Sonntag, 27. September 2009

#40 Neu auf den Ohren: Noah and the Whale - The First Days of Spring

Ganz selten gelingt es einer Band, sich mit dem zweiten Album neu zu erfinden, eine neue Richtung einzuschlagen, ohne dabei grausam unterzugehen.

Der britischen Band Noah and the Whale ist aber genau dies gelungen. Während ihr Debutalbum "Peaceful the World lays me Down" richig schönen Indiefolk/-pop darbot, und vor allem auch durch "Gute-Laune-Songs" wie "2 Atoms in a Molecule" glänzte, ist "The First Days of Spring" ein ruhiges, melancholisches Album, bei dem es vor allem um gebrochene Herzen, um Leben die sich verändern, um Trauer geht. Liebeskummer vom feinsten also. Doch wer nun klischeemäßig an schnulzige, schleimige Balladen denkt, liegt falsch.

Denn neben der vielen Trauer einer gescheiterten Beziehung bietet das Album wesentlich mehr, nämlich die Botschaft, dass alles irgendwann wieder besser wird und zwar immer. So wird in vielen der Titeln der Abschied, das Ende einer Liebe beschrieben, mit Sätzen wie: "I'll be lonely, Oh i'll be lonely - again". Diese Art der Texte könnte man zur Genüge zitieren, hier wird Trauer richitggehend zelebriert. Aber zu Beachten ist, wie das Album endet, nämlich mit dem Titel "My door is always open", der, genau wie die erste Single "Blue Skies", an das Weitermachen appeliert.

Musikalisch ist das Album sehr zurückhaltend. So wird zur Akustikgitarre gesungen ohne viel tamtam. Auch das Klavier hat einen festen Platz auf dem neuen Werk, neben den typischen Instrumenten natürlich. So wird die durchgehend mlancholische Stimmung bestens untermalt. Doch wenn man glaubt das Album langsam zu durchschauen, dann taucht plötzlich feinste Klassik auf, so in "Instrumental I". Und weil das noch nicht genug ist wird auch noch ein Chor aufgefahren. Doch auch hier gelingt es der Band, nicht ins kitschig-klischeehafte abzurutschen und das ist nun wirklich eine Leistung. Und wer jetzt denkt, auf dem Album wären ausschließlich ruhige, traurige Nummern, der wird mit "Love of an Orchestra" vom Gegenteil überzeugt.

Getragen wird "The First Days of Spring" aber von einer ganz bestimmten Stimme und zwar der von Charlie Fink. Endlich mal wieder eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Und dann noch dieser Akzent...da muss man nicht mehr viel sagen außer:

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Freitag, 25. September 2009

#39 Neu auf den Ohren: Dawn Landes - Sweet Heart Rodeo

Obwohl bisher meist wirklich viel versprechende Musik von Dawn Landes veröffentlicht wurde, ist dies bei ihrem neuen Album Sweet Heart Rodeo nicht der Fall. Mit "Young Girl" beginnt es eigentlich noch recht flott. Dann wird es bei "Romeo" schon etwas lahm. "Money In The Bank" ist ein richtiger Lichtblick und ließ mich doch noch auf Gutes hoffen. Doch mit Fortschreiten des Albums wird jegliche Hoffnung zerstört. Die folgenden Titel könnten nicht beiläufiger und langweiliger klingen. "Clown" zum Beispiel ist ein absoluter Tiefpunkt. Gerade zu Zeiten, in denen es relativ einfach ist, viele gute Singer/Songwriter im Internet zu entdecken, sehe ich keinen Grund, sich noch länger mit diesem öden und uninspirierten Album näher zu beschäftigen. Deshalb eineinhalb Sterne und vielleicht lieber das 2006er Werk Fireproof auflegen, das hatte noch Biss. Sweet Heart Rodeo dagegen leider nicht.
Ach ja, hier noch Myspace

Mittwoch, 23. September 2009

#38 Neu auf den Ohren: Alela Diane feat. Alina Hardin - Alela & Alina

Nach dem in diesem Jahr erschienenen Album "To Be Still" überrascht uns Alela Diane nun mit einer EP, die sie zusammen mit ihrer Musikerfreundin Alina Hardin aufgenommen hat.

