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Freitag, 21. Mai 2010

#56 Neu auf den Ohren: Wovenhand - The Threshingfloor

Pünktlich nach zwei Jahren meldet sich David Eugene Edwards mit einem neuen Album zurück. Zuerst im Alleingang unter dem Namen Wovenhand unterwegs, mittlerweile wieder als vollwertige band vereint, versammelte das Ex-Gehirn von Sixteen Horsepower seine Mitspieler (oft gerne als Jünger bezeichnet), bestehend aus seinem ebenfalls Ex-Sixteen Horsepower Bassisten Pascal Humbert und Schlagzeuger Ordy Garrison.

Nun gibt es also mittlerweile das fünfte Vollalbum des Wanderpredigers, dem vom Teufel Verfolgten Propheten, dem Rastlosen Missionar oder weiß Gott was noch alles, das dem Mann gerne anassoziiert wird. Tatsache ist, dass er als Persönlichkeit definitiv eine wahrhaftige Erscheinung ist, seine Texte von tiefem Glauben geprägt, live wirkt er des Öfteren, als würde er am liebsten das Publikum zu Asche zerfallen lassen, während er selbst sich geradezu in Trance spielt. Nicht weniger mystisch ist logischerweise die Musik des Herrn Edwards, der sämtliche Saiteninstrumente bis zur Perfektion beherrscht und mit deren Hilfe überwiegend düstere, bedrohlich brodelnde Klanggebilde webt. Hinzu kommt noch diese Stimme, unverkennbar, die oft klingt, als sänge nicht ein Mensch, sondern gleich mehrere, irgendwie verstörend und doch auch wie ein Halt, während rundherum der (musikalische) Sturm tobt. Was nun aber auf dem neuen Werk doch auffällt: Edwards klingt deutlich entspannter. Kam der Vorgänger gehetzt und eher verkrampft zusammengewürfelt vor, so ist The Threshingfloor relativ relaxt - sofern sich das für Edwards sagen lässt. Überwiegend akustisch gehaltene Nummern dominieren das Album, es kommen Klavier und Flöten zum Einsatz und die Melodien sind insgesamt nicht mehr ganz so düster, wie gewohnt. Es wird sogar ein wenig mit orientalischen Klängen herumexperimentiert und vielen Ideen mehr Raum gelassen, sich zu entwickeln. Oft entfalten die Songs eine geradezu hypnotische Wirkung, man möchte sie wieder und wieder hören. Hinzu kommt noch, dass das Album auch klanglich ein Erlebnis ist. The Threshingfloor enthält zwölf Lieder, davon sind zehn Edwards’ Eigenkompositionen, eine von Pascal Humbert und eine Coverversion von New Order’s „Truth“. Ich glaube, es ist eines dieser Alben, das man entweder liebt oder hasst. Ich für meinen Teil liebe es. Deshalb 10 Sterne.

Da die Myspaceseite absolut nichts hergibt, verzichte ich ausnahmsweise mal auf den Link und biete euch stattdessen ein Liveviedeo. Etwas wacklig, aber man bekommt immerhin einen kleinen Einblick...



Mittwoch, 17. März 2010

#54 Neu auf den Ohren: Laura Marling - I Speak Because I Can

Laura Marling ist ja nun mittlerweile ein kleiner Star am Folkhimmel. Bereits seit ihrer Jugend schon sehr umtriebig in der Londoner Folkszene (unter anderem in bester Gesellschaft von Bands wie Noah And The Whale, Mystery Jets, Mumford & Sons etc.) kommt nun ziemlich genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung des von Kritikern hoch gelobten Albums Alas I Cannot Swim nun der Nachfolger: I Speak Because I Can. Es fällt schnell auf, dass es um einiges weniger poppig ausfällt, als der Vorgänger: die Melodien noch ausgefeilter, mehr Höhepunkten entgegenstrebend, kraftvoller, gereift. Obwohl Laura Marling gerade einmal 20 Jahre alt ist, klingen ihre Songs, als hätte sie seit Jahrzehnten nichts anderes gemacht. Doch in ihnen allen schwebt eine Lebendigkeit, ein Selbstbewusstsein, das zeigt: man ist sich darüber genau im Klaren, was man kann. Nichts Geringeres ist also auf den neuen Tonträger gebannt worden. Ein Album, das in vielen Facetten glänzt, zu verzaubern weiß und gleichzeitig zum nachdenken und zum mitsummen anregt. Einen einzigen Makel gibt es aber leider doch: nach gerade einmal 37 Minuten ist schon wieder alles - viel zu schnell - vorbei. Von mir gibts 7,5 Sterne.

