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Donnerstag, 23. September 2010

#57 Neu auf den Ohren: My Sister Grenadine - Subtitles & Paper Planes

Bei Musik aus Deutschland denke ich für gewöhnlich mit einigem Grauen an sogenannte "Künstler" wie Rosenstolz, Ich & Ich, Xavier Naidoo usw. Dass es aber auch gute Musik diesseits der Grenzen gibt, beweist Vincenz Kokot, alias My Sister Grenadine. Wurde das Debutalbum im Jahr 2008 bereits mit viel Lob überhäuft und als neue Singer/Songwriter-Hoffnung deklariert, ist der Zweitling noch einmal ein großer Schritt nach vorn. "Subtitles & Paper Planes" ist ein in zwei Hälften geteiltes Werk geworden. Zum einen ein zauberhaftes akustisches Album unter Trio-Besetzung mit Ukulele, Geige, Glockenspiel und Trompete. Zum anderen ein Album mit verschachtelten Klängen von E-Gitarre, Beats und Synthesizern. Was hier nun sehr gegensätzlich klingt, wirkt in Form eines Doppelalbums in Ergänzung zueinander aber durchaus stimmig. Wie ein roter Faden zieht sich Kokot’s warme, an Sufjan Stevens erinnernde Stimme durch die beiden Teile. Die Musik wirkt zeitweise so zart und fragil, dass sich erst nach mehrmaligem Hören vollständig im Gehör festigt. Ein Album also, für das man sich Zeit nehmen sollte und es sich wie ein gutes Essen in all seinen Nuancen langsam auf der Zunge zergehen lassen sollte. Demjenigen, der diesem Rat folgt, werden sich traumhafte neue Klangwelten öffnen.
Anspieltipps: "Shine In The Dark", "At Night I Fall Asleep", "Snapshot Song".

Und ein sehr hübsches Video:

Freitag, 26. Februar 2010

#52 Neu auf den Ohren: Joanna Newsom

Dies wird die kürzeste und vielleicht deutlichste Rezension die ich je schreiben werde. Zu Have One on Me, dem neuen Album von Joanna Newsom,  kann man vieles sagen, oder eben gar nichts, so ungreifbar, so schwierig ist es das Dreieralbum in Worte zu fassen. Nur so viel: Es ist an Virtuosität, Ideen- und Abwechslungsreichtum und Brillanz wohl kaum zu übertreffen.

Daher: Danke, Joanna für eines der besten Alben die je erschienen sind. Wer mehr wissen möchte, was niemandem zu verübeln wäre, dem rate ich es zu hören und dann nochmal zu hören und nochmal.

Zehn von Zehn Sternen und wenn es mehr gäbe hätte dieses Album sie verdient.

Sonntag, 13. Dezember 2009

#49 Neu auf den Ohren: Minor Majority - Either Way I Think You Know

Das neuste Album Either Way i Think You Know der norwegischen Herrenband Minor Majority erschien bereits im Oktober in den nordischen Ländern. Eine wirkliche Erklärung warum das Werk erst ab Ende Januar in Deutschland und anderen Länder zu haben sein wird gibt es wohl nicht. Die Freude das Album aber endlich hören zu können ist natürlich groß.

Ich nehme gleich vorweg: das Album ist zwar gut, kommt aber bei weitem nicht an Vorgänger wie Walking Home from Nicole S heran. Aber an was liegt das?

Zuersteinmal: Minor Majority sind bekannt für wunderbare Melodien, die sanfte Stimme des Sängers Pal Angelskar und vor allem sind ihrer Titel schlicht gehalten, so dass Text und Gesang immer im Mittelpunkt stehen. Doch gerade da hakt es bei Either Way I Think you Know. Alles ist irgendwie voller, produzierter. Die geniale Einfachheit der Vorgänger ging irgendwo im Studio verloren. Auch die Texte scheinen irgendwie stupider, wiederholender. Da vermisst man doch grandiose Zeilen wie: "the atlantic sea may be a killer of dreams if what you want is a swimming pool".

Trotzdem kann man das neuste Werk der Norweger nicht als schlecht bezeichnen. Es ist nach wie vor bodenständig, auch wenn die Prioritäten verlagert wurden. So hört man z.B. kaum noch auf den Text wegen der Instrumentenübermacht, die auch durch Streicher und mehr ergänzt wurde. Trotzdem finden sich Titel sie wunderbarer kaum sein könnten, so zum Beispiel "Dance".

Daher: Anhören lohnt sich trotz allem, auch wenn es nicht ebenbürtig zu seinen Vorgängern ist.

Es gibt sechs von zehn Sternen

Samstag, 7. November 2009

#48 Neu auf den Ohren: Tori Amos - Midwinter Graces

Die Wintertrilogie findet ihr Ende und zwar mit Tori Amos' nächste Woche erscheinendem Album "Midwinter Graces".

Lesern dieses Blogs könnte schon aufgefallen sein, dass hier eine große Tori-philie herrscht, auch wenn das Verhältnis von uns zu Tori in den letzten Jahren oft ein von Krisen geprägtes war. Nach dem Bekanntwerden der Veröffentlichung eines Weihnachtsalbums herrschte große Skepsis und fragende Blicke. So kann das etwas zerrüttete Verhältnis wohl nicht gekittet werden, wurde da gedacht. Oder etwa doch?

Obwohl Tori Amos zur genüge betont (genauer gesagt in jedem Interview), dass sie die Tochter eines Pfarrer ist, schien eine Weihnachts CD so gut zu ihr zu passen wie Sahne mit Gurke. Klar, aus genanntem Anlass gab es schon immer eine starke Verbindung zwischen Tori und Religion, doch meist äußerte sie sich darüber eher negativ. Als dann noch das sehr pathetische Cover veröffentlicht wurde war für mich schon fast jede Hoffnung verloren.