Wer die beiden live erleben durfte, weiß, wie harmonisch die Stimmen der beiden Frauen aus Nevada passen, wie schön sie zusammen klingen. Auf der EP, die einfach "Alela & Alina" heißt, zeigen die Beiden ebendies.

Die beiden traditionellen Lieder "Matty Groves" (könnte man schon von Fairport Convention oder Joan Baez kennen) und "Bowling Green" (ursprünglich von den Everly Brothers, aber wohl bekannter von Neko Case oder Devon Sproule), teilen sich den Platz nicht nur mit dem Townes van Zandt Cover "Rake", sondern auch mit drei niegelnagelneuen Titeln "Amidst The Movement", "Crying Wolf" und "I Have Returned".

Was soll man sagen, Alela bleibt sich auf dieser EP treu. Die Klänge und Texte sind schön wie eh und je. Ms Diane und auch Ms Hardin (die soweit ich das überblicken kann "Crying Wolf" geschrieben hat)  enttäuschen auch diesmal nicht. Eine wunderbare, wenn auch eher stille, EP die einen da erwartet. 

Zu erwerben gibts das unbedingt empfehlenswerte Stück ab dem 06.10. aber "nur" als Vinyl oder Download. Also bitte: Plattenspieler raus und auflegen.

Vier von Fünf (imaginären) Sternen


Matty Groves!

Mittwoch, 16. September 2009

#14 Konzert: Tori Amos, Zürich (CH)

Es war wieder einmal so weit,  zur vierten Tori Amos Tour die wir nun miterleben, machten wir uns nach Zürich auf.

Beim Eintreffen am Kongresshaus hörten wir schon die ersten Toriklänge in Form von "Caught a lite sneeze", das sie in diesem Moment soundcheckte (Den Rest des Soundchecks konnten wir leider nicht mehr hören, da wir von einem sehr eifrigen Security-Menschen vertrieben wurden *hüstel*).

Das Kongresshaus verfügt über eine recht schöne Halle mit Empore, die, wie sich herausstellte, über eine tolle Akustik verfügt. Gegen 20 Uhr eröffnete Foy Vance, ein Musiker aus Belfast mit Gitarre, Laptop und Looppedals als Support Act. Das Publikum war schnell von seiner tollen Stimme überzeugt, ebenso von den Liedern, die von leisen Balladen bis hin zu kräftigeren, rockigeren Nummern reichten. Da wurde dann auch mal unorthodox die Gitarre mit dem Geigenbogen gestrichen oder in das Klangloch ebendieser gesungen.

Eine Stunde nach dieser gelungenen Eröffnung betraten zuerst Matt Chamberlain und Jon Evans die Bühne, kurz darauf dann endlich Tori. Das Publikum was schon zu Beginn bester Laune, und bis auf wenige Ausnahmen (z.B. bei "Your Cloud" das so lahm war, dass eben auch das Publikum in diese Laune verfiel) blieb das auch die ganzen zwei Stunden des Konzertes so. 

