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Donnerstag, 15. Oktober 2009

#43 Neu auf den Ohren: Josephine Foster - Graphic as a Star

Vertonte Emily Dickinson Gedichte kennt man vielleicht schon von Natalie Merchant oder Carla Bruni oder, oder...doch Josephine Foster treibt dies mit ihrem neuen Album "Graphic As A Star" auf die Spitze. Ganze 27 Titel (gut, kurze Titel, aber immerhin) die allesamt von den Werken der Dichterin inspiriert sind.

Das Album entstand in einem abgelegenen Dorf irgendwo in Spanien. Eindrucksvoll hört man die Ruhe und Abgeschiedenheit in jedem der Titel des Albums. Man sieht die Sängerin aus Colorado schon fast vor sich, wie sie mit Gedichtbänden und ihrer Gitarre auf einer sonnenbeschienen Terrasse sitzt, so heimelig hört sich das alles an.

Trotzdem hat sich Josephine Foster hier natürlich eine schwere Aufgabe gestellt. Emily Dickinsons schwermütige, intensive Gedicht zu vertonen ist kaum möglich. Durch klare Reduktion auf das Wesentliche gelingt es ihr aber doch. So dominiert die Stimme, teilweise a capella, teilweise mit sanfter Gitarre untermalt, dann noch selten etwas Mundharmonika und fertig. So entstand ein extrem ruhiges, getragenes Album in dessen Mittelpunkt natürlich die Sprache Emily Dickinsons steht, aber auch Josephine Fosters schwingende Stimme, die sich wohl am ehesten in die Richtung der von Joni Mitchells einordnen ließe.

"Graphic As A Star" ist sicherlich kein Album für jedermann, zu speziell das Thema und die Stimme der Sängerin. Doch wenn es gelingt sich dafür zu begeistern, dann kann man schöne Stunden mit dem Hören des Werkes verbringen. Passend zur Jahreszeit ist es allemal.

Dreikommafünf von Fünf Sternen

Freitag, 17. Juli 2009

#31 Neu auf den Ohren: Devon Sproule - ¡Don't Hurry for Heaven!

Devon Sproule, ihres Zeichens begnadete Singer- und Songwriterin (und Ehefrau von Paul Curreri), wartet mir ihrem neuen Album "¡Don't Hurry for Heaven!" auf. 

Ihre Qualitäten zeigte sie bereits auf den drei Vorgängeralben "Long Sleeve Story", "Upstate Songs" und "Keep your Silver Shined". Während das Debutalbum noch fast rockig anmutet, folgt mit "Keep your Silver Shined" ein wunderschönes folkiges Album, übervoll mit perfekten Titeln. Das Vorgängerwerk schloss sich daran zwar an, driftete aber schon etwas Richtung Country. Nicht weiter schlimm, da auch auf "Keep your silver shined" die Songschreiber- und Performer Qualitäten der Musikerin aus Virgina nur allzu deutlich waren. 

Nun, "¡Don't Hurry for Heaven!" könnte man letztendlich als stark countrylastiges Album bezeichnen, besonders wenn man bedenkt, was Devon Sproule davor bereits geschaffen hat. Das mag nicht unbedingt schlecht sein, aber leider ist von den songtechnischen Highlights, den atemberaubenden Texte und der schönen Umsetzung nichts mehr zu spüren. So handelt "A Picture of us in the Garden" z.B. hauptsächlich von ihren Wohnort in Virginia. Wenigstens bleibt ihre Stimme was sie schon immer war: einnehmend und bemerkenswert.

Trotzdem, wer seine Erwartungen an die Vorgängeralben knüpft, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht werden (außer es handelt sich um einen ausgemachten Country-Fan, der beim Klang einer Pedal Steel Gitarre nicht aus Schmerz zusammenzuckt). Daher gibt es leider nur

Zwei von Fünf (imaginären) Sternen (aber die Vorgängeralbem, besonders "Upstate Songs" sind wirklich uneingeschränkt zu empfehlen).

Dienstag, 14. Juli 2009

#30 Neu auf den Ohren: Tiny Vipers - Life on Earth

Es gibt Dinge von denen es nicht genug geben kann. Nehmen wir zum Beispiel Eiscremesorten oder Speicherplatz auf dem Rechner. Unzweifelhaft gehören zu diesen Dingen auch talentierte, weibliche Singer- und Songwriterinnen. Zu denen gehört auch Jesy Fortino aka Tiny Vipers.