Doch nun zu "Midwinter Graces". Zuerst fällt positiv auf, dass es sich um eine CD mit einer normalen Titelanzahl handelt. Aha, das ist also auch bei der in Cornwall lebenden Musikerin noch möglich. Bei den ersten zögerlichen Hörversuchen wurde schnell klar, dass es sich um ein sehr stimmungsvolles, wenn auch nicht unbedingt typisches Weihnachtsalbum handelt. Mit Tori-typischen Arrangements, stimmlichen Feinheiten und natürlich dem Piano besticht dieses Album und zwingt fast zu einem nochmaligen Abspielen. Absolut positiv muss gesagt werden, dass typische Weihnachtslieder (Jingle Bells und Konsorten) ausgespart wurden. Zusammen mit klassischen Weihnachtsliedern gesellen sich eigene Kompositionen.

Auch hier holt sie sich wie üblich Unterstützung von ihrem Ehemann Marc Hawley, Matt Chamberlain, Jon Evans und Mac Aladdin. Außerdem wird sie von einer Big Band (hier wohl der sehr jazzige Titel "Pink and Glitter" zu erwähnen) und einem Orchester. Besonders muss noch auf die stimmliche Unterstützung ihrer Tochter Tash ("Holly, Ivy and Rose") und ihrer Nichte ("Candle: Coventry Carol") hingewiesen werden. Trotz Primborium klingen die meisten der Lieder nicht überproduziert, wenn natürlich aber weihnachtlich.

Obwohl mir nicht klar ist, warum Tori Amos sich nun entschlossen hat ein Weihnachtsalbum aufzunehmen und zu veröffentlichen, so bin ich doch angetan. Besonders erwähnenswert ist einer der selbstgeschriebenen Titel: "Winter's Carol". Obwohl ein Weihnachtslied ist es einer der gelungensten Titel der letzten Jahre. Die Arrangements sind schlicht genial und stimmlich bleiben keine Wünsche offen. Zu erwähnen ist außerdem das Cembalo, dasss bei "What Child, Nowell" ein Comeback feiert (endlich). Fast wie zu "Boys for Pele" Zeiten...

So verbleibe ich nicht mit meinen eigenen Worten, sondern denen eines Kommentars bei last.fm der mich zum Schmunzeln brachte, dem ich aber weitestgehend zustimme: "erm...WTF !? this is so WRONG Tori, we wanted u to fuk it up so we could LAUGH at you...then you went ahead and totally delivered the best christmas album ever, WTF ? thank you babe...thank you."

So, es gibt überraschend gute Vier von Fünf (imaginären aber sehr weihnachtlichen) Sternen


Sonntag, 1. November 2009

#47 Neu auf den Ohren: Sting - If on a Winter's Night

Wie versprochen geht es weiter mit den winterlichen Veröffentlichungen, auch wenn Stings "If on a Winter's Night" deutlich erfreulicher ausfällt als Bob Dylans musikalischer Erguss zur kalten Jahreszeit.

Sting scheint sich auch mit dem kürzlich erschienenen Album treu bleiben zu können. So zeigte er schon mit "Songs from the Labyrinth" das er sich für klassische englische Musik interessiert. Auch auf "If on a Winter's Night" zeigt er wieder seine Vorliebe für die Musik der Inseln, wenn auch mit winterlichem / weihnachtlichem Bezug und einer zeitlichen Verteilung der Titel über die verschiedenen Jahrhunderte. 

Zusammen mit  zwei eigenen Songs "Lullaby For An Anxious Child" und "Hounds Of Winter" finden sich zwei Titel des englischen Barock-Komponisten Henry Purcell, genauso wie eine eigene Übersetzung von Schuberts "Leierkastenmann" und natürlich vieles mehr. 

Um das winterliche Gefühl der britischen Inseln wirklich rüberbringen zu können, wird in manchen Titeln fröhlich gefidelt (sehr zu empfehlen: "Soul Cake") andere sind klassisch interpretiert usw. So zeigt uns der ehemalige Police Frontmann eine Bandbreite winterlicher Lieder, ohne sich jedoch zu den typischen Weihnachtsliedern hinreißen zu lassen.

Sting selbst beschreibt, dass sein Album das Doppelschneidige an Weihanchten zeigen soll: "I think the winter has this almost gravitational pull to someplace warm, cozy -- like home or the church, but for people who can't make it home or have no home to go to, it's "the worst time of year. I think the album wants to balance those two things." Umso verständlicher, dass sich fröhliches und traurig-schauriges abwechseln. 

Um es kurz zu machen: ein wirklich stimmungsvolles Winteralbum. Wem "Songs from the Labyrinth" gefallen hat und sich gern von Stings weicher und warmer Stimme einlullen lassen will, der wird, denke ich, an "If on a Winter's Night" auch seine Freude haben.

Daher:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen



Samstag, 24. Oktober 2009

#45 Neu auf den Ohren: Mumford & Sons - Sigh No More

Bevor ich mich in den nächsten Wochen ausführlich über Winterliche- bzw. Weihnachtsveröffentlichungen auslassen werde, stelle ich euch nun aber noch einen heißen Anwärter aud die CD des Jahres vor: Mumford & Sons mit ihrer Debutplatte "Sigh No More".

Die EP liess schon im Vorfeld hoffen, doch diese Hoffnung haben die vier Herren aus London weit übertroffen. Okay, da sie aus dem musikalischen Umfeld von Laura Marling oder Noah and the Whale kommen, ist dies vielleicht für einige keine größere Überraschung, doch wer hätte gedacht, dass sie ihre musikalischen Kollegen sogar übertreffen?