Bis das Album am 26. März bei uns in die Läden kommt, gibt es das Video zu Devil's Spoke als Überbrückung:
Laura Marling - Devil's Spoke

Laura Marling | MySpace Music Videos

Montag, 8. März 2010

#53 Neu auf den Ohren: Tom McRae - The Alphabet Of Hurricanes

Eine Geduldsprobe für alle Fans von TomMcrae: nachdem er 3 Jahre hart an seinem fünften Studioalbum gearbeitet hatte, musste die Veröffentlichung um einige Monate verschoben werden. Man hatte glücklicherweise eine Plattenfirma gefunden, die das Album angemessen vermarkten und somit unterstützen konnte. Dafür wurde die Veröffentlichung verschoben, bereits fest geplante Konzerte wurden abgesagt. Nun ist The Alphabet Of Hurricanes aber endlich da. Das, was Tom McRae uns mit seinem neuen Werk vorsetzt, ist Singer/Songwriterkunst von höchster Güte. Neben seinem langjährigen Begleiter, dem Cellisten Oliver Kraus, versammelte er eine illustre Schar von Musikern um sich, die dem Album durchaus experimentierfreudig eine ungeahnte Frische und Diversität verschaffen. So gibt es kleinere Klezmeranleihen, Chöre, sogar eine Harfe, die zusammen einen sehr warmen und stimmigen Sound schaffen.  Es wäre aber kein McRae’sches Album, wenn es nicht die typischen Texte gäbe, herzzerreißend gefüllt mit Selbstzweifeln, vorgetragen mit seiner unverkennbaren, gleichzeitig schneidenden und sensiblen Stimme. Falls ihr jetzt aber glaubt, dies wäre mal wieder eines der Alben, die voll sind mit Gejammer und platten dieWeltistsoschlechtzumirKlischees, dann kann ich versichern, dass dem nicht so ist. Es ist ein Vergnügen, das Album in all seinen Bestandteilen zu erkunden und sich mitreißen zu lassen. So möchte ich euch abschließend die Single Please ans Herz legen und gebe „unserem“ Tom 7 Sterne.

Hier also noch das (sehr lustige) Video zu Please und (wie immer) Myspace.

Freitag, 26. Februar 2010

#52 Neu auf den Ohren: Joanna Newsom

Dies wird die kürzeste und vielleicht deutlichste Rezension die ich je schreiben werde. Zu Have One on Me, dem neuen Album von Joanna Newsom,  kann man vieles sagen, oder eben gar nichts, so ungreifbar, so schwierig ist es das Dreieralbum in Worte zu fassen. Nur so viel: Es ist an Virtuosität, Ideen- und Abwechslungsreichtum und Brillanz wohl kaum zu übertreffen.

Daher: Danke, Joanna für eines der besten Alben die je erschienen sind. Wer mehr wissen möchte, was niemandem zu verübeln wäre, dem rate ich es zu hören und dann nochmal zu hören und nochmal.

Zehn von Zehn Sternen und wenn es mehr gäbe hätte dieses Album sie verdient.

Mittwoch, 20. Januar 2010

#50 Neu auf den Ohren: First Aid Kit - The Big Black and the Blue

Das neue Jahr startet hier zugegebenermaßen verspätet, aber dafür mit einem musikalischen Goldstück. First Aid Kit, ein schwedisches Schwesternduo veröffentlichen dieser Tage ihr erstes Album "The Big Black and the Blue" und wissen zu überzeugen.

Gerade 16 und 19 sind Klara und Johanna Soderberg, seit 2007 machen sie zusammen Musik. Vielleicht liegt es am Schwesterndasein und der daraus resultierenden Verbundenheit, dass ihre Stimmen schon jetzt nicht nur einzeln ganz wunderbar sind, sonder auch perfekt harmonieren.

Auf ihrem ersten Album sind elf nicht nur harmonische, sondern auch melodiöse, fesselnde und lebensbejahende Titel zu finden. so wird auf "Hard Believer" auf voller Kehle gesungen "and it's one life and it's this life and it's beautiful". Das allgemein anerkannte depressiv sein in der Musikbranche wird endlich einmal durchbrochen.

Wer glaubt das junge Alter würde der Songschreiber und Stimmqualität abträglich sein und First Aid Kit wären ein weiteres süßliches Frauenduo, der irrt gewaltig, so erwachsen wirken die Stimmen und Titel der jungen Schwedinnen.

"The Big Black and the Blue" ist ein rundum gelungenes, einmalig schönes Album, das schon jetzt die Latte für die Folkalben dieses Jahres sehr hoch legt und, so kann man jetzt schon bedenkenlos sagen, mit Sicherheit Anwärter auf eins der schönsten Alben 2010 ist. Viel mehr gibt es nciht zu sagen, außer; unbedingt hören!

Dafür gibt es 9 von 10 sehr verdienten Sternen

Sonntag, 13. Dezember 2009

#49 Neu auf den Ohren: Minor Majority - Either Way I Think You Know

Das neuste Album Either Way i Think You Know der norwegischen Herrenband Minor Majority erschien bereits im Oktober in den nordischen Ländern. Eine wirkliche Erklärung warum das Werk erst ab Ende Januar in Deutschland und anderen Länder zu haben sein wird gibt es wohl nicht. Die Freude das Album aber endlich hören zu können ist natürlich groß.

Ich nehme gleich vorweg: das Album ist zwar gut, kommt aber bei weitem nicht an Vorgänger wie Walking Home from Nicole S heran. Aber an was liegt das?

Zuersteinmal: Minor Majority sind bekannt für wunderbare Melodien, die sanfte Stimme des Sängers Pal Angelskar und vor allem sind ihrer Titel schlicht gehalten, so dass Text und Gesang immer im Mittelpunkt stehen. Doch gerade da hakt es bei Either Way I Think you Know. Alles ist irgendwie voller, produzierter. Die geniale Einfachheit der Vorgänger ging irgendwo im Studio verloren. Auch die Texte scheinen irgendwie stupider, wiederholender. Da vermisst man doch grandiose Zeilen wie: "the atlantic sea may be a killer of dreams if what you want is a swimming pool".

