Nun, dass Albumveröffentlichungen großer Singer- und Songwriter enttäuschend sein können, das wissen wir alle seit Neil Youngs letzter Veröffentlichung. Bob Dylan zieht nun mit einem neuen Album nach: Together Through Life. Das Soundsodreißigste Studioalbums des genialen Musikers.
Wie auch schon Neil Young, will sich nun auch Bob Dylan irgendwie neu präsentieren, so erinnert nicht nur das Cover an eine Jeans Werbung der heutigen Teenie-Generation, nein, außerdem gibt es Zuwachs instrumenteller Art auf dem Album dank eines Akkordeons. Eben dieses schlägt schon auf dem beginnenden Track: "Beyond here lies nothing" durch. Und was soll man sagen, Bob Dylans rauhe, teilweise extremst kratzige Stimme ("My wives home town") und das Akkordeon passen gut zusammen, sogar perfekt. Neuerung geglückt, würde ich sagen.
Ansonsten schwingt das Album zwischen Folk, Blues und countrylastigen Elementen ("This dream of you"), beides Genres die Dylan Fans wohl bekannt sind und die nach wie vor gut funktionieren. Er schafft es sich selbst treu zu bleiben, teilweise in dem er sich eng an bereits dagewesenes hält (so könnte z.B. "I feel a Change comin' on" bereits vor 40 Jahren geschrieben worden sein) und kombiniert dieses Altbekannte mit neuen Klängen und seiner wunderbar, gealterten Stimme (man möchte ja kaum glauben das Herr Dylan bereits 67 ist).
Nun, den ein oder anderen Wehmutstropfen gibt es natürlich trotzdem zu beklagen. Dylan holte sich einen Co-Autor für dieses Album zu Hilfe. Da ist es kein Trost zu wissen, das diese Co-Autor bereits mit Dylan zusammengearbeitet hat, nein, man fragt sich nur warum einer der genialsten Songschreiber einen Co-Autor braucht? Einfallslosigkeit? Aber sollte man ein Album veröffentlichen wenn einem nichts einfällt? Außerdem fehlen mir die wirklichen, intensiven Lichtblicke musikalischer Art. Obwohl Dylan ein stimmiges Album geschaffen hat, ohne Totalausfälle, fehlt ein "Ballad of a Thin Man" oder "Tangled up in Blue". Also mir zumindest...
Daher gibt es:
Drei von Fünf (imaginären ) Sternen
Zum reinhören der sehr gute Eröffnungstitel:

Zu spielen beginnt er im Dunkeln: "Where is my Power?" Ich würde sagen: ganz klar in deiner Stimme, lieber Antony. Danach stimmt er "Her eyes are underneath the ground" an, es wird langsam etwas heller um ihn. Und schon nach diesem Lied sind 2 Dinge unmissverstädlich klar: 1) Dies wird ein Konzert der Extraklasse und 2) das Publikum ist super und liebt Antony. Schon jetzt gibt es Füßegetrampel, wildes Jubeln und Klatschen. Und Antony, der freut sich sichtlich. Weiter geht es mit zwei weiteren Songs seines letzten Werks: "Epilepsy is Dancing" und "One Dove". Natürlich muss spätestens jetzt erwähnt werden, dass Antony das Konzert natürlich cniht alleine bestreitet. Mit ihm sind sech ausgezeichnete Musiker auf der Bühne, so wird seine Musik untermalt von Cello und Geigenklängen, Saxophon, Klarinette, Gitarren, Bass, Schlagzeug und natürlich dem Flügel. Allerspätestens als er dann "For today I am a boy" anstimmt, sind beim Publikum alle Dämme gebrochen. Und langsam wird er gesprächiger, so kommt zuerst ein leises "I keep imagining women flying by on the trapeze". Später erklärt er dann: "This concert shouldn't be here at first but then my tourmanager said: Antony, there's a circus in town and i knew it would be perfect." Recht hat er. In den kommenden 1 1/2 Stunden folgen "Shake that devil"+Improv (Ich liebe dieses Lied und live hat es richtig Spaß gemacht auch wenn es mir schwer fiel, nicht mitzutanzen und auf meinem Stuhl gefesselt zu sein), "Kiss my Name", "You are my Sister", "Another World", "Everglade", "Fell in love with a dead boy" (ebenfalls eins meiner allerliebsten Antony Lieder. Auch immer wieder interessant mitzuerleben wie schlecht Menschen mit einer etwas längeren stillen Phase umgehen können, nämlich gar nicht. Dabei gehört das zu diesem Lied. Wie kann man dann da reinquatschen?), "The Crying Light" (wunderschön), "Fistful of Love" (ein weiterer Publikumsknüller. Manchmal frag ich mich warum fast alle die selben Songs lieben und wie ein Hype um einen Song entsteht? Und warum die neuen Stücke von diesem Hype verschont blieben...) und "Aeon", mein Favorit des neuen Albums. Und ja: "Oh i love that man so much!". An diesem Abend liebten alle Antony. Klar war, dass nach diesen frenetischen Appläusen während des Konzerts und natürlich dem Schlussapplaus eine tolle Zugabe sein muss. Es wurden dann sogar drei: "Cripple & the Starfish" (so wunderschön), "Hope Mountain" ("This song is about Jesus returning, but as a girl. Maybe from Afghanistan. I don't know.(...)Well, don't get me wrong, i'm not a christian, i'm a witch.") und (natürlich und Gott sei Dank) "Hope there's Someone". Welch Abschluss für diesen magischen Abend. Ja, irgendwie wie als Kind im Zirkus fühlte man sich. Aufgeregt, verzaubert, glücklich. Und das es nicht nur mir so ging zeigte der minutenlang andauernde Applaus, der selbst nicht abebbte als das Licht anging und die Musik...
Würde ich versuchen, beide in ein Genre zu packen, käme vielleicht etwas wie alternative-lofi-americana-singersongwriterfolkrock heraus. Stimmlich erinnert Begushkin an Will Oldham, jedoch singt er deutlich kräftiger und druckvoller. Spektakuläre Melodien, eine reiche Instrumentierung und eine Vielzahl an neuen Ideen und Wendungen sind in die verschiedenen Titel eingebaut. Von der Stimmung her wären sowohl Nightly Things als auch King’s Curse der wahrscheinlich perfekte Soundtrack für einen Abend in der Wüste (übrigens: besonders passend dazu das Lied Death Valley mit beinahe orientalischer Instrumentierung und einer wunderschönen Frauenstimme im Hintergrund). Zu meiner Freude kommt noch hinzu, dass sowohl das Schlagzeug, als auch die Gitarren oft an die großen Bands der 70er Jahre erinnern, womit dann noch wirklich der Kirsche auf dem Sahnehäubchen eine Portion Schokostreusel aufgesetzt wird. Beide Alben fordern bestimmt einige Arbeit des Hörers ein, denn das Songwriting ist nicht immer gleich eingängig. Wer sich aber auf die Musik einlässt, wird reich belohnt. 
Nun, gegen 21:45 Uhr war es dann (endlich) so weit: das südafrikanische Trio hatte sich zu diesem Abend die Verstärkung einer Bratschistin(sp?) geholt (Jay oder Jane wenn ich es richtig verstanden habe).
Als zweites Lied der Zugabe folgte dann etwas, auf das wohl viele hofften, ein neuer Song. Und den kann man als genauso gut werten als die bisher dagewesenen. Und obwohl es noch etwas verfrüht erscheint: ich freue mich auf eine neues Album! Mehr, mehr, mehr sag ich da nur.