Mit einer Mischung aus Bluegrass, Alternative und Folk zeigen sie nun was sie können. Das heißt im Klartext: viel Gitarre und Banjo, Kontrabass und Quetsche. Vereinzelt findet man dann auch noch weitere Streicher, Klavier, Trompeten u.ä. 

Althergebrachtes lassen Mumford & Sons mit ihrer Instrumentierung wiederaufleben, selten hört man heute so viel Banjo auf einer neuen CD. Trotzdem führen sie es in die heutige Zeit, drücken ihrer Musik einen ganz eigenen Stempel auf: Wiedererkennungwert = 100%

Die zwölf Titel des Albums glänzen durch eine Verschiedenheit, jedes steht für sich und ist gleich wichtig. Schnell merkt man aber doch, dass trotzdem alles zusammenhängt, dass es sich lohnt alles in einem Lauf zu hören, dass es bei jedem Hören wächst. Gemeinsam haben alle Titel eins: sie sind stark melodiös, und hier ist es egal ob es eine schnelles oder langsames Lied ist, ob es um Liebe oder Schmerz geht... Außerdem wird alles zusammengehalten durch die raue und doch eingängige Stimme von Marcus Mumford, zu der mir kein geeigneter Vergleich einfällt (Jan Wigger schreibt auf spiegelonline zwar, dass er sich nach Michael Stipe anhört, das finde ich aber in keinem Fall). 

"Sigh no More" hat etwas Erhabenes, etwas Perfektes da alles passt, da es rein gar nichts auszusetzen gibt. Ein Album zum mitreißen lassen.  Die erste Single "Little Lion Man" reißt mit und doch, müsste ich eine Favoriten wählen, dann wäre es das einfach perfekte "White Blank Page"

Für ein perfektes Album (ja, das gibt es) gibt es natürlich

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen



Samstag, 17. Oktober 2009

#44 Neu auf den Ohren: Rykarda Parasol - For Blood And Wine

Für alle, die keine Lust haben, sich in der kalten Jahreszeit gemütlich auf dem Sofa zu aalen: wie wäre es mit einer Dosis selbstauferlegter Gänsehaut? Da wüsste ich jemanden: Rykarda Parasol. Die Frau heißt wirklich so, und genau so exotisch wie ihr Name ist auch die Musik auf ihrem zweiten Vollwerk. Die Stimme - meist sehr tief, mal brüchig, meist aber selbstbewusst, geradezu breitbeinig daherstampfend, erinnert oft an Patti Smith oder PJ Harvey. Die Musik von einer Düsternis, die einen Nick Cave neidisch machen könnte, handelt hauptsächlich von Verlust und Tod. Nein, fröhlich oder leicht verdaulich ist die Musik von Rykarda Parasol, die sie selbst als „Rock Noir“ bezeichnet, gewiss nicht. Im Opener „The Road Is Long“ bereitet sie uns vor:

The road is long with treachery
It winds just like a drunken snake
I walk the rue without care of bother
Though behind every bend I know
Evil follows me down

Inmitten all der Hoffnungslosigkeit, Bitterkeit, Zerissenheit, kurz: dem Unheil, schafft es die zierliche Blondine aus San Francisco noch, ihre Gefühle in wundervolle, teilweise melancholisch schwermütige, teils rumpelnde Melodien einzubetten, denen man spätestens nach dem zweiten Hören völlig erliegt. 16 verstörend und gleichzeitig fesselnde Stücke sind auf „For Blood And Wine“ vereint, das am 20. Oktober erscheinen wird. Für alle Fans des Folk (oder Rock) Noir, die auch gerne Woven Hand, Marissa Nadler, Emily Jane White, PJ Harvey usw. hören, ist dieses Album auf jeden Fall einen Versuch wert. Von mir gibt’s dafür 4 Sterne.
Hier die Website (die sich auf jeden Fall allein der eingestellten Texte wegen lohnt) und natürlich Myspace.


Donnerstag, 15. Oktober 2009

#43 Neu auf den Ohren: Josephine Foster - Graphic as a Star

Vertonte Emily Dickinson Gedichte kennt man vielleicht schon von Natalie Merchant oder Carla Bruni oder, oder...doch Josephine Foster treibt dies mit ihrem neuen Album "Graphic As A Star" auf die Spitze. Ganze 27 Titel (gut, kurze Titel, aber immerhin) die allesamt von den Werken der Dichterin inspiriert sind.

Das Album entstand in einem abgelegenen Dorf irgendwo in Spanien. Eindrucksvoll hört man die Ruhe und Abgeschiedenheit in jedem der Titel des Albums. Man sieht die Sängerin aus Colorado schon fast vor sich, wie sie mit Gedichtbänden und ihrer Gitarre auf einer sonnenbeschienen Terrasse sitzt, so heimelig hört sich das alles an.

Trotzdem hat sich Josephine Foster hier natürlich eine schwere Aufgabe gestellt. Emily Dickinsons schwermütige, intensive Gedicht zu vertonen ist kaum möglich. Durch klare Reduktion auf das Wesentliche gelingt es ihr aber doch. So dominiert die Stimme, teilweise a capella, teilweise mit sanfter Gitarre untermalt, dann noch selten etwas Mundharmonika und fertig. So entstand ein extrem ruhiges, getragenes Album in dessen Mittelpunkt natürlich die Sprache Emily Dickinsons steht, aber auch Josephine Fosters schwingende Stimme, die sich wohl am ehesten in die Richtung der von Joni Mitchells einordnen ließe.