Trotzdem kann man das neuste Werk der Norweger nicht als schlecht bezeichnen. Es ist nach wie vor bodenständig, auch wenn die Prioritäten verlagert wurden. So hört man z.B. kaum noch auf den Text wegen der Instrumentenübermacht, die auch durch Streicher und mehr ergänzt wurde. Trotzdem finden sich Titel sie wunderbarer kaum sein könnten, so zum Beispiel "Dance".

Daher: Anhören lohnt sich trotz allem, auch wenn es nicht ebenbürtig zu seinen Vorgängern ist.

Es gibt sechs von zehn Sternen

Donnerstag, 26. November 2009

#18 Konzert: Helgi Jonsson, München

"I'm god, i want to create..." 
So beginnt Helgi Hrafn Jónsson sein gestriges Konzert im Atomic Cafe. Wer nun meint, es handele sich bei ihm um ein selbstherrlichen, eingebildeten Kerl, der irrt. Ganz im Gegenteil, immer einen witzigen Spruch auf den Lippen...und das im besten deutsch österreichisch. Nicht gerade das was man von dem androgyenen Isländer im Vorfeld erwartet.

Doch bevor es um ihn geht gibt es wie gewohnt ein paar Worte zu seinem Support: Ragga Gröndal. Die Isländerin präsentierte gestern, auf ihrem ersten Konzert zusammen mit Helgi , selbstgeschriebenes in englisch und isländisch, sowie traditionelle isländische Folk Songs. Absolut bemerkenswert ist die Stimme der jungen Musikerin, die man vielleicht ganz gut im Blues unterbringen könnte. Kraftvoll, klar und intensiv, so lässt sich das gehörte wohl am ehsten beschreiben. Leider fehlte das abwechslungsreiche im Programm von Ragga Gröndal, die in Island laut Helgi Jonsson übrigens ein Star ist, und daher wurde es zum Ende hin doch etwas anstrengen ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Helgi Jonsson betritt dann gegen halb 11 die Bühne und spielt eine gute Stunde. Vorallem sein in diesem Jahr erschienenes Album For the Rest of My Childhood ist musikalisches Thema des Abends. Für den neu 30-jährigen scheint das Alter und Altern ein großes Thema zu sein, auch wenn er sich selbst zumindest teilweise immer noch als Kind bezeichnet.
Unfassbar scheint es welche Töne aus dem Mund des spindeldürre Isländers kommen, so spektakulär ist seine sensible Stimme. Weder Tiefen noch Höhen werden gescheut, genauso wenig die leisen oder lauten Töne. Helgi Jonsson experimentiert gerne mit Klängen, das hört man nicht nur auf seinen Alben, sondern auch live. Texte, so erzählt er im Vorfeld im Interview mit LAXMag (in den nächsten Tage online), wären notwendig, aber er schaffe zuerst die Musik. Darum ginge es ihm. Trotzdem scheinen seine Texte nicht Gezwungenes zu sein, sie sind (mindestens) so schön wie seine Musik.

Alle die sich davon noch überzeugen wollen: Helgi kann man die nächsten Tage noch in Köln, Hamburg und Berlin sehen. Es lohnt sich.

Danke Flo für das Foto :)

Dienstag, 3. November 2009

#16 Konzert: Mumford & Sons, München

Das gestrige Konzert im Atomic zeichnete sich schon im Vorfeld durch eine Besonderheit aus: die Tickets konnten ausschließlich gewonnen werden. Hier gleich nochmals mein Dank an die holden Spender und die Vermittlerin. Dank euch durften ich und meine Begleiterin einen wunderschönen, lauten Abend erleben.

Bis um Viertel nach Neun wartet das gerammelt volle Atomic und das bunte Instrumentensammelsurium auf die vier Herren aus London. So finden sich diverse Akustikgitarren, Bässe, einen Kontrabass, ein Keyboard, eine Quetsche, ein Banjo, Mandoline, Schlagzeug sowie eine Pedal Steel Gitarre.

Als dann Mumford & Sons die Bühne betreten, das Publikum jubelnd, beginnen sie mit "Sigh No More". Die typische Bühnenhirarchie mit dem Sänger vorne wird aufgehoben, so stehen alle vier nebeneinander. Ein schönes Bild.

Während der guten Stunde die das Konzert dauert zeigt sich die Newcomer Band als tolle Musiker und sympatische Erzähler. So wird viel gelacht, auf und vor der Bühne. Professionell spielen sie ihr gesamtes Dabutalbum, außerdem zwei zusätzliche Titel, das neue "Whispers in the Night" und "Sister" unplugged, ein wunderschöner Moment übrigens.

Absolut überzeugend spielen die vier Londoner ihre Instrumente. Das Schlagzeug bleibt eher Deko, da 1) Marcus Mumford mit seinen Füßen die große Trommel und auch einen Schellenring bedient. So schaffte die Combo eine volle und laute Klangwelt. Doch auch leise Töne waren an der Tagesordnung, schöne Pianoklänge und natürlich immer wieder das Banjo.

Das Münchner Publikum war ganz wunderbar, so wurde getanzt, gelacht und auch mitgesungen. Und das, obwohl das Album erst seit kurzem in Deutschland veröffentlich ist. Selbst nach der regulären Zugabe verebbte der Jubel nicht, so dass die Band das erste Mal ihrer Karriere (nach eigener Aussage) eine zweite Zugabe spielte. Das erhöhte den Sympathiefaktor der Männer nochmals.