Dass die Dame aus Seattle früher eher der Popmusik zugetan war, ist - wenn man den zweiten Longplayer "Life on Eath" hört - schlecht vorstellbar. Ihre Songs bestechen alle durch eine strikte Zurückgenommenheit, so beschränkt sich Tiny Vipers ausschließlich auf Gitarre und Stimme (mit Außnahme eines Klaviers bei einem Titel). Es entstanden 11 sehr klare, ruhige Folk-Songs die nur ein wirklichses Zentrum haben, die Stimme. Die ist klagend, traurig und weich. Wer sich Vergleiche wünscht: Sybille Bayer würde wohl passen, aber auch Ähnlichkeiten zu Cat Powers Gesangsgorgan sind festzustellen.

Klagend und traurig sind Worte maßgeblich für dieses Album. Es geht um die düsteren und schweren Seiten des Lebens. Eigentlich hätte diesem Album eine Winterveröffentlichung besser gestanden, denn wenn ein dunkler Morgen im Winter musikalisch dargestellt würde, dann wohl so.

Leider wird man nach ein paar Liedern der Schwermut müde und fragt sich ob noch mehr kommt. Doch Ausreißer gibt es (leider?) nicht wirklich. Am ehesten könnte man wohl "Time Takes" als solchen bezeichnen. Tiny Vipers ist ihrem Stil treu geblieben, doch dies könnte den ein oder anderen Hörer zur Langeweile verleiten, so gleichmäßig fließt die Musik vor sich hin.

Daher: Drei von Fünf (imaginären) Sternen

Sonntag, 14. Juni 2009

#24 Neu auf den Ohren: Julia Marcell - It Might Like You

Heute verlassen wir die üblichen gefilde der Musikherkunftsländer wie etwa die der USA, UK und Skandinavien und riskieren einen Blick nach Polen. Dort entdecken wir die Debut CD "It Might Like You" von Julia Marcell. Nach ihrer 2007 veröffentlichten EP "Show" nun also ein Album.

Deutlich wird schnell, dass das Piano die wichtigste Rolle spielt. Während der ersten Lieder "Outer Space", "The Story" und "Married to Life" fragte ich mich noch: ist das nicht zu pompös, zu überladen zu "klassisch". Gefällt das? oder nicht? Doch dann kommt "Billy Elliot" und man beginnt zu lächeln. Das ist der Moment, den jedes gute Album braucht, ein Aufhören, ein Innehalten. Fehlt dieser Moment, wird das Album meist eingemottet, doch nicht so in diesem Fall. Plötzlich hört man nicht nur die klassischeren Komponenten, nicht nur die wülstigen Streicher, sondern auch den Ideenreichtum der jungen Polin. Glücklicherweise bleibt dieser bei Titeln wie "Side Effects of Growing Up" oder "Fear of Flying" erhalten. 

So schafft Juliana Marcell eine Brücke zwischen leichteingängigeren und schwerer zugänglichen Momenten. Oder zwischen der klassischeren Charlotte Martin und der innovativen Regina Spektor. Und ist daher geeignet für so ziemlich jeden, der weiblichen Stimmen mit Piano zugetan ist!

Enden möchte ich in "WOM-Magazin" Manier:
Für Fans von: Tori Amos, Charlotte Martin, Emma Townsend, Regina Spektor