"Graphic As A Star" ist sicherlich kein Album für jedermann, zu speziell das Thema und die Stimme der Sängerin. Doch wenn es gelingt sich dafür zu begeistern, dann kann man schöne Stunden mit dem Hören des Werkes verbringen. Passend zur Jahreszeit ist es allemal.

Dreikommafünf von Fünf Sternen

Donnerstag, 8. Oktober 2009

#42 Neu auf den Ohren: David Gray - Draw The Line

Schwarztee mit Milch. Die Assoziation taucht plötzlich und unauslöschlich vor meinem inneren Auge auf, während ich mir das neue Album von David Gray anhöre. Liegt es womöglich daran, dass der Mensch nun, zu Beginn der kalten Jahreszeit, unweigerlich etwas mehr Wärme braucht? Ist es das Bittersüße, welches beide verbindet? Das Zeitlose? Auf jeden Fall durchströmt mich ein wohliges Gefühl, schon bei den ersten Schlucken – Pardon – Minuten, in denen ich mich dem bereits 8. Studioalbum von David Gray widme. Was ich erwartet hatte? Nach den meiner Ansicht nach etwas zu lasch geratenen beiden Vorgängern hoffte ich nicht unbedingt auf den großen Wurf. Zunehmender Bekanntheitsgrad (unter anderem) über diverse Beiträge auf Soundtracks brachten eine unweigerliche Kommerzialisierung mit sich und drohten, die Intimität, die David Gray zwischen sich und seinen Hörern aufgebaut hatte, zunichte zu machen. Doch da gibt es eine Konstante: diese Stimme, die aus Hunderten herausstechen würde, die gleichzeitig Verletzlichkeit und Stärke ausdrückt. Von dieser lebt nun auch Draw The Line, doch dieses Mal balanciert der Brite geübter zwischen den Welten aus Kunst und Konsum. Bestes Beispiel: für "Full Steam" holt er sich als Duettpartnerin das Pop-Urgestein Annie Lennox ins Boot, für "Kathleen" die eher unbekannte (aber wunderbare) Folksängerin Jolie Holland. So vereinen sich auf Draw The Line eingängige, aber nicht minder anspruchsvolle Titel, mit denen David Gray bestätigt, dass er einer der besten Singer/Songwriter der Gegenwart ist. Neugierigen, Suchenden, und auch Zweiflern möchte ich mit allem Nachdruck empfehlen, dem Werk einige Aufmerksamkeit zu schenken, die sich gewiss lohnen wird. Als Anspieltipps fällt meine Wahl auf das Titelstück "Draw The Line", "Kathleen" (zum Glück hatte die erste Wahl Dolly Parton keine Zeit!) und "Jackdaw".
Vielmehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – eine persönliche Sache vielleicht noch: als ich im zarten Alter von 14 Jahren zum Schüleraustausch in England weilte, hörte ich zum ersten die Musik von David Gray. Und ich trank zum ersten Mal richtigen Schwarztee mit Milch. So schließt sich dann doch noch der Kreis…
Es fehlt noch zu sagen: 5 Sterne, natürlich!

Hier noch, wie gewohnt Myspace.
Und ein hochoffizielles Video.


Sonntag, 4. Oktober 2009

#41 Neu auf den Ohren: Emily Jane White - Victorian America

Zugegeben, beim neuen Album von Emily Jane White bleibt das Meiste, wie wir es bereits vom Debut kennen - genauso gut eben.

"Victorian America" ist nun nach knapp zwei Jahren der Nachfolger ihres Debuts "Dark Undercoat". Dass genug Material für ein neues Album bereits bestehe, das dürften Konzertbesucher schon längst bemerkt haben, so spielte sie schon viele der Titel des neuen Albums während des letzten Jahrs live.

Emily Jane White bleibt sich treu auf dem neuen Werk. Nach wie vor zählt das Düstere, ihre spröde, ruhige Stimme etwas Akustikgitarre, Cello und Klavier. Das ist das Rezept der jungen Musikerin und es geht wieder auf. Neu dazugekommen ist lediglich die Pedal Steel Guitar, die einige der Lieder dezent untermalt.

Zwischen sehr ruhigen, sanften Titeln wie beispielsweise "Never Dead" oder "Ghost of a Horse" finden sich immer wieder melodiöse, abwechslungsreiche Stücke wie  das grandiose "Stairs" oder "Liza". Auch diese abwechslungsreiche Kombination kennen wir schon von ihrem Debut.

Obwohl vieles schon bekannt, vieles irgendwie ähnlich zu "Dark Undercoat", schafft Frau White mit "Victorian America" ein wunderbareres, stimmungsvolles und düsteres zweites Album, das bei der Fangemeinde wieder großen Anklang finden sollte. Die Musikerin wird mit dem neuen Album keinesfalls schlechter, das muss klar gesagt werden.

Ein Album zum Genießen und vielfachen Hören, daher

Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Gerade ist Emily Jane White übrigens auf Tour,  es gibt auch deutsche Daten. Es lohnt sich!


Sonntag, 27. September 2009

#40 Neu auf den Ohren: Noah and the Whale - The First Days of Spring

Ganz selten gelingt es einer Band, sich mit dem zweiten Album neu zu erfinden, eine neue Richtung einzuschlagen, ohne dabei grausam unterzugehen.