Für diese absolut überzeugende Darbietung verdient die relativ neue Band den allergrößten Respekt. Live lohnt es sich definitiv, die Mumford & Sons zu hören, ich verspreche einen schönen, lustigen Abend. 

Die akustische Zugabe "Sister" als Schmankerl obendrauf, gefilmt von Sara.

Samstag, 24. Oktober 2009

#45 Neu auf den Ohren: Mumford & Sons - Sigh No More

Bevor ich mich in den nächsten Wochen ausführlich über Winterliche- bzw. Weihnachtsveröffentlichungen auslassen werde, stelle ich euch nun aber noch einen heißen Anwärter aud die CD des Jahres vor: Mumford & Sons mit ihrer Debutplatte "Sigh No More".

Die EP liess schon im Vorfeld hoffen, doch diese Hoffnung haben die vier Herren aus London weit übertroffen. Okay, da sie aus dem musikalischen Umfeld von Laura Marling oder Noah and the Whale kommen, ist dies vielleicht für einige keine größere Überraschung, doch wer hätte gedacht, dass sie ihre musikalischen Kollegen sogar übertreffen?

Mit einer Mischung aus Bluegrass, Alternative und Folk zeigen sie nun was sie können. Das heißt im Klartext: viel Gitarre und Banjo, Kontrabass und Quetsche. Vereinzelt findet man dann auch noch weitere Streicher, Klavier, Trompeten u.ä. 

Althergebrachtes lassen Mumford & Sons mit ihrer Instrumentierung wiederaufleben, selten hört man heute so viel Banjo auf einer neuen CD. Trotzdem führen sie es in die heutige Zeit, drücken ihrer Musik einen ganz eigenen Stempel auf: Wiedererkennungwert = 100%

Die zwölf Titel des Albums glänzen durch eine Verschiedenheit, jedes steht für sich und ist gleich wichtig. Schnell merkt man aber doch, dass trotzdem alles zusammenhängt, dass es sich lohnt alles in einem Lauf zu hören, dass es bei jedem Hören wächst. Gemeinsam haben alle Titel eins: sie sind stark melodiös, und hier ist es egal ob es eine schnelles oder langsames Lied ist, ob es um Liebe oder Schmerz geht... Außerdem wird alles zusammengehalten durch die raue und doch eingängige Stimme von Marcus Mumford, zu der mir kein geeigneter Vergleich einfällt (Jan Wigger schreibt auf spiegelonline zwar, dass er sich nach Michael Stipe anhört, das finde ich aber in keinem Fall). 

"Sigh no More" hat etwas Erhabenes, etwas Perfektes da alles passt, da es rein gar nichts auszusetzen gibt. Ein Album zum mitreißen lassen.  Die erste Single "Little Lion Man" reißt mit und doch, müsste ich eine Favoriten wählen, dann wäre es das einfach perfekte "White Blank Page"

Für ein perfektes Album (ja, das gibt es) gibt es natürlich

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen



Donnerstag, 15. Oktober 2009

#43 Neu auf den Ohren: Josephine Foster - Graphic as a Star

Vertonte Emily Dickinson Gedichte kennt man vielleicht schon von Natalie Merchant oder Carla Bruni oder, oder...doch Josephine Foster treibt dies mit ihrem neuen Album "Graphic As A Star" auf die Spitze. Ganze 27 Titel (gut, kurze Titel, aber immerhin) die allesamt von den Werken der Dichterin inspiriert sind.

Das Album entstand in einem abgelegenen Dorf irgendwo in Spanien. Eindrucksvoll hört man die Ruhe und Abgeschiedenheit in jedem der Titel des Albums. Man sieht die Sängerin aus Colorado schon fast vor sich, wie sie mit Gedichtbänden und ihrer Gitarre auf einer sonnenbeschienen Terrasse sitzt, so heimelig hört sich das alles an.

Trotzdem hat sich Josephine Foster hier natürlich eine schwere Aufgabe gestellt. Emily Dickinsons schwermütige, intensive Gedicht zu vertonen ist kaum möglich. Durch klare Reduktion auf das Wesentliche gelingt es ihr aber doch. So dominiert die Stimme, teilweise a capella, teilweise mit sanfter Gitarre untermalt, dann noch selten etwas Mundharmonika und fertig. So entstand ein extrem ruhiges, getragenes Album in dessen Mittelpunkt natürlich die Sprache Emily Dickinsons steht, aber auch Josephine Fosters schwingende Stimme, die sich wohl am ehesten in die Richtung der von Joni Mitchells einordnen ließe.

"Graphic As A Star" ist sicherlich kein Album für jedermann, zu speziell das Thema und die Stimme der Sängerin. Doch wenn es gelingt sich dafür zu begeistern, dann kann man schöne Stunden mit dem Hören des Werkes verbringen. Passend zur Jahreszeit ist es allemal.

Dreikommafünf von Fünf Sternen

Sonntag, 4. Oktober 2009

#41 Neu auf den Ohren: Emily Jane White - Victorian America

Zugegeben, beim neuen Album von Emily Jane White bleibt das Meiste, wie wir es bereits vom Debut kennen - genauso gut eben.

