menschen die Platte schmackhaft zu machen hier ein Name: Teddy Thompson. Während Teddy Thompson aber mit seinen letzten CD's in die Tiefen des Mainstream Pop bzw. Coutry abdriftete, macht Jordie Lane genau das, was wir wollen: eine wunderbare, abwechslungsreiche, innovative CD, da wundert es nicht, dass in diversen Reviews "Sleeping Patterns" bereits als Album des Jahres bezeichnet wird. Recht so.

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen

Hier eine Liveaufnahme des wunderbaren Eröffnungstitels "The Publican's Daughter" (das auf dem Album aber nochmal mehr kracht!)

Dienstag, 18. August 2009

#35 Neu auf den Ohren: Lisa O Piu - When This Was The Future

So, nach einiger Zeit der Dürre habe ich hier nun mal wieder eine meiner Meinung nach sagenhafte Neuentdeckung gemacht. Die Dame nennt sich Lisa O Piu und stammt nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, aus Italien, sondern mal wieder aus dem Top-Musikland Schweden. Doch skandinavisch klingt die Musik von Lisa Isaksson eigentlich nicht. Vielmehr handelt es sich hier um teilweise richtig geniale Songs in allerbester psychedelic folk Manier, die ich ohne besseres Wissen kurzerhand in die frühen 70er eingeordnet hätte. Lisa spielt demenstprechend häufig Querflöte, Gitarre, Schlagzeug und vieles mehr. Ihre Stimme ganz klar bezaubernd, etwa eine Mischung aus Martha Wainwright und Mariee Sioux, zart und doch souverän, beschert uns gespenstische Stimmungen, nimmt uns aber auch bei der Hand und führt uns wieder heraus ans Licht. When This Was The Future ist ein Album, das es in all seinen Details und Wendungen zu entdecken und bestaunen gilt. Ein unglaubliches Debut, dem hoffentlich genug verdiente Aufmerksamkeit zukommen wird. Für mich Definitiv die Perle des Jahres. KAUFEN!!!!!

Puh. Natürlich ist dann auch meine Wertung 5 von 5 Sternen.

Hier mal wieder auf (dem leider sehr langsamen) Myspace: http://www.myspace.com/lisaolillportan
Hört euch vor allem Cinnamon Sea an, es ist so ziemlich das genialste Lied, das ich seit Langem gehört habe.

Und ein hübsches Filmchen obendrein!

Sonntag, 16. August 2009

#1 Verschiedenes: Die französischen Damen

Der Sommer scheint sie mitzubringen, die Lust, verstärkt französische Sängerinnen zu hören, zu schön die Spache, das zarte. Das erwärmt das Herz, egal bei welchen Temperaturen. Hier nutze ich jetzt die Chance meine momentanen Favoritinnen vorzustellen.

Bei einer solchen Fülle qualitativ hochwertiger Damen, beschränke ich mich auf diejenigen, die wunderschönen, leichten französischen Folk produzieren.

Loane, eine Pianospielerin und Vertreterin des süßlichen Chansons macht den Beginn. Das im Vorjahr erschienene erste Album "Jamais Seule" der Französin glänzt durch ein warme Stimme, die zeitweise an die Carla Brunis erinnert, und durch ja, ein Banjo. Leser dieses Blogs könnten schon festgstellt haben, dass dieses Instrument hier sehr hoch im Kurs steht. Aber natürlich kommt man auch in den Genuss des Akkordeons, eben dem Instrument, das am intensivsten das französische Gefühl erschafft. Luftig leichte Melodien zaubern gute Laune und lassen den Hörer vergnügt durch die Wohnung tanzen.