Der britischen Band Noah and the Whale ist aber genau dies gelungen. Während ihr Debutalbum "Peaceful the World lays me Down" richig schönen Indiefolk/-pop darbot, und vor allem auch durch "Gute-Laune-Songs" wie "2 Atoms in a Molecule" glänzte, ist "The First Days of Spring" ein ruhiges, melancholisches Album, bei dem es vor allem um gebrochene Herzen, um Leben die sich verändern, um Trauer geht. Liebeskummer vom feinsten also. Doch wer nun klischeemäßig an schnulzige, schleimige Balladen denkt, liegt falsch.

Denn neben der vielen Trauer einer gescheiterten Beziehung bietet das Album wesentlich mehr, nämlich die Botschaft, dass alles irgendwann wieder besser wird und zwar immer. So wird in vielen der Titeln der Abschied, das Ende einer Liebe beschrieben, mit Sätzen wie: "I'll be lonely, Oh i'll be lonely - again". Diese Art der Texte könnte man zur Genüge zitieren, hier wird Trauer richitggehend zelebriert. Aber zu Beachten ist, wie das Album endet, nämlich mit dem Titel "My door is always open", der, genau wie die erste Single "Blue Skies", an das Weitermachen appeliert.

Musikalisch ist das Album sehr zurückhaltend. So wird zur Akustikgitarre gesungen ohne viel tamtam. Auch das Klavier hat einen festen Platz auf dem neuen Werk, neben den typischen Instrumenten natürlich. So wird die durchgehend mlancholische Stimmung bestens untermalt. Doch wenn man glaubt das Album langsam zu durchschauen, dann taucht plötzlich feinste Klassik auf, so in "Instrumental I". Und weil das noch nicht genug ist wird auch noch ein Chor aufgefahren. Doch auch hier gelingt es der Band, nicht ins kitschig-klischeehafte abzurutschen und das ist nun wirklich eine Leistung. Und wer jetzt denkt, auf dem Album wären ausschließlich ruhige, traurige Nummern, der wird mit "Love of an Orchestra" vom Gegenteil überzeugt.

Getragen wird "The First Days of Spring" aber von einer ganz bestimmten Stimme und zwar der von Charlie Fink. Endlich mal wieder eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Und dann noch dieser Akzent...da muss man nicht mehr viel sagen außer:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Mittwoch, 23. September 2009

#38 Neu auf den Ohren: Alela Diane feat. Alina Hardin - Alela & Alina

Nach dem in diesem Jahr erschienenen Album "To Be Still" überrascht uns Alela Diane nun mit einer EP, die sie zusammen mit ihrer Musikerfreundin Alina Hardin aufgenommen hat.

Wer die beiden live erleben durfte, weiß, wie harmonisch die Stimmen der beiden Frauen aus Nevada passen, wie schön sie zusammen klingen. Auf der EP, die einfach "Alela & Alina" heißt, zeigen die Beiden ebendies.

Die beiden traditionellen Lieder "Matty Groves" (könnte man schon von Fairport Convention oder Joan Baez kennen) und "Bowling Green" (ursprünglich von den Everly Brothers, aber wohl bekannter von Neko Case oder Devon Sproule), teilen sich den Platz nicht nur mit dem Townes van Zandt Cover "Rake", sondern auch mit drei niegelnagelneuen Titeln "Amidst The Movement", "Crying Wolf" und "I Have Returned".

Was soll man sagen, Alela bleibt sich auf dieser EP treu. Die Klänge und Texte sind schön wie eh und je. Ms Diane und auch Ms Hardin (die soweit ich das überblicken kann "Crying Wolf" geschrieben hat)  enttäuschen auch diesmal nicht. Eine wunderbare, wenn auch eher stille, EP die einen da erwartet. 

Zu erwerben gibts das unbedingt empfehlenswerte Stück ab dem 06.10. aber "nur" als Vinyl oder Download. Also bitte: Plattenspieler raus und auflegen.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Matty Groves!

Montag, 14. September 2009

#13 Konzert: Cecile Corbel - Schaffhausen (CH)

Obwohl wir beide bisher wenig von Cecile Corbel kannten, liessen wir uns gerne überreden, zum Konzert im Kammgarn in Schaffhausen zu gehen. Nur so viel wussten wir: Cecile Corbel spielt - ähnlich wie Alan Stivell - auf der keltischen Harfe und stammt aus der Bretagne. In gemütlicher Café/Bar Atmosphäre ging es pünktlich um 21 Uhr los. In Begleitung von zwei Herren kam Cecile Corbel, ganz in Schwarz, jedoch mit langen, feuerroten Haaren auf die Bühne. Es sollte ein multikultureller Abend werden: der Vortrag in verschiedenen Sprachen - französisch, englisch, spanisch und natürlich bretonisch, die Musik aus den verschiedensten Ländern - Irland, England, Israel, Spanien und vielen mehr.  Begleitet wurde die 29-jährige von Gitarre und E-Bass.

Gleich zu Beginn sind wir überrascht von Corbels Virtuosität beim Harfenspiel, die sie übrigens erst in ihrer Jugend zu spielen begann. Da fliegen die Finger über die 34 Saiten, während ihr nackter Fuß den Takt mitwippt. Ihre weiche und kraftvolle Stimme, irgendwo zwischen Kate Bush, aber nicht ganz so schrill und Loreena McKennitt erfreut das Publikum, vor allem dass sie besser klingt als Hörproben erahnen lassen.

Alles in allem ist der Abend in Schaffhausen ein ruhiger Abend, so sind vor allem Balladen auf dem Programm der Musikerin, doch für keltische Musik ist das ja nicht ungewöhnlich.  Traditionelle Lieder der Bretagne und aus Irland (so u.a. auch eine aufgepeppte Version von "She moved through the Fair") wechseln sich mit selbsgeschriebenen ab, so etwa "Mary", ein Lied über die einzige weibliche Piratin des 18. Jahrhunderts. Überhaupt fällt auf das sich Cecile Corbel gerne mit den verschiedensten Frauen auseinandersetzt. So hört man von Hexen, oder von "Sally free and Easy", einer Frau mit einem Faible für Seemänner.