"Victorian America" ist nun nach knapp zwei Jahren der Nachfolger ihres Debuts "Dark Undercoat". Dass genug Material für ein neues Album bereits bestehe, das dürften Konzertbesucher schon längst bemerkt haben, so spielte sie schon viele der Titel des neuen Albums während des letzten Jahrs live.

Emily Jane White bleibt sich treu auf dem neuen Werk. Nach wie vor zählt das Düstere, ihre spröde, ruhige Stimme etwas Akustikgitarre, Cello und Klavier. Das ist das Rezept der jungen Musikerin und es geht wieder auf. Neu dazugekommen ist lediglich die Pedal Steel Guitar, die einige der Lieder dezent untermalt.

Zwischen sehr ruhigen, sanften Titeln wie beispielsweise "Never Dead" oder "Ghost of a Horse" finden sich immer wieder melodiöse, abwechslungsreiche Stücke wie  das grandiose "Stairs" oder "Liza". Auch diese abwechslungsreiche Kombination kennen wir schon von ihrem Debut.

Obwohl vieles schon bekannt, vieles irgendwie ähnlich zu "Dark Undercoat", schafft Frau White mit "Victorian America" ein wunderbareres, stimmungsvolles und düsteres zweites Album, das bei der Fangemeinde wieder großen Anklang finden sollte. Die Musikerin wird mit dem neuen Album keinesfalls schlechter, das muss klar gesagt werden.

Ein Album zum Genießen und vielfachen Hören, daher

Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Gerade ist Emily Jane White übrigens auf Tour,  es gibt auch deutsche Daten. Es lohnt sich!


Sonntag, 27. September 2009

#40 Neu auf den Ohren: Noah and the Whale - The First Days of Spring

Ganz selten gelingt es einer Band, sich mit dem zweiten Album neu zu erfinden, eine neue Richtung einzuschlagen, ohne dabei grausam unterzugehen.

Der britischen Band Noah and the Whale ist aber genau dies gelungen. Während ihr Debutalbum "Peaceful the World lays me Down" richig schönen Indiefolk/-pop darbot, und vor allem auch durch "Gute-Laune-Songs" wie "2 Atoms in a Molecule" glänzte, ist "The First Days of Spring" ein ruhiges, melancholisches Album, bei dem es vor allem um gebrochene Herzen, um Leben die sich verändern, um Trauer geht. Liebeskummer vom feinsten also. Doch wer nun klischeemäßig an schnulzige, schleimige Balladen denkt, liegt falsch.

Denn neben der vielen Trauer einer gescheiterten Beziehung bietet das Album wesentlich mehr, nämlich die Botschaft, dass alles irgendwann wieder besser wird und zwar immer. So wird in vielen der Titeln der Abschied, das Ende einer Liebe beschrieben, mit Sätzen wie: "I'll be lonely, Oh i'll be lonely - again". Diese Art der Texte könnte man zur Genüge zitieren, hier wird Trauer richitggehend zelebriert. Aber zu Beachten ist, wie das Album endet, nämlich mit dem Titel "My door is always open", der, genau wie die erste Single "Blue Skies", an das Weitermachen appeliert.

Musikalisch ist das Album sehr zurückhaltend. So wird zur Akustikgitarre gesungen ohne viel tamtam. Auch das Klavier hat einen festen Platz auf dem neuen Werk, neben den typischen Instrumenten natürlich. So wird die durchgehend mlancholische Stimmung bestens untermalt. Doch wenn man glaubt das Album langsam zu durchschauen, dann taucht plötzlich feinste Klassik auf, so in "Instrumental I". Und weil das noch nicht genug ist wird auch noch ein Chor aufgefahren. Doch auch hier gelingt es der Band, nicht ins kitschig-klischeehafte abzurutschen und das ist nun wirklich eine Leistung. Und wer jetzt denkt, auf dem Album wären ausschließlich ruhige, traurige Nummern, der wird mit "Love of an Orchestra" vom Gegenteil überzeugt.

Getragen wird "The First Days of Spring" aber von einer ganz bestimmten Stimme und zwar der von Charlie Fink. Endlich mal wieder eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Und dann noch dieser Akzent...da muss man nicht mehr viel sagen außer:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Mittwoch, 23. September 2009

#38 Neu auf den Ohren: Alela Diane feat. Alina Hardin - Alela & Alina

Nach dem in diesem Jahr erschienenen Album "To Be Still" überrascht uns Alela Diane nun mit einer EP, die sie zusammen mit ihrer Musikerfreundin Alina Hardin aufgenommen hat.

Wer die beiden live erleben durfte, weiß, wie harmonisch die Stimmen der beiden Frauen aus Nevada passen, wie schön sie zusammen klingen. Auf der EP, die einfach "Alela & Alina" heißt, zeigen die Beiden ebendies.

Die beiden traditionellen Lieder "Matty Groves" (könnte man schon von Fairport Convention oder Joan Baez kennen) und "Bowling Green" (ursprünglich von den Everly Brothers, aber wohl bekannter von Neko Case oder Devon Sproule), teilen sich den Platz nicht nur mit dem Townes van Zandt Cover "Rake", sondern auch mit drei niegelnagelneuen Titeln "Amidst The Movement", "Crying Wolf" und "I Have Returned".