Weiter gehts mit einer ebenfalls jungen und aufstrebenden Musikerin: Marie Cherrier. Das Debutalbum der 25-jährigen "Ni Vue ni Connue" von 2005 sprüht nur so von französischem Charme. Stimmlich noch süßer als Loane (man fühlt sich unwillkürlich an Vanessa Paradis erinnert) fühlt man schon beim ersten Titel "Manouche", dass diese Musik perfekt zur "Fabelhaften Welt der Amélie" passen würde. Auch hier wieder: Akkordeon, Klavier und viel Gitarre. Wer fröhliche und "niedliche" Musik mag, der ist mit bei Marie Cherrier an der richtigen Adresse um sich den Sommer (und Winter und überhaupt) zu versüßen, da braucht man kein Eis mehr.

Abschließen möchte ich mit Jeanne Cherhals "L'eau". "L'eau" (2006) ist bereits das fünfte Studioalbum der Musikerin aus Nantes. Vielleicht könnte man es als reifer beschreiben im Vergleich zu den beiden vorher vorgestellten Alben. Jeanne Cherhals Stimme ist tiefer, nicht süßlich schmachtend. Auch ihre Instrumentierung ist voller. Da hört man doch gerne ein Schlagzeug oder einen Bass oder auch mal elektronische Klängchen, überladen wirkt es aber in keinem Fall. Mit eindrucksvollen stimmlichen Arragements wie bei "Je suis liquide" oder "Rondes larmes" kann sie überzeugen und so jeden Schwimmbadtag verschönern.

In Kürze: mehr von der fanzösischen Musik Front.

Sonntag, 2. August 2009

#34 Neu auf den Ohren: The Battle of Land and Sea - The Battle of Land and Sea

Poetische Namen wie etwa The Battle of Land and Sea erregen Aufmerksamkeit. Schnell projeziert man seine Ideen wie die Musik wohl klingen mag in solche Namen. Noch vor dem Hören entsteht so ein Bild von dem was kommen soll. Oft folgt dann die Enttäuschung: wie kann sich etwas mit so schönem Namen nur so falsch anhören? Doch glücklicherweise nicht so bei The Battle of Land and Sea. Das gleichnamige Album kam zwar schon 2007 auf den Markt, hat es aber verdient hier nochmal Beachtung zu finden.

The Battle of Land and Sea sind Sarah O’Shura und Joshua Canny aus Oregon. So finden sich passend zum Heimatort nicht nur Gitarren, sondern auch Banjos auf der Cd wieder. Überhaupt ist alles sehr reduziert. Es geht um die Stimme von Sarah O'Shura, untermalt von sanften Gitarrentönen. Hier und da findet man noch etwas Schlagzeug, aber das war es im Großen und Ganzen dann auch. Und glücklicherweise reicht das schon für eine wunderbar atmosphärische Platte aus.

Die spröde Stimme der Amerikanerin erinnert unwillkürlich an Cat Power. Überhaupt fühlt man sich musikalisch an Moon Pix erinnert. So wir mit einer düsteren, isolierten Stimmung gearbeitet. Dieses düster-reduzierte verleitet dann auch sofort dazu aufzuhorchen und sich der Schönheit der sphärischen Klänge hinzugeben.  Ein weiterer Name neben Cat Power wird bei mehrmaligem Hören präsent: Emily Jane White. Denn The Battle of Land and Sea verfolgen ein ähnliches Konzept: nicht zuviel, nicht übertreiben, schlicht und düster. Atmosphärisch und gänsehauterzeugend. 

Für dieses gelungene Debut gibt es Vier von Fünf (imaginären) Sternen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

#1 Für faule Augen: Daniel Kehlmann - Ruhm

Gelesen von Nina Hoss & Ulrich Matthes.

Hier der erste Teil des Ausflugs in die wunderbare Welt der Bücher. Hörbücher, man liebt oder hasst sie. Ich schwanke. Von Hörbuch zu Hörbuch entscheide ich mich neu, greife dann aber doch oft wieder zum Buch. Im Fall von Daniel Kehlmanns Ruhm las ich das Buch vor einigen Wochen und war begeistert. Durch Zufall stolperte ich dann über das Hörbuch und liess mich fesseln. 