Wer einen stimmungsvollen Abend erleben möchte und der keltischen Musik nicht abgeneigt ist, dem empfehlen wir wärmstens Cecile Corbel live zu erleben, momentan ist sie auf Deutschlandtour. Auch wärmstens zu empfehlen sind ihre CD's "Songbook Vol. 1 + 2" und “Harpe Celtique et Chants du Monde".

 

Mittwoch, 9. September 2009

#2 Verschiedenes: Matt Bauer

Matt Bauer

Kentucky: bekannt für heiße Sommer, blühende Grasweiden und Vollblutpferde. Eben diese Pferde benennt der dort geborene Matt Bauer als wichtige Einflüsse für seine Musik und sein Leben. Neben den Pferden finden auch musikalische Größen wie etwa der frühe David Bowie oder Nina Nastasia auf dieser Liste platzt. Doch wie gehen Pferde und David Bowie zusammen? Und wie hört sich ein Musiker an, der von Pferden beeinflusst wird?

Doch schon beim Hören der ersten Klänge wird vieles klar. Ein Banjo, so schön und düster. Dann eine Stimme, so warm und angenehm, dass der Hörer unwillkürlich aufhorcht. In der eigenen Vorstellung befindet man sich schnell in Kentucky, auf einer Weide, an einem Strohhalm kauend und von Pferden umgeben. Über den Musiker mit dem ausladenden Bart á la Iron & Wine oder Bonnie `Prince` Billy, zu denen es im Übrigen auch starke musikalische Parallelen gibt, ist wenig bekannt. Was man kennt ist seine Musik, zu hören auf den beiden Alben „Nandina“ (2004) und „The Island Moved In The Storm“ (2008), sowie auf der EP „Wasps And White Roses“ (2006).

Musik machte Matt Bauer schon sein ganzes Leben lang. Aufgeben wollte er sie schon in einer unglücklichen, einsamen Phase seines Lebens, doch dann brachte er sich selbst das Banjo spielen bei und alles änderte sich. „It was something I could do everyday that made me feel alive.” Daher ist es nur logisch, dass das Banjo von da an Matt Bauers Haupt- und Lieblingsinstrument wurde.

Musikalisch wäre Matt Bauer am Besten in der Kategorie Folk, oder vielleicht präziser „Dark Folk“ (ein Begriff der spätestens seit 16 Horsepower kursiert), aufgehoben. Zwar mag der ein oder andere bei dem Begriff Banjo sofort an Country oder Western denken lassen, doch Matt Bauer könnte nicht weiter davon entfernt sein mit seinen fragilen Banjoklängen und der leisen, fast schon isoliert wirkenden Stimme. Durchbrochen wird dieses Schema von einigen Songs die melodiös und fröhlich daherkommen, so etwa seine Version des Amerikanischen Folksongs „Sea Lion Woman“ (das seit Feist wohl allgemein bekannt ist).

Nachdem er zu Beginn des Jahres mit Alela Diane in Frankreich und den Niederlanden tourte, dürfte sein Bekanntheitsgrad gewachsen und seine Fangemeinde sich erweitert haben. Matt Bauers Siegeszug hat gerade erst begonnen ist aber sicherlich noch nicht zu Ende. Wie sollte er auch, bei diesen wunderbaren Banjoklängen?

Dienstag, 25. August 2009

#37 Neu auf den Ohren: Dolores O'Riordan - No Baggage

Wer erinnert sich nicht an die gloriosen Zeiten der Cranberries. Natürlich an "Zombie" aber auch an starke, wunderschöne Titel wie etwa "Empty"

Neu auf den Ohren gibt es jetzt das zweite Studioalbum der ehemaligen Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan "No Baggage".

Wie gerne würde ich nun schreiben, das O'Riordans stimmliche Stärke und Besonderheiten dieses Album zu etwas wunderbarem machen, dass sie solo an die Cranberries Zeiten anknüpfen kann, oder zumindest an ihr erstes Soloalbum. Doch leider ist das genaue Gegenteil der Fall. 

"No Baggage" ist ein überproduziertes, schludriges Popalbum geworden. O'Riordans Stimme, das Erkennungsmerkmal schlechthin, ist absolut in den Hintergrund gerückt und wirkt so unscheinbar wie sie nur wirken kann. Auch Instrumental ist das Album überladen, so wird alles in Grund und Boden gespielt. Eine feine Instrumentenauswahl scheint nicht stattgefunden zu haben, daher wirkt alles gleichförmig und langweilig. Der reinste Einheitsbrei. Ums deutlich zu sagen: Viel zu viel "Baggage" hat sich Frau O'Riordan da aufgeladen. 

Kurz gesagt: dieses Album fügt sich wunderbar in die unscheinbare Musik schlechter Radiosender ein, taugt auch sicher als Hintergrundmusik in Cafés oder zum Bügeln, ernsthaft als gut kann man es aber nicht bezeichnen. Genauer gesagt findet sich nicht ein einziger Lichtblick, kein einziger Titel lässt aufhorchen.

Daher:

Nullkommafünf von Fünf (imaginären) Sternen

Freitag, 21. August 2009

#36 Neu auf den Ohren: Jordie Lane - Sleeping Patterns

Irgendwie muss es am Bart liegen. Musikalität meine ich. So wundert es nicht, dass nach großartigen bärtigen Künstlern wie Bonnie `Prince` Billy, Iron and Wine, City and Colour etc etc auch dieser junge Herr zu den begnadeten Singer- und Songwritern gehört. "Sleeping Patterns" ist Jordie Lanes Erstlingswerk (abgesehen von zwei EPs), aber was für eins. Selten findet man eine solche musikalische Perle.