Auffallend war Toris wunderbar kräftige und klare Stimme, kein Vergleich z.B. zur Scarlet's Walk Tour. Die Tiefen und vor allem die Höhen saßen wieder wie zu Anfangszeiten ihrer Karriere. Die Musikerin aus South Carolina begann sehr routiniert, fast schon etwas lieblos die ersten Songs zu spielen ("Give" und "Hotel") um dann ebenso routiniert die Band vorzustellen. Leider waren dies die einzigen Worte ans Publikum während der ganzen Show. Bei "Cornflake Girl" schien Tori etwas aufzutauen und man merkte ihr die Freude am spielen und singen an. Auch das Publikum war sehr angetan. Es folgten "Flavor", "Space Dog", "Concertina", "Jamaica Inn" und "Carbon". Darauf folgte ein klares Highlight: "Bells for Her", das vor allem durch die wunderschöne Pianoeinleitung überzeugte. Auch der Sound wurde zu diesem Zeitpunkt besser, denn zu Beginn war das Schlagzeug etwas zu laut, so dass Toris Pianospiel teilweise zu stark übertönt wurde. Nach einem starken "Mary of the Seas" folgte dann die Lizzard Lounge, sprich: Tori solo. Wie zu erwarten wurde dies dann auch das Highlight des Abends. Sie entschied sich für einen Titel ihres Debutalbums "Mother" und für "Maybe California", beides sehr emotionale Lieder über die Mutterrolle bzw. -schaft. So emotional und rührend wie Tori die beiden Titel wiedergab war ich sicherlich nicht die einzige mit Gänsehaut und feuchten Augen.

Die Band kam zurück auf die Bühne und weiter gings mit eben dem Tiefpunkt des Abends: "Your Cloud". Natürlich ist dies sehr subjektiv, aber wir beide fanden überhaupt keinen Gefallen an dem langweiligen und trägen Scarlet's Walk Titel.  Doch mit dem darauf folgenden "Sweet Dreams" erwachte das Publikum, mitsamt guter Stimmung, wieder. Nach "Police Me" ging es nach vorne an die Bühne um das Konzert im Stehen und aus nächster Nähre mitzuerleben. Fast schon rockig folgten dann "Precious Things" und die Zugaben "Strong Black Vine", "Caught a Lite Sneeze", Big Wheel" und zuletzt "Tear in your Hand". Die Zuhörerschaft war nicht mehr zu bremsen, so wurde vorne getanzt, geschrien und mitgesungen und dies freute auch Mrs. Amos sichtlich.

So fand das Konzert nach 20 Liedern ein verschwitztes, fröhliches und kraftvolles Ende. Da kann man nur sagen: Das nächste Mal gerne wieder, liebe Frau Amos (nur bitte ohne "Your Cloud"...).

Und noch zum Schluss: das schreckliche Outfit wird auf Grund der Funktion dieses Blogs als Musikblog geflissentilich ignoriert.

Mehr Bilder gibts übrigens hier: Tori in Zürich                                                                                                     

Montag, 14. September 2009

#13 Konzert: Cecile Corbel - Schaffhausen (CH)

Obwohl wir beide bisher wenig von Cecile Corbel kannten, liessen wir uns gerne überreden, zum Konzert im Kammgarn in Schaffhausen zu gehen. Nur so viel wussten wir: Cecile Corbel spielt - ähnlich wie Alan Stivell - auf der keltischen Harfe und stammt aus der Bretagne. In gemütlicher Café/Bar Atmosphäre ging es pünktlich um 21 Uhr los. In Begleitung von zwei Herren kam Cecile Corbel, ganz in Schwarz, jedoch mit langen, feuerroten Haaren auf die Bühne. Es sollte ein multikultureller Abend werden: der Vortrag in verschiedenen Sprachen - französisch, englisch, spanisch und natürlich bretonisch, die Musik aus den verschiedensten Ländern - Irland, England, Israel, Spanien und vielen mehr.  Begleitet wurde die 29-jährige von Gitarre und E-Bass.

Gleich zu Beginn sind wir überrascht von Corbels Virtuosität beim Harfenspiel, die sie übrigens erst in ihrer Jugend zu spielen begann. Da fliegen die Finger über die 34 Saiten, während ihr nackter Fuß den Takt mitwippt. Ihre weiche und kraftvolle Stimme, irgendwo zwischen Kate Bush, aber nicht ganz so schrill und Loreena McKennitt erfreut das Publikum, vor allem dass sie besser klingt als Hörproben erahnen lassen.