Ein Album mit viel Potential, daher
Dreikommafünf von Fünf (imaginären) Sternen


Donnerstag, 4. Juni 2009

#22 Neu auf den Ohren: VAST - Me And You

"I'm a wandering minstrel. These downloads and recordings will be compiled with my pseudo photo-journalistic ruminations on touring in 2008. If I don't die it will all come together to form some kind of art piece in 2008-2009. These songs will not show up on any VAST albums so I am releasing it as Jon Crosby." Tja... oder eben dann doch nicht. Was den eingefleischten VAST/Jon Crosby Fan möglicherweise entnervt abwinken lässt, ist für mich dennoch ein Grund zu großer Freude. Alle auf dem „neuen“ Album Me And YOU versammelten Songs gab es bereits auf Jon Crosby’s Generica-Werken, waren mir bisher aber gänzlich unbekannt. Ich behaupte also dennoch, hier das neue VAST-Album (virtuell) in meinen Händen zu halten, und was ich da höre, gefällt mir wieder ausgesprochen gut. Da die Entstehungszeit wohl rund um 2007 zu datieren ist, wundert es nicht weiter, dass viele der Titel klingen, als kämen sie direkt vom Vorgänger April. So zum Beispiel I´m Afraid Of You, welches auch Tattoo Of Your Name Pt.II heißen könnte: Crosby singt wieder von einer Frau, die ohne Skrupel bereit wäre, ihn bis aufs letzte Hemd auszuziehen (Where is my pride/where is my self-respect/does it serve any purpose to you?/I’d never leave, I am too fucking scared of what you and your lawyers might do). Überhaupt beschäftigt sich das gesamte Album in wunderbaren, bittersüßen Melodien eingehend und ausschließlich mit dem Thema Frauen, sowohl (und überwiegend) negativ (s.o., You’re The Same, You Destroy Me) als auch (manchmal) positiv (You Are The One,…). Der Mann hat wohl ein eher gespaltenes Verhältnis zur Damenwelt... Crosby ist mit seiner Stimme über jegliche Form von Kritik erhaben – er klingt wie der wiederauferstandene Jim Morrison und meistert sämtliche Höhen und Tiefen souverän. Insgesamt ist es also wieder ein sehr gutes Album, nicht unbedingt überaus anspruchsvoll oder der ganz große Wurf, aber doch immerhin sehr unterhaltsam. Lediglich in der Mitte ist eine leichte Durststrecke vorhanden (für VAST-Begriffe eindeutig ZU ruhig), danach geht es aber mit dem fantastischen Hotel Song wieder steil bergauf. Man höre sich diesen bei Interesse als erstes an (ich kann aber gerade nirgends einen Link finden, schade).
Mein Fazit also: ob alt oder neu – mir doch egal. Ich freue mich über ein schönes und gelungenes Album, das ich mit Sicherheit noch sehr, sehr oft hören werde. Deshalb 3,5 Sterne.

Montag, 11. Mai 2009

#16 Neu auf den Ohren: Susie Suh - Susie Suh

Ich gebe es ja zu: manchmal brauche auch ich eine Ration von leicht verdaulicher Musik. Dass mir in diesem Fall aber auch kein einfaches mainstream-tralala-Gedudel (von dem mir wahrscheinlich sonst der Kopf explodieren würde) ins Haus kommt, versteht sich von selbst. Jetzt hatte ich das Glück, über Susie Suh zu stolpern. Die Frau, die u.a. Joni Mitchell und Beth Gibbons als Einflüsse angibt, schafft es einfach auf eine tolle Art eingängige Songs zu schreiben und dabei trotzdem noch mit einigem Anspruch aufzuwarten. Hinzu kommt ihre außerordentlich warme Stimme die klingt, als hätte würde sie Honig direkt aus dem Eimer trinken. Und, was noch wichtiger ist: nach bereits vielfachem Hören in den letzten Wochen gab es noch keine Spuren von Abnutzung oder Ermüdung. Mal wieder sehr schade, dass es dieses Album seit seiner Veröffentlichung 2005 bisher nicht leicht hatte, bei einem größeren Publikum im Plattenschrank zu landen. Aber es ist ja auch irgendwie schön (zumindest für uns), dass es viele solcher Geheimtipps gibt. Von mir gibt es 3 ½ von 5 Sternen für das Debutalbum von Susie Suh, das mich mit seiner Kurzweiligkeit überzeugen konnte.

#15 Neu auf den Ohren: Lisa Ekdahl - Give me that Slow Knowing Smile

In der Kategorie "Titel die mich ansprechen" würde es das Album von Lisa Ekdahl mit Sicherheit auf die vorderen Ränge schaffen. "Give me that slow knowing smile", wenn das nicht auf der Zunge zergeht. Zusätzlich zu diesem Titel gehört dann noch dieses liebliche, französich anmutende Cover, das eine zerbrechliche, zarte Frau zeigt. Wenn das nichts ist. Und jeder, der sich demnach nun versucht vorzustellen, was diese Dame für Musik macht, sollte richtig liegen.

Das 10. Studioalbum der Schwedin ist das erste das ich höre. Nachlesen kann man, dass es sechs Alben auf schwedisch gibt, 4 auf Englisch und die letzten in Richtung Jazz gingen. Doch was ist nun mit diesem Exemplar hier?