Der junge Melbourner überzeugt von der ersten Minute an. Okay, zugegeben, da im Eröffnungstrack "The publican's Daughter" gleich ein Banjo vorkommt, fällt es mir, als großer Banjofan gleich leichter, bei der Stange zu bleiben. Doch ja, auch ohne Banjo würde dieses Album funktionieren. Denn dominierend ist wie so oft die Gitarre, natürlich zusammen mit diversem anderen Instrumentarium wie dem obligatorischen Schalgzeug, einer Orgel, Mundharmonika, Bass...

Doch wie soll diese CD musikalisch eingeordnet werden? Jordie Lane bietet vielseitig an, so findet man klassische Gitarrenballaden neben rockigeren Stückchen, etwas Dark Country usw. Doch vielleicht ist die Einordnung in Schubladen nebensächlich, denn wirklich wichtig ist die Stimme der Musikers. Selten hört man so ein schönes Organ, so ein weiches, schwingendes Timbre. Und weil eben gerne Vergleiche herangezogen werden um möglichst vielen Menschen die Platte schmackhaft zu machen hier ein Name: Teddy Thompson. Während Teddy Thompson aber mit seinen letzten CD's in die Tiefen des Mainstream Pop bzw. Coutry abdriftete, macht Jordie Lane genau das, was wir wollen: eine wunderbare, abwechslungsreiche, innovative CD, da wundert es nicht, dass in diversen Reviews "Sleeping Patterns" bereits als Album des Jahres bezeichnet wird. Recht so.

Fünf von Fünf (imaginären) Sternen

Hier eine Liveaufnahme des wunderbaren Eröffnungstitels "The Publican's Daughter" (das auf dem Album aber nochmal mehr kracht!)

Dienstag, 18. August 2009

#35 Neu auf den Ohren: Lisa O Piu - When This Was The Future

So, nach einiger Zeit der Dürre habe ich hier nun mal wieder eine meiner Meinung nach sagenhafte Neuentdeckung gemacht. Die Dame nennt sich Lisa O Piu und stammt nicht, wie der Name vielleicht vermuten lässt, aus Italien, sondern mal wieder aus dem Top-Musikland Schweden. Doch skandinavisch klingt die Musik von Lisa Isaksson eigentlich nicht. Vielmehr handelt es sich hier um teilweise richtig geniale Songs in allerbester psychedelic folk Manier, die ich ohne besseres Wissen kurzerhand in die frühen 70er eingeordnet hätte. Lisa spielt demenstprechend häufig Querflöte, Gitarre, Schlagzeug und vieles mehr. Ihre Stimme ganz klar bezaubernd, etwa eine Mischung aus Martha Wainwright und Mariee Sioux, zart und doch souverän, beschert uns gespenstische Stimmungen, nimmt uns aber auch bei der Hand und führt uns wieder heraus ans Licht. When This Was The Future ist ein Album, das es in all seinen Details und Wendungen zu entdecken und bestaunen gilt. Ein unglaubliches Debut, dem hoffentlich genug verdiente Aufmerksamkeit zukommen wird. Für mich Definitiv die Perle des Jahres. KAUFEN!!!!!

Puh. Natürlich ist dann auch meine Wertung 5 von 5 Sternen.

Hier mal wieder auf (dem leider sehr langsamen) Myspace: http://www.myspace.com/lisaolillportan
Hört euch vor allem Cinnamon Sea an, es ist so ziemlich das genialste Lied, das ich seit Langem gehört habe.

Und ein hübsches Filmchen obendrein!

Sonntag, 16. August 2009

#1 Verschiedenes: Die französischen Damen

Der Sommer scheint sie mitzubringen, die Lust, verstärkt französische Sängerinnen zu hören, zu schön die Spache, das zarte. Das erwärmt das Herz, egal bei welchen Temperaturen. Hier nutze ich jetzt die Chance meine momentanen Favoritinnen vorzustellen.

Bei einer solchen Fülle qualitativ hochwertiger Damen, beschränke ich mich auf diejenigen, die wunderschönen, leichten französischen Folk produzieren.

Loane, eine Pianospielerin und Vertreterin des süßlichen Chansons macht den Beginn. Das im Vorjahr erschienene erste Album "Jamais Seule" der Französin glänzt durch ein warme Stimme, die zeitweise an die Carla Brunis erinnert, und durch ja, ein Banjo. Leser dieses Blogs könnten schon festgstellt haben, dass dieses Instrument hier sehr hoch im Kurs steht. Aber natürlich kommt man auch in den Genuss des Akkordeons, eben dem Instrument, das am intensivsten das französische Gefühl erschafft. Luftig leichte Melodien zaubern gute Laune und lassen den Hörer vergnügt durch die Wohnung tanzen.

Weiter gehts mit einer ebenfalls jungen und aufstrebenden Musikerin: Marie Cherrier. Das Debutalbum der 25-jährigen "Ni Vue ni Connue" von 2005 sprüht nur so von französischem Charme. Stimmlich noch süßer als Loane (man fühlt sich unwillkürlich an Vanessa Paradis erinnert) fühlt man schon beim ersten Titel "Manouche", dass diese Musik perfekt zur "Fabelhaften Welt der Amélie" passen würde. Auch hier wieder: Akkordeon, Klavier und viel Gitarre. Wer fröhliche und "niedliche" Musik mag, der ist mit bei Marie Cherrier an der richtigen Adresse um sich den Sommer (und Winter und überhaupt) zu versüßen, da braucht man kein Eis mehr.