Alles in allem ist der Abend in Schaffhausen ein ruhiger Abend, so sind vor allem Balladen auf dem Programm der Musikerin, doch für keltische Musik ist das ja nicht ungewöhnlich.  Traditionelle Lieder der Bretagne und aus Irland (so u.a. auch eine aufgepeppte Version von "She moved through the Fair") wechseln sich mit selbsgeschriebenen ab, so etwa "Mary", ein Lied über die einzige weibliche Piratin des 18. Jahrhunderts. Überhaupt fällt auf das sich Cecile Corbel gerne mit den verschiedensten Frauen auseinandersetzt. So hört man von Hexen, oder von "Sally free and Easy", einer Frau mit einem Faible für Seemänner.

Wer einen stimmungsvollen Abend erleben möchte und der keltischen Musik nicht abgeneigt ist, dem empfehlen wir wärmstens Cecile Corbel live zu erleben, momentan ist sie auf Deutschlandtour. Auch wärmstens zu empfehlen sind ihre CD's "Songbook Vol. 1 + 2" und “Harpe Celtique et Chants du Monde".

 

Mittwoch, 9. September 2009

#2 Verschiedenes: Matt Bauer

Matt Bauer

Kentucky: bekannt für heiße Sommer, blühende Grasweiden und Vollblutpferde. Eben diese Pferde benennt der dort geborene Matt Bauer als wichtige Einflüsse für seine Musik und sein Leben. Neben den Pferden finden auch musikalische Größen wie etwa der frühe David Bowie oder Nina Nastasia auf dieser Liste platzt. Doch wie gehen Pferde und David Bowie zusammen? Und wie hört sich ein Musiker an, der von Pferden beeinflusst wird?

Doch schon beim Hören der ersten Klänge wird vieles klar. Ein Banjo, so schön und düster. Dann eine Stimme, so warm und angenehm, dass der Hörer unwillkürlich aufhorcht. In der eigenen Vorstellung befindet man sich schnell in Kentucky, auf einer Weide, an einem Strohhalm kauend und von Pferden umgeben. Über den Musiker mit dem ausladenden Bart á la Iron & Wine oder Bonnie `Prince` Billy, zu denen es im Übrigen auch starke musikalische Parallelen gibt, ist wenig bekannt. Was man kennt ist seine Musik, zu hören auf den beiden Alben „Nandina“ (2004) und „The Island Moved In The Storm“ (2008), sowie auf der EP „Wasps And White Roses“ (2006).

Musik machte Matt Bauer schon sein ganzes Leben lang. Aufgeben wollte er sie schon in einer unglücklichen, einsamen Phase seines Lebens, doch dann brachte er sich selbst das Banjo spielen bei und alles änderte sich. „It was something I could do everyday that made me feel alive.” Daher ist es nur logisch, dass das Banjo von da an Matt Bauers Haupt- und Lieblingsinstrument wurde.

Musikalisch wäre Matt Bauer am Besten in der Kategorie Folk, oder vielleicht präziser „Dark Folk“ (ein Begriff der spätestens seit 16 Horsepower kursiert), aufgehoben. Zwar mag der ein oder andere bei dem Begriff Banjo sofort an Country oder Western denken lassen, doch Matt Bauer könnte nicht weiter davon entfernt sein mit seinen fragilen Banjoklängen und der leisen, fast schon isoliert wirkenden Stimme. Durchbrochen wird dieses Schema von einigen Songs die melodiös und fröhlich daherkommen, so etwa seine Version des Amerikanischen Folksongs „Sea Lion Woman“ (das seit Feist wohl allgemein bekannt ist).

Nachdem er zu Beginn des Jahres mit Alela Diane in Frankreich und den Niederlanden tourte, dürfte sein Bekanntheitsgrad gewachsen und seine Fangemeinde sich erweitert haben. Matt Bauers Siegeszug hat gerade erst begonnen ist aber sicherlich noch nicht zu Ende. Wie sollte er auch, bei diesen wunderbaren Banjoklängen?






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