Die neun ineinander verwobenen und trotzdem individuellen Geschichten des Romans werden von zwei Schauspielern gelesen, Ulrich Matthes und Nina Hoss. Viele Hörer ertragen weibliche Stimmen nicht, hören nur Hörbücher von Männern gelesen. Doch diese Fraktion kann ich beruhigen, denn Nina Hoss hat eine wunderbar ruhige, angenehme und tiefe Stimme. Dagegen steht Ulrich Matthes, der, wie ich finde, eine klassische Hörbuchstimme hat, gegen die wohl niemand etwas einzuwenden hat. Beide Sprecher lesen angagiert, schlüpfen in die jeweiligen Rollen und machen Ruhm zum Hörvergnügen.

Ruhm ist kurzweilig und fesselnd. Man  freut sich an den voneinander getrennten und doch immer wieder aufeinandertreffenden Geschichten, so dass man Ende das "große Ganze" erkennt.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Donnerstag, 23. Juli 2009

#33 Neu auf den Ohren: The Leisure Society - The Sleeper

Wieder mal ein wundervolles Album, das ich niemandem vorenthalten möchte. The Sleeper gibt es bereits seit März, doch hierzulande scheinen noch nicht gerade viele davon gehört zu haben. Dabei ist dieses Album – so abgedroschen wie es klingen mag - der perfekte Soundtrack für den Sommer. Luftige Melodien schwirren hier mit Leichtigkeit durch den Himmel, schweben höher und höher und nehmen der Hörer mit auf die Reise. Perfekt eingesetzte Steicher, Bläser, Banjos, eine Ukulele (und vieles mehr) sind eine schöne Bereicherung für tolle Melodien (ja, Ohrwürmer!) gepaart mit der überaus angenehmen Stimme von Nick Hemming. Es handelt sich hierbei nun aber nicht um schnöden Tralalapop, es gibt durchaus ruhigere Momente und für genug Anspruch ist auch gesorgt. Dennoch macht es riensigen Spass, das traumhafte Album zu entdecken und immer wieder zu hören. Ich selbst lasse mich im Moment sogar davon aufwecken und bin danach auch noch gut gelaunt. Es ist beinahe wie eine Droge: alles geht damit irgendwie einfach besser und man möchte nicht mehr ohne sein.
Mein Anspieltipp sind The Last Of The Melting Snow und A Matter Of Time.
4 von 5 Sternen, vertraut mir :o)
Hier natürlich noch der obligatorische Link zu Myspace und ein (zum hören) hübsches Video obendrauf!


Dienstag, 21. Juli 2009

#32 Neu auf den Ohren: Sarah Blasko - As Day Follows Night

Da haben wirs mal wieder: so ein Cover kann aber wirklich alles über ein Album sagen. Sarah Blaskos neues Album "As Day Follows Night" ist eben wie dieses: schlicht, aber doch bunt, nachdenklich und trotzdem süßlich, künstlerisch und vorallem weiblich.

Während die beiden Vorgängeralben "The Overture and the Underscore" und "What The Sea Wants, The Sea Will Have" eher düster bis traurig waren (inklusive Ausnahmen natürlich) wirkt das neue Werk sehr frisch und leicht. Und das trotz trauriger Themen, so vor allem das immer und immer wieder aufgegriffene Thema des Liebeskummers. Während die Texte diese Trauer ausdrücken, ist die Musik doch im allgemeinen auf- und erbauend. Das mag daran liegen, dass man der Australierin anmerkt, dass sie ihren Liebeskummer überwunden hat. So hat auch der Titel "As Day Follows Night" etwas ungemein tröstliches. Denn ja, am Ende eines jeden Tunnels kommt eben doch immer wieder das Licht. 