Abschließen möchte ich mit Jeanne Cherhals "L'eau". "L'eau" (2006) ist bereits das fünfte Studioalbum der Musikerin aus Nantes. Vielleicht könnte man es als reifer beschreiben im Vergleich zu den beiden vorher vorgestellten Alben. Jeanne Cherhals Stimme ist tiefer, nicht süßlich schmachtend. Auch ihre Instrumentierung ist voller. Da hört man doch gerne ein Schlagzeug oder einen Bass oder auch mal elektronische Klängchen, überladen wirkt es aber in keinem Fall. Mit eindrucksvollen stimmlichen Arragements wie bei "Je suis liquide" oder "Rondes larmes" kann sie überzeugen und so jeden Schwimmbadtag verschönern.

In Kürze: mehr von der fanzösischen Musik Front.

Sonntag, 2. August 2009

#34 Neu auf den Ohren: The Battle of Land and Sea - The Battle of Land and Sea

Poetische Namen wie etwa The Battle of Land and Sea erregen Aufmerksamkeit. Schnell projeziert man seine Ideen wie die Musik wohl klingen mag in solche Namen. Noch vor dem Hören entsteht so ein Bild von dem was kommen soll. Oft folgt dann die Enttäuschung: wie kann sich etwas mit so schönem Namen nur so falsch anhören? Doch glücklicherweise nicht so bei The Battle of Land and Sea. Das gleichnamige Album kam zwar schon 2007 auf den Markt, hat es aber verdient hier nochmal Beachtung zu finden.

The Battle of Land and Sea sind Sarah O’Shura und Joshua Canny aus Oregon. So finden sich passend zum Heimatort nicht nur Gitarren, sondern auch Banjos auf der Cd wieder. Überhaupt ist alles sehr reduziert. Es geht um die Stimme von Sarah O'Shura, untermalt von sanften Gitarrentönen. Hier und da findet man noch etwas Schlagzeug, aber das war es im Großen und Ganzen dann auch. Und glücklicherweise reicht das schon für eine wunderbar atmosphärische Platte aus.

Die spröde Stimme der Amerikanerin erinnert unwillkürlich an Cat Power. Überhaupt fühlt man sich musikalisch an Moon Pix erinnert. So wir mit einer düsteren, isolierten Stimmung gearbeitet. Dieses düster-reduzierte verleitet dann auch sofort dazu aufzuhorchen und sich der Schönheit der sphärischen Klänge hinzugeben.  Ein weiterer Name neben Cat Power wird bei mehrmaligem Hören präsent: Emily Jane White. Denn The Battle of Land and Sea verfolgen ein ähnliches Konzept: nicht zuviel, nicht übertreiben, schlicht und düster. Atmosphärisch und gänsehauterzeugend. 

Für dieses gelungene Debut gibt es Vier von Fünf (imaginären) Sternen.

Dienstag, 21. Juli 2009

#32 Neu auf den Ohren: Sarah Blasko - As Day Follows Night

Da haben wirs mal wieder: so ein Cover kann aber wirklich alles über ein Album sagen. Sarah Blaskos neues Album "As Day Follows Night" ist eben wie dieses: schlicht, aber doch bunt, nachdenklich und trotzdem süßlich, künstlerisch und vorallem weiblich.

Während die beiden Vorgängeralben "The Overture and the Underscore" und "What The Sea Wants, The Sea Will Have" eher düster bis traurig waren (inklusive Ausnahmen natürlich) wirkt das neue Werk sehr frisch und leicht. Und das trotz trauriger Themen, so vor allem das immer und immer wieder aufgegriffene Thema des Liebeskummers. Während die Texte diese Trauer ausdrücken, ist die Musik doch im allgemeinen auf- und erbauend. Das mag daran liegen, dass man der Australierin anmerkt, dass sie ihren Liebeskummer überwunden hat. So hat auch der Titel "As Day Follows Night" etwas ungemein tröstliches. Denn ja, am Ende eines jeden Tunnels kommt eben doch immer wieder das Licht. 

Für das neue Album sind zwölf abwechslungsreiche Titel entstanden. Alle sind außergewöhnlich melodiös und harmonisch, doch eintönig wird es keine Sekunde. Die Titel unterscheiden sich durch vorallem durch eine ausgeklügelte und verschiedenartige Instrumentierung. Klar, die Gitarre steht im Vorergrund, doch wird sie nicht nur verschieden eingesetzt, sondern auch durch diverse andere Instrumente ergänzt, so durch Piano, Streicher, Trompeten, Schlagzeuge und Trommeln uvm.

Gleich belubt einzig Sarah Blaskos Stimme die einen durch das Album trägt. Kaum wiederzuerkennen ist der sehr süßliche, mädchenhafte Klang, verglichen mit den Vorgängeralben. Dabei sollte man meinen, dass die Stimme mit dem Älterwerden nicht jünger wird. Doch zu beklagen ist dies nicht. Im Gegenteil, dieser Anna Ternheim'sche mädchenhafte Klang ist sehr schmeichelnd und angenehm. Manchem mag bei diesem Album der Tiefgang fehlen, doch bei genauem hinhören findet man sie schon, die Tiefen.

Für "As DAy Follows Night" gibt es verdiente Vier von Fünf (imaginären) Sternen

Dank der wirklich durchgehend gelungenen Titelauswahl fällt es schwer ein Anspielbeispiel auszuwählen. Doch da ich ein extrem reizendes Video zu "No Turning Back" entdeckt habe, gibt es eben dieses.







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