Was soll man sagen, Alela bleibt sich auf dieser EP treu. Die Klänge und Texte sind schön wie eh und je. Ms Diane und auch Ms Hardin (die soweit ich das überblicken kann "Crying Wolf" geschrieben hat)  enttäuschen auch diesmal nicht. Eine wunderbare, wenn auch eher stille, EP die einen da erwartet. 

Zu erwerben gibts das unbedingt empfehlenswerte Stück ab dem 06.10. aber "nur" als Vinyl oder Download. Also bitte: Plattenspieler raus und auflegen.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Matty Groves!

Mittwoch, 9. September 2009

#2 Verschiedenes: Matt Bauer

Matt Bauer

Kentucky: bekannt für heiße Sommer, blühende Grasweiden und Vollblutpferde. Eben diese Pferde benennt der dort geborene Matt Bauer als wichtige Einflüsse für seine Musik und sein Leben. Neben den Pferden finden auch musikalische Größen wie etwa der frühe David Bowie oder Nina Nastasia auf dieser Liste platzt. Doch wie gehen Pferde und David Bowie zusammen? Und wie hört sich ein Musiker an, der von Pferden beeinflusst wird?

Doch schon beim Hören der ersten Klänge wird vieles klar. Ein Banjo, so schön und düster. Dann eine Stimme, so warm und angenehm, dass der Hörer unwillkürlich aufhorcht. In der eigenen Vorstellung befindet man sich schnell in Kentucky, auf einer Weide, an einem Strohhalm kauend und von Pferden umgeben. Über den Musiker mit dem ausladenden Bart á la Iron & Wine oder Bonnie `Prince` Billy, zu denen es im Übrigen auch starke musikalische Parallelen gibt, ist wenig bekannt. Was man kennt ist seine Musik, zu hören auf den beiden Alben „Nandina“ (2004) und „The Island Moved In The Storm“ (2008), sowie auf der EP „Wasps And White Roses“ (2006).

Musik machte Matt Bauer schon sein ganzes Leben lang. Aufgeben wollte er sie schon in einer unglücklichen, einsamen Phase seines Lebens, doch dann brachte er sich selbst das Banjo spielen bei und alles änderte sich. „It was something I could do everyday that made me feel alive.” Daher ist es nur logisch, dass das Banjo von da an Matt Bauers Haupt- und Lieblingsinstrument wurde.

Musikalisch wäre Matt Bauer am Besten in der Kategorie Folk, oder vielleicht präziser „Dark Folk“ (ein Begriff der spätestens seit 16 Horsepower kursiert), aufgehoben. Zwar mag der ein oder andere bei dem Begriff Banjo sofort an Country oder Western denken lassen, doch Matt Bauer könnte nicht weiter davon entfernt sein mit seinen fragilen Banjoklängen und der leisen, fast schon isoliert wirkenden Stimme. Durchbrochen wird dieses Schema von einigen Songs die melodiös und fröhlich daherkommen, so etwa seine Version des Amerikanischen Folksongs „Sea Lion Woman“ (das seit Feist wohl allgemein bekannt ist).

Nachdem er zu Beginn des Jahres mit Alela Diane in Frankreich und den Niederlanden tourte, dürfte sein Bekanntheitsgrad gewachsen und seine Fangemeinde sich erweitert haben. Matt Bauers Siegeszug hat gerade erst begonnen ist aber sicherlich noch nicht zu Ende. Wie sollte er auch, bei diesen wunderbaren Banjoklängen?

Freitag, 21. August 2009

#36 Neu auf den Ohren: Jordie Lane - Sleeping Patterns

Irgendwie muss es am Bart liegen. Musikalität meine ich. So wundert es nicht, dass nach großartigen bärtigen Künstlern wie Bonnie `Prince` Billy, Iron and Wine, City and Colour etc etc auch dieser junge Herr zu den begnadeten Singer- und Songwritern gehört. "Sleeping Patterns" ist Jordie Lanes Erstlingswerk (abgesehen von zwei EPs), aber was für eins. Selten findet man eine solche musikalische Perle.

Der junge Melbourner überzeugt von der ersten Minute an. Okay, zugegeben, da im Eröffnungstrack "The publican's Daughter" gleich ein Banjo vorkommt, fällt es mir, als großer Banjofan gleich leichter, bei der Stange zu bleiben. Doch ja, auch ohne Banjo würde dieses Album funktionieren. Denn dominierend ist wie so oft die Gitarre, natürlich zusammen mit diversem anderen Instrumentarium wie dem obligatorischen Schalgzeug, einer Orgel, Mundharmonika, Bass...

Doch wie soll diese CD musikalisch eingeordnet werden? Jordie Lane bietet vielseitig an, so findet man klassische Gitarrenballaden neben rockigeren Stückchen, etwas Dark Country usw. Doch vielleicht ist die Einordnung in Schubladen nebensächlich, denn wirklich wichtig ist die Stimme der Musikers. Selten hört man so ein schönes Organ, so ein weiches, schwingendes Timbre. Und weil eben gerne Vergleiche herangezogen werden um möglichst vielen Menschen die Platte schmackhaft zu machen hier ein Name: Teddy Thompson. Während Teddy Thompson aber mit seinen letzten CD's in die Tiefen des Mainstream Pop bzw. Coutry abdriftete, macht Jordie Lane genau das, was wir wollen: eine wunderbare, abwechslungsreiche, innovative CD, da wundert es nicht, dass in diversen Reviews "Sleeping Patterns" bereits als Album des Jahres bezeichnet wird. Recht so.