Für das neue Album sind zwölf abwechslungsreiche Titel entstanden. Alle sind außergewöhnlich melodiös und harmonisch, doch eintönig wird es keine Sekunde. Die Titel unterscheiden sich durch vorallem durch eine ausgeklügelte und verschiedenartige Instrumentierung. Klar, die Gitarre steht im Vorergrund, doch wird sie nicht nur verschieden eingesetzt, sondern auch durch diverse andere Instrumente ergänzt, so durch Piano, Streicher, Trompeten, Schlagzeuge und Trommeln uvm.

Gleich belubt einzig Sarah Blaskos Stimme die einen durch das Album trägt. Kaum wiederzuerkennen ist der sehr süßliche, mädchenhafte Klang, verglichen mit den Vorgängeralben. Dabei sollte man meinen, dass die Stimme mit dem Älterwerden nicht jünger wird. Doch zu beklagen ist dies nicht. Im Gegenteil, dieser Anna Ternheim'sche mädchenhafte Klang ist sehr schmeichelnd und angenehm. Manchem mag bei diesem Album der Tiefgang fehlen, doch bei genauem hinhören findet man sie schon, die Tiefen.

Für "As DAy Follows Night" gibt es verdiente Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Dank der wirklich durchgehend gelungenen Titelauswahl fällt es schwer ein Anspielbeispiel auszuwählen. Doch da ich ein extrem reizendes Video zu "No Turning Back" entdeckt habe, gibt es eben dieses.


Freitag, 17. Juli 2009

#31 Neu auf den Ohren: Devon Sproule - ¡Don't Hurry for Heaven!

Devon Sproule, ihres Zeichens begnadete Singer- und Songwriterin (und Ehefrau von Paul Curreri), wartet mir ihrem neuen Album "¡Don't Hurry for Heaven!" auf. 

Ihre Qualitäten zeigte sie bereits auf den drei Vorgängeralben "Long Sleeve Story", "Upstate Songs" und "Keep your Silver Shined". Während das Debutalbum noch fast rockig anmutet, folgt mit "Keep your Silver Shined" ein wunderschönes folkiges Album, übervoll mit perfekten Titeln. Das Vorgängerwerk schloss sich daran zwar an, driftete aber schon etwas Richtung Country. Nicht weiter schlimm, da auch auf "Keep your silver shined" die Songschreiber- und Performer Qualitäten der Musikerin aus Virgina nur allzu deutlich waren. 

Nun, "¡Don't Hurry for Heaven!" könnte man letztendlich als stark countrylastiges Album bezeichnen, besonders wenn man bedenkt, was Devon Sproule davor bereits geschaffen hat. Das mag nicht unbedingt schlecht sein, aber leider ist von den songtechnischen Highlights, den atemberaubenden Texte und der schönen Umsetzung nichts mehr zu spüren. So handelt "A Picture of us in the Garden" z.B. hauptsächlich von ihren Wohnort in Virginia. Wenigstens bleibt ihre Stimme was sie schon immer war: einnehmend und bemerkenswert.

Trotzdem, wer seine Erwartungen an die Vorgängeralben knüpft, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht werden (außer es handelt sich um einen ausgemachten Country-Fan, der beim Klang einer Pedal Steel Gitarre nicht aus Schmerz zusammenzuckt). Daher gibt es leider nur

Zwei von Fünf (imaginären) Sternen (aber die Vorgängeralbem, besonders "Upstate Songs" sind wirklich uneingeschränkt zu empfehlen).

Dienstag, 14. Juli 2009

#30 Neu auf den Ohren: Tiny Vipers - Life on Earth

Es gibt Dinge von denen es nicht genug geben kann. Nehmen wir zum Beispiel Eiscremesorten oder Speicherplatz auf dem Rechner. Unzweifelhaft gehören zu diesen Dingen auch talentierte, weibliche Singer- und Songwriterinnen. Zu denen gehört auch Jesy Fortino aka Tiny Vipers.