Wie bereits angedeutet ist die Musik so zart und süßlich wie man es hofft, sobald man das Cover siehrt. Lisa Ekdahls mädchenhafte Stimme (die mich an eine Chanteuse francoise à la Olivia Ruiz erinnert) trägt einen sanft von Lied zu Lied. Ja, dies ist eine CD zum sich zurücklehnen, zum entspannen, genießen. Die verbliebenen jazzigen Elemente und die ansonsten auch reichen Instrumentierung förden die Vorstellung eines sonnigen Sonntags auf dem Balkon. Hört sich kitschig an? Ist es auch. Und das ist wunderbar!

Der Stil dieses Albums wird von der ersten bis zur letzten Sekunde konsequent durchgezogen so dass ein in sich geschlossenes, schönes Album entsteht das es sich lohnt zu hören und dem ich

Dreieinhalb (mit grundsätzlicher Tendenz nach oben) von Fünf (imaginären) Sternen gebe.

Und während ich mich nicht entscheiden kann, welcher der Titel am zauberhaftetesten (ja, jetzt kommt es dicke mit den süßlichen Worten) ist, so gibt es hier nun den Titelgebenden Song:


Mittwoch, 29. April 2009

#14 Neu auf den Ohren: Bob Dylan - Together Through Life

Nun, dass Albumveröffentlichungen großer Singer- und Songwriter enttäuschend sein können, das wissen wir alle seit Neil Youngs letzter Veröffentlichung. Bob Dylan zieht nun mit einem neuen Album nach: Together Through Life. Das Soundsodreißigste Studioalbums des genialen Musikers. 

Wie auch schon Neil Young, will sich nun auch Bob Dylan irgendwie neu präsentieren, so erinnert nicht nur das Cover an eine Jeans Werbung der heutigen Teenie-Generation, nein, außerdem gibt es Zuwachs instrumenteller Art auf dem Album dank eines Akkordeons. Eben dieses schlägt schon auf dem beginnenden Track: "Beyond here lies nothing" durch. Und was soll man sagen, Bob Dylans rauhe, teilweise extremst kratzige Stimme ("My wives home town") und das Akkordeon passen gut zusammen, sogar perfekt. Neuerung geglückt, würde ich sagen.

Ansonsten schwingt das Album zwischen Folk, Blues und countrylastigen Elementen ("This dream of you"), beides Genres die Dylan Fans wohl bekannt sind und die nach wie vor gut funktionieren. Er schafft es sich selbst treu zu bleiben, teilweise in dem er sich eng an bereits dagewesenes hält (so könnte z.B. "I feel a Change comin' on" bereits vor 40 Jahren geschrieben worden sein) und kombiniert dieses Altbekannte mit neuen Klängen und seiner wunderbar, gealterten Stimme (man möchte ja kaum glauben das Herr Dylan bereits 67 ist).

Nun, den ein oder anderen Wehmutstropfen gibt es natürlich trotzdem zu beklagen. Dylan holte sich einen Co-Autor für dieses Album zu Hilfe. Da ist es kein Trost zu wissen, das diese Co-Autor bereits mit Dylan zusammengearbeitet hat, nein, man fragt sich nur warum einer der genialsten Songschreiber einen Co-Autor braucht? Einfallslosigkeit? Aber sollte man ein Album veröffentlichen wenn einem nichts einfällt? Außerdem fehlen mir die wirklichen, intensiven Lichtblicke musikalischer Art. Obwohl Dylan ein stimmiges Album geschaffen hat, ohne Totalausfälle, fehlt ein "Ballad of a Thin Man" oder "Tangled up in Blue". Also mir zumindest...

Daher gibt es:
Drei von Fünf (imaginären ) Sternen

Zum reinhören der sehr gute Eröffnungstitel:

Mittwoch, 22. April 2009

#11 Neu auf den Ohren: Maria Taylor - LadyLuck

Groß war meine Spannung und Vorfreude auf das neue Album LadyLuck von Maria Taylor, da ich sowohl die Musik von Azure Ray, als auch ihr letztes Album Lynn Teeter Flower sehr gern höre. Also, ich will es mal so formulieren: von der Stimme her klingt sie gut wie immer. 