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen

Hier eine Liveaufnahme des wunderbaren Eröffnungstitels "The Publican's Daughter" (das auf dem Album aber nochmal mehr kracht!)

Sonntag, 16. August 2009

#1 Verschiedenes: Die französischen Damen

Der Sommer scheint sie mitzubringen, die Lust, verstärkt französische Sängerinnen zu hören, zu schön die Spache, das zarte. Das erwärmt das Herz, egal bei welchen Temperaturen. Hier nutze ich jetzt die Chance meine momentanen Favoritinnen vorzustellen.

Bei einer solchen Fülle qualitativ hochwertiger Damen, beschränke ich mich auf diejenigen, die wunderschönen, leichten französischen Folk produzieren.

Loane, eine Pianospielerin und Vertreterin des süßlichen Chansons macht den Beginn. Das im Vorjahr erschienene erste Album "Jamais Seule" der Französin glänzt durch ein warme Stimme, die zeitweise an die Carla Brunis erinnert, und durch ja, ein Banjo. Leser dieses Blogs könnten schon festgstellt haben, dass dieses Instrument hier sehr hoch im Kurs steht. Aber natürlich kommt man auch in den Genuss des Akkordeons, eben dem Instrument, das am intensivsten das französische Gefühl erschafft. Luftig leichte Melodien zaubern gute Laune und lassen den Hörer vergnügt durch die Wohnung tanzen.

Weiter gehts mit einer ebenfalls jungen und aufstrebenden Musikerin: Marie Cherrier. Das Debutalbum der 25-jährigen "Ni Vue ni Connue" von 2005 sprüht nur so von französischem Charme. Stimmlich noch süßer als Loane (man fühlt sich unwillkürlich an Vanessa Paradis erinnert) fühlt man schon beim ersten Titel "Manouche", dass diese Musik perfekt zur "Fabelhaften Welt der Amélie" passen würde. Auch hier wieder: Akkordeon, Klavier und viel Gitarre. Wer fröhliche und "niedliche" Musik mag, der ist mit bei Marie Cherrier an der richtigen Adresse um sich den Sommer (und Winter und überhaupt) zu versüßen, da braucht man kein Eis mehr.

Abschließen möchte ich mit Jeanne Cherhals "L'eau". "L'eau" (2006) ist bereits das fünfte Studioalbum der Musikerin aus Nantes. Vielleicht könnte man es als reifer beschreiben im Vergleich zu den beiden vorher vorgestellten Alben. Jeanne Cherhals Stimme ist tiefer, nicht süßlich schmachtend. Auch ihre Instrumentierung ist voller. Da hört man doch gerne ein Schlagzeug oder einen Bass oder auch mal elektronische Klängchen, überladen wirkt es aber in keinem Fall. Mit eindrucksvollen stimmlichen Arragements wie bei "Je suis liquide" oder "Rondes larmes" kann sie überzeugen und so jeden Schwimmbadtag verschönern.

In Kürze: mehr von der fanzösischen Musik Front.

Sonntag, 2. August 2009

#34 Neu auf den Ohren: The Battle of Land and Sea - The Battle of Land and Sea

Poetische Namen wie etwa The Battle of Land and Sea erregen Aufmerksamkeit. Schnell projeziert man seine Ideen wie die Musik wohl klingen mag in solche Namen. Noch vor dem Hören entsteht so ein Bild von dem was kommen soll. Oft folgt dann die Enttäuschung: wie kann sich etwas mit so schönem Namen nur so falsch anhören? Doch glücklicherweise nicht so bei The Battle of Land and Sea. Das gleichnamige Album kam zwar schon 2007 auf den Markt, hat es aber verdient hier nochmal Beachtung zu finden.

The Battle of Land and Sea sind Sarah O’Shura und Joshua Canny aus Oregon. So finden sich passend zum Heimatort nicht nur Gitarren, sondern auch Banjos auf der Cd wieder. Überhaupt ist alles sehr reduziert. Es geht um die Stimme von Sarah O'Shura, untermalt von sanften Gitarrentönen. Hier und da findet man noch etwas Schlagzeug, aber das war es im Großen und Ganzen dann auch. Und glücklicherweise reicht das schon für eine wunderbar atmosphärische Platte aus.

Die spröde Stimme der Amerikanerin erinnert unwillkürlich an Cat Power. Überhaupt fühlt man sich musikalisch an Moon Pix erinnert. So wir mit einer düsteren, isolierten Stimmung gearbeitet. Dieses düster-reduzierte verleitet dann auch sofort dazu aufzuhorchen und sich der Schönheit der sphärischen Klänge hinzugeben.  Ein weiterer Name neben Cat Power wird bei mehrmaligem Hören präsent: Emily Jane White. Denn The Battle of Land and Sea verfolgen ein ähnliches Konzept: nicht zuviel, nicht übertreiben, schlicht und düster. Atmosphärisch und gänsehauterzeugend. 

Für dieses gelungene Debut gibt es Vier von Fünf (imaginären) Sternen.

Dienstag, 14. Juli 2009

#30 Neu auf den Ohren: Tiny Vipers - Life on Earth

Es gibt Dinge von denen es nicht genug geben kann. Nehmen wir zum Beispiel Eiscremesorten oder Speicherplatz auf dem Rechner. Unzweifelhaft gehören zu diesen Dingen auch talentierte, weibliche Singer- und Songwriterinnen. Zu denen gehört auch Jesy Fortino aka Tiny Vipers.