Dass die Dame aus Seattle früher eher der Popmusik zugetan war, ist - wenn man den zweiten Longplayer "Life on Eath" hört - schlecht vorstellbar. Ihre Songs bestechen alle durch eine strikte Zurückgenommenheit, so beschränkt sich Tiny Vipers ausschließlich auf Gitarre und Stimme (mit Außnahme eines Klaviers bei einem Titel). Es entstanden 11 sehr klare, ruhige Folk-Songs die nur ein wirklichses Zentrum haben, die Stimme. Die ist klagend, traurig und weich. Wer sich Vergleiche wünscht: Sybille Bayer würde wohl passen, aber auch Ähnlichkeiten zu Cat Powers Gesangsgorgan sind festzustellen.

Klagend und traurig sind Worte maßgeblich für dieses Album. Es geht um die düsteren und schweren Seiten des Lebens. Eigentlich hätte diesem Album eine Winterveröffentlichung besser gestanden, denn wenn ein dunkler Morgen im Winter musikalisch dargestellt würde, dann wohl so.

Leider wird man nach ein paar Liedern der Schwermut müde und fragt sich ob noch mehr kommt. Doch Ausreißer gibt es (leider?) nicht wirklich. Am ehesten könnte man wohl "Time Takes" als solchen bezeichnen. Tiny Vipers ist ihrem Stil treu geblieben, doch dies könnte den ein oder anderen Hörer zur Langeweile verleiten, so gleichmäßig fließt die Musik vor sich hin.

Daher: Drei von Fünf (imaginären) Sternen

Samstag, 11. Juli 2009

#12 Konzert: Roger Hodgson, Tuttlingen (09.07.)

Je älter ich werde, desto weniger Konstanten gibt es in meinem Leben. Zum Beispiel gibt es noch den Holunderbaum, auf den ich als Kind geklettert bin. Oder unseren Wohnzimmerteppich – der war einfach schon immer da. Und da gibt es Supertramp. Die von mir liebevoll mit rosafarbenem Filzstift eingekrakelten Plattencover beweisen, dass diese Musik einfach schon seit frühester Kindheit immer ein Teil meines Lebens war. Dementsprechend groß war seit langem mein Wunsch, Roger Hodgson - das Superhirn hinter den allermeisten Songs von Supertramp – endlich live zu sehen. Nach gefühlten Tausend verpassten Gelegenheiten bot sich mir nun die Chance, mir meinen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, noch dazu in wunderschöner Umgebung auf der Honberg-Ruine in Tuttlingen, gerade einmal 25 Minuten zu fahren. Als ich Anfang Juni erfuhr, dass noch Karten zu haben waren, war mein Glück perfekt und ich blätterte immerhin 56 Euro dafür hin, was meine ohnehin nicht gerade gut gefüllte Studentenkasse noch weiter strapazieren durfte. Aber ich kann eins vorweg nehmen: jeder einzelne Cent war seine Investition wert. Denn: was ich Gestern erleben durfte, war schlichtweg das beste Konzert meines Lebens.
Aber erstmal langsam. Bevor mein Bruder und ich das Konzert sehen konnten, mussten wir es uns durch den Aufstieg zur Burgruine erstmal verdienen. Als ich schließlich oben ankam - mit meiner Gesichtsfarbe einem Feuerlöscher nicht ganz unähnlich – blieb nur wenig Zeit zum ausruhen. Gleich nach Einlass stürmten mein Bruder und ich den Merchandising-Stand (zum Glück gleich, denn nach dem Konzert wurde er von ca. 100 Leuten belagert). Dann noch eine kleine Stärkung in Form eines Biers, und los ging es ins ausverkaufte Zirkuszelt.
Pünktlich um 20:00 Uhr betraten Roger Hodgson und Saxophonist Aaron McDonald die Bühne – ohne Vorgruppe, den die war, wie alle schnell erfahren durften, komplett unnötig. Bereits der Applaus zu Beginn war schlichtweg ohrenbetäubend. Dann gleich als erstes Lied: Take The Long Way Home, was bei mir unmittelbar zu Gänsehaut führte und (als ich mich umdrehte) dem einen oder anderen sogar Tränen in die Augen steigen ließ. Danach wieder unfassbar lauter, tosender Applaus, euphorisches Pfeifen: das Publikum war jetzt schon kurz vor dem Durchdrehen. Etwas vergleichbares habe ich noch nie erlebt, zudem das Zelt ja nun auch nicht gerade riesig ist. Der Lärmpegel hätte einem Stadion in nichts nachgestanden. Weiter ging es unter anderem mit The Logical Song, Give A Little Bit, Fools Overture und vielen, vielen anderen (Setlist wird nachgeliefert), die jedes Mal mit begeistertem Gebrüll beendet wurden. Dass eine wirklich außergewöhnliche Stimmung herrschte, merkte man auch den beiden Musikern an, die sich sichtlich freuten, teilweise sogar aufgrund der begeisterten Reaktionen auf Saxophonsoli nur noch erstaunt den Kopf schüttelten und lachten. Noch nie war ich auf einem Konzert, bei dem ich mich dermaßen über jedes einzelne Lied freute und das Publikum so enthemmt feierte. Ich hatte geradezu das Gefühl, hier ein Stückchen Musikgeschichte zu atmen. Auch Roger Hodgson selbst erzählte, wie gerne er immer noch seine alten Hits spiele und nahm die Zuhörer so mit auf eine Zeitreise durch die letzten ca. 35 Jahre.