Aber: das Songwriting klingt noch um Lichtjahre uninspirierter und unmotivierter wie bei... na? A Camp! Ich nenne es ab jetzt also das A Camp-Syndrom, jawohl! Und dieses lässt sich durch folgende Punkte diagnostizieren: 

  • Lustlosigkeit
  • Langeweile
  • Monotonie
  • Vorhersehbarkeit

Welches beim Hörer unweigerlich zu Ansteckungen mit folgenden Symptomen (in dieser Reihenfolge) führt:

  • Ungeduld
  • Gähnanfälle
  • Glasiger Blick
  • Vorspulen und Hoffen auf spannendere Momente (begleitet von erneutem Gähnen)
  • Feststellen, dass das Album bereits durch ist und nichts, aber auch wirklich gar nichts passiert
  • Vergessen

Weitere Schritte überlasse ich euch. Falls ihr doch noch einen weiteren Gedanken an die CD verschwenden solltet: sie eurem Hund als Frisbee anbieten wäre zum Beispiel eine gute Idee. Oder ein Laufrad für Hamster basteln. Oder so einen Untersetzer für Gläser gegen fiese Wasserflecken auf dem guten Holztisch draus fertigen - bald ist ja auch Muttertag. Mir fiele da noch so einiges ein, das erheblich besser wäre, als nochmal das Ganze anzuhören. Da hilft leider auch kein Duett mit Michael Stipe weiter, obwohl ich dabei ja noch kurz aufhorchte, bevor ich wieder in Morpheus' Ebenen abtauchte. Gegen diese CD ist selbst das Plätschern eines Gebirgsbachs purer Death Metal.

 
Ich gebe ihr mal gut gemeinte 2 von 5 Sternen, weil immerhin noch viel unfassbar schlimmere Musik da draußen lauert. Aber: solltet ihr erfreulich reich sein oder das dringende Bedürfnis verspüren, euch selbst in ein Wachkoma zu versetzen, nur zu.


Mittwoch, 1. April 2009

#7 Neu auf den Ohren: A Camp - Colonia

Ganze acht Jahre ist es her, seit sich Nina Persson, besser bekannt als die Stimme der Cardigans aufmachte, ein Soloprojekt mit Namen "A Camp“ ins Leben zu rufen. Das damalige Debutalbum enttäuschte aber eher und konnte wohl am ehesten noch Fans ihrer Stammband begeistern. Mich langweilte es über weite Passagen zu Tode. Dementsprechend skeptisch war ich nun dem Nachfolger gegenüber. Aber ich stelle fest: es geht nun doch etwas lebendiger zu. Auffallend ist die reichere Instrumentierung, die die glasklare Stimme Perssons in eine hübsche Soundkulisse bettet. Um wohl auf Nummer sicher zu gehen, holte man sich noch Verstärkung von einigen namhaften Kollegen ins Haus: Joan Wasser (von Joan As A Policewoman), James Iha (ex Smashing Pumpkins & A Perfect Circle), Mark Linkous (Sparklehorse) und Anna Ternheim (jaha, ich dachte auch „Hurra“, aber sie ist leider kaum herauszuhören). Meiner Meinung nach ist eine deutliche Steigerung zum Vorgänger durchaus vorhanden. Insgesamt bleibt aber auch nicht sonderlich viel hängen und man hätte sich ruhig etwas mehr trauen können. So bleibt doch jeder Song sehr vorhersehbar.

Wer was für Nebenher sucht, ist hier bestimmt richtig. Für anspruchsvollere Hörer – und das seid ihr ja bestimmt ;o) - dürfte doch relativ schnell gähnende Langeweile aufkommen.

Alles in allem: ganz nett.

3 von 5 Sternen

Hier als Nachschlag noch die aktuelle Single "Stronger Than Jesus"

