Donnerstag, 8. Oktober 2009

#42 Neu auf den Ohren: David Gray - Draw The Line

Schwarztee mit Milch. Die Assoziation taucht plötzlich und unauslöschlich vor meinem inneren Auge auf, während ich mir das neue Album von David Gray anhöre. Liegt es womöglich daran, dass der Mensch nun, zu Beginn der kalten Jahreszeit, unweigerlich etwas mehr Wärme braucht? Ist es das Bittersüße, welches beide verbindet? Das Zeitlose? Auf jeden Fall durchströmt mich ein wohliges Gefühl, schon bei den ersten Schlucken – Pardon – Minuten, in denen ich mich dem bereits 8. Studioalbum von David Gray widme. Was ich erwartet hatte? Nach den meiner Ansicht nach etwas zu lasch geratenen beiden Vorgängern hoffte ich nicht unbedingt auf den großen Wurf. Zunehmender Bekanntheitsgrad (unter anderem) über diverse Beiträge auf Soundtracks brachten eine unweigerliche Kommerzialisierung mit sich und drohten, die Intimität, die David Gray zwischen sich und seinen Hörern aufgebaut hatte, zunichte zu machen. Doch da gibt es eine Konstante: diese Stimme, die aus Hunderten herausstechen würde, die gleichzeitig Verletzlichkeit und Stärke ausdrückt. Von dieser lebt nun auch Draw The Line, doch dieses Mal balanciert der Brite geübter zwischen den Welten aus Kunst und Konsum. Bestes Beispiel: für "Full Steam" holt er sich als Duettpartnerin das Pop-Urgestein Annie Lennox ins Boot, für "Kathleen" die eher unbekannte (aber wunderbare) Folksängerin Jolie Holland. So vereinen sich auf Draw The Line eingängige, aber nicht minder anspruchsvolle Titel, mit denen David Gray bestätigt, dass er einer der besten Singer/Songwriter der Gegenwart ist. Neugierigen, Suchenden, und auch Zweiflern möchte ich mit allem Nachdruck empfehlen, dem Werk einige Aufmerksamkeit zu schenken, die sich gewiss lohnen wird. Als Anspieltipps fällt meine Wahl auf das Titelstück "Draw The Line", "Kathleen" (zum Glück hatte die erste Wahl Dolly Parton keine Zeit!) und "Jackdaw".
Vielmehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – eine persönliche Sache vielleicht noch: als ich im zarten Alter von 14 Jahren zum Schüleraustausch in England weilte, hörte ich zum ersten die Musik von David Gray. Und ich trank zum ersten Mal richtigen Schwarztee mit Milch. So schließt sich dann doch noch der Kreis…
Es fehlt noch zu sagen: 5 Sterne, natürlich!

Hier noch, wie gewohnt Myspace.
Und ein hochoffizielles Video.


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