Doch es wurden nicht nur die Hits gespielt, beispielsweise gab es auch neueres Material zu hören von seinem (sehr guten) Album Open The Door, oder auch aus den frühen Phasen von Supertramp mit Rosy Had Everything Planned vom Album Indelibly Stamped. Richtig traurig wurde es, als Roger erzählte, dass seine Mutter vor zehn Tagen gestorben war und er für sie das Lied Don`t Leave Me Now spielte und selbst feuchte Augen bekam. Danach wurde er dann aber wieder fröhlicher und scherzte kräftig weiter. Unglaublich, wie sympathisch der Mann ist. 

Unfassbar auch, was für einen unglaublichen Sound Rodger Hodgson und sein einfach nur brillanter Begleiter Aaron McDonald zu zweit hinbekommen. Ich vermisste weder Schlagzeug noch Bass - Gitarre, Klavier, das obligatorische Keyboard, Saxophone, Klarinette, Mundharmonika, Melodika, Flöte (und weiß Gott was noch!) schufen eine wunderbare Kulisse, ließen Roger Hodgsons noch immer unverwechselbarer und um keinen Hauch gealterter Stimme dennoch ihren Raum.

Wie gesagt, es fehlte an nichts, keine Störenfriede, geniale Stimmung, unglaublich sympathische Künstler und dann, als Zugabe und Tüpfelchen auf dem i noch School, dann noch eine Zugabe, und noch eine, und da das Publikum immer noch mehr fordert, kommen die beiden – trotz bereits angehender Lichter und Musik – noch einmal (nach bereits über 2 gespielten Stunden) heraus und spielen It´s Raining Again noch ein zweites Mal, einfach, weil es allen so viel Spaß gemacht hat. Danach gehen dann endgültig die Lichter an, ich bleibe noch einen Moment stehen und muss mich erst wieder zurück finden ins Jahr 2009, muss realisieren, was ich gerade erlebt habe – und feststellen, dass meine Arme vom begeisterten Klatschen schmerzen. Danach wieder der Abstieg von der Burg, zurück nach Hause, Stille im Auto, weil wir beide noch kein schnödes Autoradio das Gehörte überdudeln lassen wollen. Heute Morgen wache ich dann auf, glücklich, mit Muskelkater (darüber natürlich nicht ganz so glücklich) und erwische mich den ganzen Tag über dabei, den Anfang von Easy Does It zu pfeifen. Schön war´s!






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