Freitag, 27. März 2009

#6 Neu auf den Ohren: Fever Ray - Fever Ray

Man muss sich ja immer weiterbilden und Neuem gegenüber offen sein. Bei Neuveröffentlichungen bin ich deshalb immer besonders wachsam. Diese Woche wurde Fever Ray auf Spiegel Online zu einer der wichtigsten CDs der Woche erklärt und meine Neugierde geweckt. Zudem dachte ich, bei Musik aus Schweden muss man besonders die Ohren spitzen – bescherte uns das Land doch schon unzählige erstklassige Bands und Solokünstler. Na ja…was soll ich sagen…Fever Ray gehört für mich wohl nicht dazu. Selten habe ich ein Album gehört, bei dem man so offensichtlich versucht haben muss, vielversprechende Musik zu verunstalten. Denn in der Grundlage sind die meisten Songs von Karin Dreijer Anderson alias Fever Ray eigentlich gar nicht so schlecht. Mit ihren Ideen wandte sie sich an ein Produzentenduo aus der Elektroszene. Und damit haben wir den Salat. Songs, die durchaus einiges an Potenzial zu bieten gehabt hätten, wurden bis zum Umfallen mit aller Gewalt durch den elektronischen Fleischwolf gedreht. Stimmen wurden bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und nochmals verlangsamt und wieder übereinander gelegt. Ich glaube, so muss es klingen, wenn mir mal Außerirdische eine Nachricht auf meinem kaputten Handy hinterlassen sollten (oder für alle, die Stargate kennen: so singtein Goa’uld). Ein einziger undefinierbarer Quark. Dazu kommt noch, dass sich die Klangkulisse in wirklich jedem einzelnen Lied zu wiederholen scheint: ein durchgehendes Gewaber und Geklacker aus dem Computer, das unendlich austauschbar vor sich hin plätschert und doch keine Richtung zu finden scheint. Man hätte das Album auch mühelos auf drei Stunden ausdehnen können. Im Übrigen bin ich elektronischer Musik gegenüber nicht abgeneigt und war durchaus bereit, dem Album eine Chance zu geben. Deshalb hörte ich es mir mehrere Male hintereinander an, aber es wollte einfach nicht besser werden. Am Ende war ich nur noch furchtbar genervt. Die einzigen Lichtblicke ergaben sich an den Stellen, an denen wenigstens einmal ein echtes Instrument zu hören ist und die eigentlich interessante Stimme Andersons nicht verfälscht wurde. Auch gibt es einige gute, stimmungsvolle und atmosphärisch eindrucksvolle Momente. Einer von diesen wenigen Lichtblicken ist „Keep The Streets Empty For Me“. Hier lässt sich noch erahnen, was eventuell aus dem Album hätte werden können. So wurden viele gute Ideen einfach vertan. Schade. 

Deshalb gerade einmal 2 von 5 Sternen.

Für diejenigen, die es dennoch einmal versuchen wollen, hier das von mir als bestes empfundene Lied:

#5 Neu auf den Ohren: Cocoon - All my friends died in a plane crash

Zitieren möchte ich zu Beginn Mark Dumail, den männlichen Part des Duos Cocoon: “I wanted it to be a male-female duet. A duo like the White Stripes are in rock — we wanted to be the equivalent in folk music", und weiter: “Basically, Cocoon’s musical inspiration goes all the way from groups like The Pentangle and Fairport Convention right through to the ‘new folk’ movement that surfaced around the beginning of 2000 with artists like Coco Rosie, Devandra Banhart and Sufjan Stevens." Demnach hatte ich, als Hörerin der meisten oben aufgeführten Bands und Musikern sehr große Erwartungen als ich die Debut CD "All my friends died in a planecrash" zum ersten Mal hörte.
So schaffen Morgane Imbeaud und Mark Dumail zerbrechlich wirkenden, ruhigen Folk der in Frankreich einschlug wie eine Bombe und eine Reihe frenetischer Reviews nach sich zog, auch in Deutschland. Auffallend ist die schöne Instrumentierung mit Gitarren, Banjos, sowie die Stimme von Mark Dumail, der die Leadvocals singt. Während des Hörens komm ich nicht umhin zu denken: Mir scheint er hat sehr viel Ben Harper gehört in seinem Leben, so stimmen die Nuance und der Klang der beiden Männerstimmen größtensteils stark überein.
alles in allem ein sehr süßliches, schön klingendes Album, doch was fehlt sind Höhepunkte. So plätschert sie allzu oft schlicht vor sich hin und man hat Probleme die Titel zu unterscheiden. Innovative Musik, die etwas die White Stripes machen, sich immer neu erfindend, fehlt hier. So kann man den selbst hergestellten Vergleich der Band kaum ernstnehmen. Auch Vergleiche zu 70er Jahren Bands wie etwa Fairport Convention sind unverständlich, denn Cocoon reichen nicht einmal ansatzweise an den wunderbaren Folk dieses Jahrzehnts heran.
Wer gerne ruhigen, Hintergrund-Folk hört, ist mit Cocoon sicher gut beraten. Alle die mehr erwarten als einen geschmacklosen CD-Titel und dahinplätschernde Musik sollten nicht auf dieses CD zurückgreifen.

Daher:
Zwei von fünf (imaginären) Sternen





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