Dass die Dame aus Seattle früher eher der Popmusik zugetan war, ist - wenn man den zweiten Longplayer "Life on Eath" hört - schlecht vorstellbar. Ihre Songs bestechen alle durch eine strikte Zurückgenommenheit, so beschränkt sich Tiny Vipers ausschließlich auf Gitarre und Stimme (mit Außnahme eines Klaviers bei einem Titel). Es entstanden 11 sehr klare, ruhige Folk-Songs die nur ein wirklichses Zentrum haben, die Stimme. Die ist klagend, traurig und weich. Wer sich Vergleiche wünscht: Sybille Bayer würde wohl passen, aber auch Ähnlichkeiten zu Cat Powers Gesangsgorgan sind festzustellen.

Klagend und traurig sind Worte maßgeblich für dieses Album. Es geht um die düsteren und schweren Seiten des Lebens. Eigentlich hätte diesem Album eine Winterveröffentlichung besser gestanden, denn wenn ein dunkler Morgen im Winter musikalisch dargestellt würde, dann wohl so.

Leider wird man nach ein paar Liedern der Schwermut müde und fragt sich ob noch mehr kommt. Doch Ausreißer gibt es (leider?) nicht wirklich. Am ehesten könnte man wohl "Time Takes" als solchen bezeichnen. Tiny Vipers ist ihrem Stil treu geblieben, doch dies könnte den ein oder anderen Hörer zur Langeweile verleiten, so gleichmäßig fließt die Musik vor sich hin.

Daher: Drei von Fünf (imaginären) Sternen

Dienstag, 7. Juli 2009

#29 Neu auf den Ohren: Festival - Come, Arrow, Come!

Gut, zugegeben, "Come, Arrow, Come!" ist schon im letzten Jahr erschienen. Aus gegebenem Anlass (sprich: eben erst entdeckt und seitdem ohne Unterbrechung am Hören) wird die CD hier aber dennoch besprochen.

Festival sind die beiden Schwestern Lindsay und Alexis Powell. Erstere kennt der ein oder andere vielleicht schon dank ihres (nicht mehr bestehenden) Projekts Cake Bake Betty. Falls nicht, dann soll dies als Empfehlung gelten, sich die beiden CBB CD's ebenfalls zu besorgen und zu genießen!

Schon allein Titel und Cover sind inspirierend, interessant (da nicht 08/15) und schön. Da entstehen natürlich Erwartungen an die Musik. Diese werden nicht nur erfüllt sondern meilenweit übertroffen.

"Come, Arrow, Come!" ist ein schlicht wunderbares Folkalbum. Die beiden Frauenstimmen sind nicht nur schön, sondern harmonieren genauso, wie die Instrumente. So schleicht sich zwischen Piano und Gitarre auch mal ein Banjo und mehr. Doch die Stimmen bleiben Vordergrund, so kommt z.B. der Eröffnungstitel "Fair and True" größtenteils "a capella". Schon bei den ersten Klängen ist der Hörer verzückt. Fast fühlt man sich in eine Zeit versetzt, in der gute handgemachte Musik auf den Feldern und in den Gaststuben Amerikas gemacht wurde.

Mit ihrem Debutalbum ist Festival ein durchgängig ruhiges, doch keinesfalls langweiliges Album gelungen. Die 10 Titel sind so schnell vorüber, dass man sich unwillkürlich fragt, warum es schon aus ist. Und das Gefühl etwas wieder und wieder (und wieder, wieder, wieder)  Hören zu können ist nun wirklich nicht alltäglich.

Daher klare Fünf von Fünf (imaginären) Sternen

Ach, die beiden Damen befinden sich übrigens momentan in New York im Studio um ihr nächstes Album aufzunehmen. Yes!

Zum reinhören "Boxcar":


Montag, 22. Juni 2009

#25 Neu auf den Ohren: Kat Flint - Dirty Birds

Ooooohhh: schon nach zehn Takten weiß ich, dass ich Kat Flint lieben werde. Was ich da höre ist wirklich Musik vom Allerfeinsten, mit der Gitarre als Hauptinstrument und einem bunten Potpourri an Begleitinstrumenten: Klavier, Geige, Melodika, Glockenspiel, alte Koffer, FisherPrice Happy Apple und auch mal einfaches Händeklatschen (auf der Myspaceseite stehen noch einige mehr, die schmunzeln lassen). Über all dem steht Miss Flints wunderbare, facettenreiche Stimme. Diese Lieder bereiten mir wirklich schon beim ersten anhören große Freude, so ausgefeilt und in sich stimmig sind diese 12 mit Herzblut gefüllten Perlen, die auf Dirty Birds versammelt sind. Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass sich die Künstlerin nie zu ernst nimmt – wer würde sonst wohl eine Schere zum musizieren verwenden? Im Internet lese ich, dass die Frau aus Schottland stammt, schon im Jahr 2008 eine EP veröffentlichte und bereits das Vorprogramm der von Rebekka und mir heißgeliebten Cara Dillon spielte. In den Medien wird sie als "rising star of folk" bezeichnet. Gibt es also noch einen Grund, zu zögern? Nach diesem Video hier vielleicht nicht mehr. Also: erst anschauen, dann kaufen, dann verlieben!
4 ½ Sterne!!!






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